Ist eine gemeinsame Hauptschule die Lösung für schwache Schüler?

Von: Udo Stüßer
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Das Kollegium der Städtischen Realschule Geilenkirchen will auch die schwachen Schüler fördern und mitnehmen. Doch was geschieht, wenn das nicht gelingt? Foto: Udo Stüßer

Geilenkirchen. „Die Schullandschaft in Deutschland und auch in Geilenkirchen hat sich verändert. Schulformen tauchen auf und verschwinden. Der Elternwille zählt, heute hat man die Wahl und die Qual der Wahl“, erklärte Diplom-Pädagoge Franz Peter Fröschen. Er moderierte die von den Geilenkirchener Grünen initiierte Informationsveranstaltung im Hotel Jabusch unter der Überschrift „Geilenkirchen – Deine Schüler wohin . . .?“

Die Eltern hatten viele Fragen auf dem Herzen, die Uwe Böken, Leiter der Gesamtschule Geilenkirchen, Tanja Krottenmüller, Leiterin der Hauptschule Übach-Palenberg, Annette Maxheim, Leiterin der Gemeinschaftsgrundschule Geilenkirchen, Dr. Hans Münstermann, Direktor des Übach-Palenberger Gymnasiums und Peter Pauli, Leiter der Geilenkirchener Realschule, beantworteten. Allerdings nur, sofern es um inhaltliche Fragen zu ihren jeweiligen Schulen ging. Politisch wollten sie sich an diesem Abend als staatstreue Beamte nicht zu Wort melden.

Manche Eltern hatten zuvor ihre Fragen bereits per Mail geschickt. Eine Zuschrift machte an diesem Abend nicht nur betroffen, sondern deutlich, dass manchen Eltern in Geilenkirchen die Qual der Wahl versagt bleibt. „Unser Kind hat die gewählte Schulform nicht geschafft, obwohl es sich auf die neue weiterführende Schule freute. Wir Eltern merkten auch sehr schnell, dass unser Kind total überfordert war, und trotz endloser Gespräche mit Lehrern und Schulleitung hat man uns immer vertröstet.

Es ist ja noch Erprobungsstufe. Mit viel Lernen klappt das auch“, beschreiben die Eltern den Schulalltag ihres Kindes. „Unser Kind wurde immer frustrierter, wir immer verzweifelter, es folgten viele weitere Gespräche mit Schulamt, Schulleitung, bis das Kind krank wurde von dem ganzen Frust und den vielen Tränen bis zur totalen Verweigerung.“ Die Eltern haben sich an verschiedene andere Schulen gewandt. Vergebens. Jetzt hat es eine Schule in einer Nachbarkommune gefunden. Die Eltern dazu: „Unser Kind geht wieder gerne und motiviert zur Schule und freut sich über gute Noten. Trotzdem hätten wir gerne unserem Kind die vielen Tränen erspart.“

Peter Pauli verwies an diesem Abend auf die verschiedenen Fördersysteme an der Realschule. Die Schüler würden hier zunächst das Lernen lernen. Hinzu kämen Sozialtraining und die klassische Förderung in einzelnen Schulfächern. „Und was ist mit den Schülern, bei denen die Förderung nicht geholfen hat?“, wurde aus dem Publikum eine der wesentlichsten Fragen gestellt, die das ganze Problem darstellt. Das habe, so Pauli, der Gesetzgeber geregelt.

Sind in einem Dilemma

„Dann ist die Gesamtschule zuständig. Und da befinden wir uns in einem Dilemma, die Hauptschule hat da hervorragende Arbeit geleistet.“ Kopfschütteln von Uwe Böken: Kollege Pauli habe den Gesetzgeber nicht vollständig zitiert, außerdem sei diese Aussage paradox. Böken erklärte den Grund: Er könne vier Eingangsklassen bilden, in jedem Jahr habe er einen Anmeldeüberhang. „Die Schüler, die keinen Platz im Auswahlverfahren bekommen haben, können wir nicht nehmen.“ Würden sich diese Schüler dann in der Realschule anmelden und nach der Erprobungsstufe feststellen, dass sie diese Schule nicht schaffen, „dann sind unsere Klassen immer noch voll“. Sicherlich würde seine Schule gerne helfen. „Aber das ist nicht programmierbar“, erklärte Böken.

Für Dr. Hans Münstermann war die Diskussion unverständlich. Er hielt ein flammendes Plädoyer für das gegliederte Schulsystem und für die Gesamtschule. „Ich wundere mich aber, dass Geilenkirchen und Übach-Palenberg nicht in der Lage sind, eine gemeinsame Hauptschule zu führen. Aber ich komme ja von außerhalb, ich muss das auch nicht verstehen.“

Auch die Unterrichtsqualität an der Realschule war ein Thema. Auf die Frage, ob auch in Zukunft ein bilingualer Zweig eingerichtet werde, antwortete Pauli: „Das ist nur bei Dreizügigkeit möglich, bei Zweizügigkeit müssen wir umstrukturieren. Den bilingualen Zweig kann ich nicht zusichern.“ Auf die Frage, wie viele seiner Schüler mit Hauptschulempfehlung aufgenommen worden seien, antwortete Pauli nicht, das sei Aufgabe des Schulträgers. Dem pflichtete auch Uwe Böken bei.

Schüler auf der Straße

Annette Maxheim erklärte zu den Empfehlungen der Grundschulen, dass die Lehrer nicht nur die Leistungen, sondern auch das Lernverhalten bewerten würden. Wenn sich in der Grundschulzeit gezeigt habe, dass das Kind der Hilfe und Unterstützung bedürfe, werde eine Hauptschulempfehlung ausgesprochen, „obwohl wir wissen, dass es sie nicht mehr gibt“. Maxheim weiter: „Wir setzen dann auf die Kollegen der weiterführenden Schulen.“ Dabei hatte Uwe Böken „kein gutes Gewissen“: „Ein Teil der Hauptschüler steht auf der Straße oder wendet sich an ein Schulsystem, für das diese Schüler nicht empfohlen wurden.“ Das Schließen der Hauptschule bedauerte Münstermann. Aber er erklärte auch, dass diese letztlich Eltern- und Kinderwille gewesen sei. Die Hauptschule werde nicht mehr wie in früherem Maße besucht. „Das Land zahlt für Hauptschulen nicht, die zu kleine Klassen haben, obwohl diese Schüler gefördert werden müssten.“

Nachdem am Montagabend Lehrer und Eltern diskutiert haben, geht die Debatte im Rathaus weiter. Um 18 Uhr wird sich der Ausschuss für Bildung, Soziales, Sport und Kultur auf Antrag der Grünen mit der Schulentwicklung beschäftigen.

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