Ist eine Bürgschaft letzter Ausweg für Germania?

Von: Udo Stüßer
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„Es kann nicht angehen, dass Vereine städtische Einrichtungen in Eigenleistung erstellen, für etwaige von ihnen nicht zu vertretende Kostenüberschreitungen auch noch in Regress genommen werden”. Dies erklärt Hans-Josef Paulus, Teverens Ortsvorsteher und Vorsitzender des Sport- und Kulturausschusses. Foto: Georg Schmitz

Geilenkirchen. „Es kann nicht angehen, dass Vereine städtische Einrichtungen in Eigenleistung erstellen, für etwaige von ihnen nicht zu vertretenden Kostenüberschreitungen auch noch in Regress genommen werden”: Dies erklärt der Teverener Ortsvorsteher Hans-Josef Paulus nach der hitzigen Ratsdebatte über das geplante Vereinsheim in Teveren.

Der Vorsitzende des Sport- und Kulturausschusses spart im Interview mit dieser Zeitung auch ansonsten nicht mit Kritik.

Herr Paulus, warum ist der Neubau des Teverener Vereinsheimes in Zeiten leerer Kassen überhaupt erforderlich?

Paulus: Bei den derzeit als Vereinsheim genutzten Räumlichkeiten handelt es sich um ehemalige gemeindliche Schlichtwohnungen aus dem Jahre 1957. Diese wurden im Jahre 1985 vom FC Germania 1910 Teveren weitestgehend in Eigenleistung mit 34.000 DM Materialkostenzuschuss der Stadt für Vereinszwecke umgebaut. Die vom Sportverein genutzten Räumlichkeiten befinden sich seit langem in einem sehr desolaten Zustand. Sie entsprechen in keiner Weise mehr den an ihnen zu stellenden Anforderungen. Bei einer Gebäudebesichtigung im Oktober konnten sich die Fraktionsvorsitzenden aller im Rat vertretenen Parteien von den Unzulänglichkeiten selbst überzeugen. Seitens der Stadt Geilenkirchen wurde festgestellt, „dass aufgrund des Zustandes der Bausubstanz des Sportheims/Umkleidehauses dessen weitere Nutzung zu Zwecken des Sportvereins dauerhaft nicht möglich ist”.

Die von Ihnen beauftragte Architektin hat Erfahrung im Bau von Sportheimen. Bei den Berechnungen der Materialkosten für den Bau des Teverener Sportheimes kommt sie allerdings zu ganz anderen Zahlen als die Stadtverwaltung. Während sie mit 137.000 Euro rechnet, kalkuliert die Verwaltung mit 225.000 Euro. Wie kann es zu solch starken Differenzen kommen?

Paulus: Es trifft zu, dass die vom FC Germania 1910 Teveren beauftragte Architektin über reichhaltige Erfahrungen insbesondere auch im Bau von Sportheimen verfügt. Ich habe keinerlei Veranlassung, an ihren Berechnungen zu zweifeln, zumal auch die ursprüngliche Kostenermittlung von Seiten des Bauamtes der Stadt im Wesentlichen mit den Berechnungen der Architektin deckungsgleich war. Inzwischen sind der Germania detaillierte Kostenangebote zugegangen. Die Angebote bestätigen die von unserer Architektin vorgenommenen Berechnungen. Leider lagen die bereits vor einigen Tagen erbetenen Angebote dem Verein zum Zeitpunkt der Ratssitzung noch nicht vor.

Aus den genannten Gründen sind wir sehr zuversichtlich, das Bauvorhaben mit tatkräftiger Unterstützung unserer altbewährten Vereinsfreunde und -gönner sowie der örtlichen Bauhandwerker zu den veranschlagten Kosten verwirklichen zu können.

Das Gangelter Vereinsheim wurde kürzlich mit 130 000 Euro Materialkosten errichtet. Wurde in Geilenkirchen mit „goldenen Wasserhähnen” kalkuliert?

Paulus: Ich habe das Gangelter Vereinsheim wiederholt in Augenschein genommen. Das für Teveren geplante Bauvorhaben ist sowohl von den Abmessungen als auch vom Innenausbau her durchaus mit dem Gangelter vergleichbar. Wir beabsichtigen im Übrigen keineswegs den Einbau goldener Wasserhähne. Vielmehr werden wir unser Augenmerk auf eine solide und funktionale Bauausführung richten, wie dies auch in Gangelt beispielhaft geschehen ist.

Sie selbst bürgen für die Summe, die 130.000 Euro überschreitet. Was bedeutet das für das künftige Vereinsleben in der Stadt. Können demnächst nur noch die Vereine sich ein Heim leisten, die einen Bürgen benennen können?

Paulus: Nachdem der FC Germania 1910 Teveren immer wieder mit neuen Anforderungen hinsichtlich Planung, Kostenermittlungen usw. konfrontiert wurde, bestand durchaus Anlass zu der Befürchtung, dass die Verwirklichung des Vorhabens in letzter Konsequenz nicht die Zustimmung der Mehrheit des Rates finden würde.

In der Bürgschaftserklärung sah ich den letzten und einzigen Ausweg aus dem Dilemma. Dieser Schritt ist mir durchaus nicht leicht gefallen. Dies umso weniger, als nicht ausgeschlossen werden kann, dass damit in der Tat ein Präjudiz für ähnliche noch anstehende Vorhaben geschaffen wurde. Ich hoffe allerdings, dass der „Fall Teveren” eine Ausnahme darstellt und anderen Vereinen ähnliche Schwierigkeiten erspart bleiben. Die Vereine sind in unserem Gemeinwesen von nicht zu unterschätzender Bedeutung. Deshalb gilt es, ihre Initiativen nach Kräften zu unterstützen, wie dies in den Nachbarkommunen beispielhaft exerziert wird.

Das Teverener Vereinsheim soll in Eigenleistung errichtet werden. Glauben Sie, dass man aufgrund solcher Diskussionen, wie sie jetzt der Fall sind, noch genügend Ehrenamtliche findet?

Paulus: Ihre Fragen sind durchaus berechtigt. Dass die Vereine es in der heutigen Zeit sehr schwer haben, ist hinlänglich bekannt. Die Arbeit der ehrenamtlich Tätigen ist alles andere als vergnügungssteuerpflichtig. Wir sollten froh darüber sein, dass sich dennoch immer wieder Idealisten dazu bereit finden, viele Stunden ihrer wertvollen Freizeit zu opfern und sich uneigennützig in den Dienst der Allgemeinheit zu stellen. Dass dem Staat und unseren Kommunen dadurch erhebliche Kosten erspart bleiben, wird leider allzu oft übersehen.

Vor diesem Hintergrund erscheint es angezeigt, nach pragmatischen Lösungen zu suchen, anstatt sich in endlosen Diskussionen zu ergehen. Bei etwas mehr Zuversicht in die Leistungsbereitschaft und das Leistungsvermögen unserer Vereine wären wir schon ein ganzes Stück weiter. Es kann nicht angehen, dass Vereine städtische Einrichtungen in Eigenleistung erstellen, für etwaige von ihnen nicht zu vertretenden Kostenüberschreitungen auch noch in Regress genommen werden. Das hat mit Vereinsförderung herzlich wenig zu tun.

Wird es dem Ehrenamtler im Verein überhaupt zu schwer gemacht?

Paulus: Die ehrenamtliche Tätigkeit stellt ein wichtiges Element unseres gesellschaftlichen Lebens dar. Ehrenamtlichkeit kann insofern auch staatliche Unterstützung beanspruchen, und zwar nicht als Geste gnädigen Wohlwollens, sondern als Anerkennung eines unersetzlichen sozialen Elements. Es ist nicht auszudenken, wie das Gemeinschaftsleben ohne die vielfältigen ehrenamtlichen Tätigkeiten überhaupt funktionieren könnte.

Die Selbsthilfe der Vereine, der Wille und die Fähigkeit zur eigenen Leistung und zur Eigenverantwortung sind daher für die Allgemeinheit unverzichtbar. Unsere Vereine sind auf Idealismus und Engagement aufgebaut. Diese gewichtigen Säulen haben sich in schwierigen Zeiten als tragfähige Fundamente erwiesen und werden deshalb auch in Zukunft Bestand haben.
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