Ist die Weste weiß? Vereine müssen prüfen.

Von: Jan Mönch
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Wer diese Jungs trainieren will, braucht zum Jahreswechsel ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis – egal, ob er Ehrenamtler oder Profi ist. Foto: stock/Blickwinkel

Kreis Heinsberg. Bei vielen Vereinen hat es sich offenbar noch nicht herumgesprochen: Wer ehrenamtlich mit Kindern oder Jugendlichen arbeitet, der muss ab dem Jahreswechsel ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis vorlegen. Was das bedeutet, damit haben sich allerdings viele der hiesigen Vereine nicht auseinandergesetzt.

Dies legen jedenfalls mehrere Versuche unserer Redaktion nahe, telefonisch ein Meinungsbild zur entsprechenden Änderung des Sozialgesetzbuches VIII zu erhalten. „Das höre ich zum ersten Mal“, lautet vielerorts die Antwort.

Die bereits Anfang 2012 verabschiedete Gesetzesänderung ist auch mit Sicherheit nicht geeignet, für großen Widerspruch zu sorgen. Schließlich ist es nur im Sinne eines jeden Kindes, dass die, die mit ihm arbeiten, eine weiße Weste haben.

Und sich nicht etwa in der Vergangenheit eines Sexualdelikts schuldig gemacht haben. Aber: Mit der Gesetzesänderung geht für Vereine beziehungsweise deren Träger eine Bringschuld einher, die sie im Falle eines Falles arg in die Bredouille bringen könnte.

Kommt es im Umfeld eines Vereins zu einem Fall von sexuellem Missbrauch durch einen Vorbestraften, wird künftig genau geprüft werden, ob der Verein das Zeugnis eingefordert hatte. Falls nicht, dürfte auch Unkenntnis keine Entschuldigung sein.

Von professionell in der Jugendarbeit tätigen Menschen wird ein erweitertes Führungszeugnis bereits seit mehreren Jahren eingefordert. Diese Regelung ist nun erstens auf Ehrenamtler ausgeweitet worden. Zweitens muss das Führungszeugnis, von Profis wie von Ehrenamtlern, regelmäßig neu vorgelegt werden.

Friedhelm Sieben, Jugendhilfeplaner beim Kreis Heinsberg, findet es grundsätzlich richtig, dass der Gesetzgeber für den Schutz von Kindern in Aktion getreten ist. Allerdings bedeute die Einforderung eines erweiterten Führungszeugnisses auch einen Generalverdacht, dem diejenigen, die sich engagieren, ausgesetzt würden.

„Man bringt den Leuten zunächst einmal Misstrauen entgegen. Das Gesetz bedeutet daher auch einen veränderten Umgangston.“ Allerdings sei dies auch Einrichtungen zu verdanken, in denen in der Vergangenheit nicht aus eigenem Antrieb genau genug hingeschaut wurde und es zu Übergriffen kam.

Recht des Kindes wiegt schwerer

Dies gelte ebenso für das Problem des Datenschutzes. Ein erweitertes Führungszeugnis dient gegenüber einem herkömmlichen Führungszeugnis vor allem dazu, genaueren Aufschluss über Sexualstraftaten zu geben.

So enthält es laut Sieben auch Vermerke über Sexualstraftaten, die vor Erreichen der Volljährigkeit begangen wurden – dies sei bei Straftaten anderer Natur nicht der Fall.

Straftaten, die im Erwachsenenalter begangen wurden und dem Arbeiten mit Kindern zumindest nicht direkt entgegenstehen, enthält das erweiterte Führungszeugnis aber ebenfalls. Denkbar ist also, dass Vereinsvorstände Dinge über ihre Mitarbeiter erfahren, die sie gar nicht wissen wollten. Sieben: „An der Stelle wurde eben gesagt, dass das Recht des Kindes höher zu werten ist als der Datenschutz.“

Einer der Vereine, die bereits reagiert haben, ist der ATV Geilenkirchen. Geschäftsführer Hans-Josef Vogt gibt allerdings zu, dass er und seine Vereinskollegen eher zufällig, nämlich durch die Zusammenarbeit mit einer Kita, aufmerksam wurden.

Daraufhin sei frühzeitig von rund 15 Übungsleitern die Bescheinigung angefordert worden. Murren der Ehrenamtler habe es nicht gegeben. Wirklich problematisch ist die Neuerung also offenbar nicht – sofern die entsprechenden Stellen denn etwas davon mitbekommen. Hans-Josef Vogt findet die Neuerung „grundsätzlich richtig“. Eine andere Frage sei, wie viel sie bringt.

In Paragraphen gegossen

Vogt hat Recht. Denn auch wenn das Gesetz von den Verantwortlichen noch so penibel umgesetzt werden sollte, garantiert es keinen hundertprozentigen Schutz. Schließlich ist nicht jeder Pädophile automatisch des Kindesmissbrauchs schuldig.

Und nicht jeder, der eine solche Straftat begeht, wird für sie angezeigt und verurteilt. So wurde die besondere Verantwortung der Vereine zwar in Paragraphen gegossen. Von der Notwendigkeit, die Augen offenzuhalten, entbindet sie dies aber nicht.

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