Übach-Palenberg - Ist der Landarzt noch zu retten?

Ist der Landarzt noch zu retten?

Von: Udo Stüßer
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Nach der Diskussion im CMC besuchte Gesundheitsminister Hermann Gröhe (links) die älteste Apotheke in Übach-Palenberg: In der 1938 gegründeten Carolus-Magnus-Apotheke zeigte ihm Erwin Kremers so manches historische Stück. Foto: Markus Bienwald Foto: Markus Bienwald

Übach-Palenberg. Dr. Heiner Buschmann ist seit 1982 als Allgemeinmediziner und Feuerwehrarzt in Übach-Palenberg tätig. „Der Beruf des Hausarztes macht noch immer sehr viel Spaß“, sagt er. Aber er klagt auch: „Man unterliegt einem stetig sich steigenden Druck aus Budgeteinschränkungen, Verordnungseinschränkungen und Zeitvorgaben.“ Bei einer Diskussion mit dem Gesundheitsminister übten die Mediziner jetzt deutlich Kritik am System.

Dass bald immer weniger Hausärzte besonders im ländlichen Raum zur Verfügung stehen, weiß auch Übach-Palenbergs Bürgermeister Wolfgang Jungnitsch. „Daher müssen wir als Stadt frühzeitig darüber nachdenken, was wir konkret tun könen, die wohnortnahe hausärztliche Versorgung für die Menschen in Übach-Palenberg dauerhaft sicherzustellen“, erklärt er und hat zu einem Dialog über die zukünftige medizinische Versorgung in der Stadt aufgerufen. Erster Gast des „Runden Gesundheitstisches“ war am Mittwochnachmittag Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU), der in der Lohnhalle des Carolus-Magnus-Centers mit Kommunalpolitikern, Ärzten und am Gesundheitswesen interessierten Gästen diskutierte. Dabei musste er sich so manche Kritik anhören.

Buschmann stellte sich hier als Mitglied einer aussterbenden Spezies vor, was auch sein Oberbrucher Kollege Dr. Bernd Bierbaum unterstrich. Er könne keinem jungen Kollegen empfehlen, Hausarzt zu werden, sagte er und kritisierte: „Die Position des Allgemeinmediziners ist sehr niedrig. Wir verdienen nicht nur am wenigsten, sondern haben auch noch den schlechtesten Status in der Ärzteschaft. Man spricht uns die Facharztqualität ab.“ Er bemängelte, dass der Hausarzt keine fachärztlichen Bescheinigungen ausstellen und nicht alle Medikamente verordnen dürfe. „Die Motivation der jungen Ärzte ist deshalb sehr gering. Die kassenärztliche Vereinigung ist facharztorientiert, der Allgemeinmediziner wird nicht vernünftig vertreten.“

Das sah der Gesundheitsminister anders: Der Hausarzt habe in der Bevölkerung ein hohes Ansehen, das dürfe man nicht kleinreden.Und welcher Arzt was verschreiben dürfe, entscheide schließlich die Selbstverwaltung der Ärzte und nicht die Politik.

Aber auch so mancher Facharzt beschreibt den Ist-Zustand nicht so positiv, wie Gröhe es eingangs getan hatte. Ein Psychiater erhalte je Patient und Quartal eine Pauschale von 38 Euro, ein Chirurg 25 Euro, kritisierte der in Geilenkirchen niedergelassener Chirurg Dr. Manfred Weisweiler. „Und wenn ich mit meiner Katze zum Tierarzt gehe, zahle ich das Zehnfache“, monierte er und forderte mehr finanzielle Mittel für die Ärzte in Nordrhein-Westfalen. „Es muss nicht so viel Geld nach Thüringen fließen“, forderte er. Für manche Fachärzte habe es in jüngster Zeit erhebliche Vergütungsverbesserungen gegeben, für manche hingegen Verschlechterungen, sagte Gröhe. Sicherlich müsse man sich einzelne Facharztgruppen ansehen.

Bürgermeister Wolfgang Jungnitsch hatte eingangs auf die gute Versorgung der Stadt Übach-Palenberg mit Ärzten hingewiesen. Die Versorgungsquote liege sogar bei 105 Prozent. Noch! „Mehr als die Hälfte der Ärzte ist über 55 Jahre alt. Wie geht es weiter?“, fragte er.

„Unabhängig von Einkommen und Wohnort sind die Deutschen mit dem Gesundheitssystem zufrieden“, sagte der Minister, erklärte aber auch: „Für die Zukunft müssen wir an den Stellschrauben drehen.“ Dabei denkt der CDU-Mann daran, hausarztmedizinische Versorgungszentren zuzulassen. Auch spricht er sich für eine intensivere Zusammenarbeit zwischen Krankenhäusern und niedergelassenen Ärzten aus. „Wenn Leistungen von Ärzten nicht mehr erbracht werden können, müssen Patienten im Krankenhaus versorgt werden. Die Zusammenarbeit der Krankenhaus-Notfallambulanzen mit der Kassenärztlichen Vereinigung muss verbessert werden.“

Schließlich sei auch die Residenzpflicht für Ärzte gelockert worden. „Die hat sich nämlich als Hemmschuh erwiesen.“ Bis zum Jahr 2020 müsse der Anteil der Studenten gesteigert werden, auch manche Facharztgruppen würden sich schon Sorgen machen. Auch eine kurzfristige Lösung hatte Gröhe im Gepäck. „In unterversorgten Gebieten wollen wir die Vergütungen verbessern.“

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