Geilenkirchen - Israelisch-deutscher Schüleraustausch: Herzbewegende Zeremonie

Israelisch-deutscher Schüleraustausch: Herzbewegende Zeremonie

Von: Walter Scheufen
Letzte Aktualisierung:

Geilenkirchen. Fast ein Jahr nach dem erfolgreichen Schüler-Austausch mit Israel, die bekanntlich mit dem „Begegnungspreis 2009” der Kreissparkassenstiftung ausgezeichnet wurde, war die Anita-Lichtenstein-Gesamtschule wieder Gastgeber und empfing eine 19-köpfige Delegation der Yohana Jabotinski-School aus Bee´r Yakov.

Die „Projektgruppe Israel” unter Leitung ihrer Lehrer Gabriele Czech und Walter Scheufen hatte den Besuch seit Monaten bis ins Detail geplant und vorbereitet. Schulleiter Uwe Böken und Walter Scheufen fuhren nach Köln, um die Gäste abzuholen.

Umfangreiches Programm

In Geilenkirchen warteten schon eine Gruppe von Schülerinnen und Gabi Czech mit einem reichhaltigen Frühstück auf die übernächtigten Gäste mit ihren Lehrerinnen Sara und Hana. Die Schlafräume im Schulgebäude waren liebevoll mit Gästebetten und - von der Nato zur Verfügung gestellten - Bettwäsche inklusive Betthupferl hergerichtet worden. Auf dem jüdischen Friedhof fand eine herzbewegende Zeremonie zur Erinnerung an die Namensgeberin der Schule Anita Lichtenstein statt.

Am nächsten Morgen stand ein Stadtrundgang bis zum Synagogenplatz auf dem Programm. Anschließend wurde die Gruppe von Bürgermeister Thomas Fiedler im Rathaus herzlich empfangen. Ein weiterer Höhepunkt war der Besuch der Nato-Air-Base mit Flugzeugbesichtigung und vielen weiteren Informationen über das Frühwarnsystem.

Eingeplant hatte man auch einen Besuch der Stadt Köln. Beim Verlassen des Hauptbahnhofs hörte man beim Anblick der Domfassade Seufzer der staunenden Bewunderung. Die Schüler besichtigten das Dominnere mit dem goldenen Dreikönigsschrein und den himmelstrebenden riesigen Kirchenfenstern. Für den Nachmittag stand der Besuch des ehemaligen Gestapo-Hauses an.

Führungen in deutscher und englischer Sprache ließen die Geschehnisse der Nazi-Diktatur und Schicksale von Regimegegnern, Homosexuellen, ethnischen Minderheiten und jüdischen Familien hautnah erfahren. Zellen, Verhörräume, viele Fotos und Zeitzeugnisse sorgten für bleibende Erinnerungen an die dunkelste Epoche der deutschen Geschichte.

Eine Tour nach Amsterdam stand ebenfalls auf der Agenda. „Das Tagebuch der Anne Frank” hatten die deutschen Schüler schon vorher als Verfilmung kennengelernt, für die jüdischen Mädchen und Jungen ist die Lektüre ein absolutes Muss in den Lehrplänen. Ein Besuch des Originalschauplatzes weckte Erinnerungen an so manche Buchpassage, vor allem die berühmte Bücherregal-Tür. Shopping und eine Grachtenfahrt dienten dem gemeinsamen Erleben und fröhlicher Verständigung.

Gangelt war das Ziel des nächsten Tages. Extra für die Austauschgruppe waren die Minigolfanlage, die Cafeteria und der Bootsverleih schon morgens in Betrieb. Ein Spaziergang entlang des Rodebaches durch das Naturschutzgebiet führte durch die typische Niederrhein-Landschaft zum Wildpark in Mindergangelt. Schüler und Lehrer hatten einen erlebnisreichen Tag unter Wölfen, Bären und vielen anderen heimischen Tierarten.

Zur Freude aller stand auch ein Trip zum Phantasialand nach Brühl an.

Am Samstagmorgen wurden die Gastschüler von den deutschen Eltern abgeholt, um das Wochenende gemeinsam in den Familien zu verbringen. Als die Kinder am Sonntagabend wieder zur Schule gebracht wurden, hatten sie viel zu erzählen.

Ein weiteres Highlight sollte am Montag der Ausflug nach Antwerpen werden. In der belgischen Hauptstadt leben heute noch etwa 15 000 Juden. Sie ist nach London die zweitgrößte jüdische Gemeinde in Europa.

Bei den zweisprachigen Führungen durch das Diamantenviertel erfuhren die Schüler, dass Antwerpen das Welthandelszentrum für Diamanten ist. Acht von zehn Diamanten gelangen über Antwerpen in den Welthandel.

Im Straßenbild des jüdischen Viertels fallen vor allem Menschen auf, die aufgrund ihrer Kleidung einer längst vergangenen Welt zu entstammen scheinen. Wegen des Laubhüttenfestes trugen die Männer übergroße runde Fellhüte, die an Bilder aus der Zarenzeit erinnern.

Schwarze lange Mäntel, schwarze Hosen und Schuhe gehören zu dieser Tracht wie auch die oft langen Bärte und Locken an den Schläfen. Am Abend gab es eine Farewell-Party mit Ansprachen, einer Tanzvorführung und einem regen Austausch von Abschiedsgeschenken.

Bevor die Gastschüler nach Köln zum Flughafen begleitet wurden, fand in Aachen noch eine Stadtführung statt. Bis zum Wiedersehen in Israel im kommenden Jahr versprach man sich, in regelmäßigem E-Mail-Kontakt zu bleiben.
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