Internationaler „Hotspot“ am Ferkesberg im idyllischen Kraudorf

Von: Simone Thelen
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Idyllische Randlage im Nord-Osten von Geilenkirchen: Kraudorf bewirbt sich für den Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“. Punkten können die Einwohner unter anderem mit der Pfarrkirche St. Gertrud... Foto: Simone Thelen
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...dem „Wooden Pig“ am Ferkesberg... Foto: Simone Thelen
Kraudorf
...und der Alten Wasserpumpe. Foto: Simone Thelen
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Die Pfarrer-Dederichs-Straße hat als einzige in Kraudorf einen Namen, ansonsten sind die Häuser einfach durchnummeriert. Foto: Simone Thelen

Geilenkirchen-Kraudorf. Es gibt Menschen in der Region, die den Namen Kraudorf noch nie gehört haben. Und es gibt Menschen in Italien, Japan oder in den USA, für die das kleine Dorf im Nord-Osten von Geilenkirchen ganz oben auf der Beliebtheitsskala steht. „Sie wären überrascht“ sagt Christina Hennen, die in Kraudorf eine kleine Ferienwohnung betreibt.

„Als Urlaubsziel ist Kraudorf durchaus international beliebt. Unsere Gäste schätzen die wunderschöne Gegend und die ländliche Ruhe.“ Der Belegungsplan der Ferienwohnung „Alte Schule“ spricht eine eindeutige Sprache. Wer noch eine freie Woche ergattern möchte, muss schon ein bisschen Glück mitbringen – oder genügend Geduld haben.

Für eingefleischte Kraudorfer – es gibt derzeit 117 Einwohner – dürfte dies wohl kaum eine Überraschung sein. Nicht umsonst hat sich das Dorf gemeinsam mit Hoven, Kogenbroich und Nirm für den Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ beworben.

Guido Peters ist, in seinen eigenen Worten, „sozusagen der Ortsarchivar“ von Kraudorf und unterstützt den Ortsvorsteher der Vierdörfergemeinschaft. Peters: „Kraudorf hat einiges zu bieten. Es gibt seit Neuestem sogar einen internationalen Hotsport. Am ‚Ferkesberg‘ am Ortsrand von Kraudorf gibt es eine Holzbank, für die ein Nachbar ein Holzschwein gestiftet hat.“ Diese Schwein spielt als „Wooden Pig“ eine Rolle beim Handy-Spiel „Pokemon Go“. Vor allem Jugendliche kennen sich seitdem bestens in Kraudorf aus. Ob dieser Hotspot auch beim Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ Punkte einbringt, bleibt abzuwarten.

Erstmals schriftlich erwähnt wurde der Ort unter dem Namen Crutorp im Jahr 1144. Verschiedene Funde legen aber die Vermutung nahe, dass es das Dorf schon deutlich früher, etwa seit dem siebten Jahrhundert nach Christi Geburt, gab. Darüber, woher der Name Kraudorf stammt, gibt es verschiedene Theorien. Die gängigste ist, dass „Krau“ auf das Wort „krût“ wie Kraut oder Blätterpflanze zurückgeht und der Ortsname soviel bedeutet wie „Dorf im Kraut“. Da aber erst ab dem 17. Jahrhundert von Krautfabriken (für Rübenkraut) in Kraudorf berichtet wurde, glauben einige, dass der Name auf einen früheren Weinanbau zurückgeht, denn „Cru“ wird zum Beispiel in Frankreich als Name einer Weinsorte benutzt. Kraudorf liegt auf einem Hügel mit Terrassenrändern auf leicht bis steil abfallenden Hängen – keine schlechte Voraussetzung für den Anbau von Weintrauben...

Funktionierende Vereinswelt

Für den Genuss von Wein und sonstigen Getränken in geselliger Runde müssen die Kraudorfer mit dem eigenen Wohnzimmer Vorlieb nehmen. Eine Kneipe gibt es nicht, dafür aber einige stets gut besuchte Veranstaltungen im Jahreskalender, so etwa das Patronatsfest, die Kirmes und der Vogelschuss der St.-Antonius-Schützenbruderschaft Kraudorf Nirm.

Auch die übrigen Vereine, die Interessengemeinschaft der Pfarre Kraudorf, die Löscheinheit Nirm der Freiwilligen Feuerwehr, der Trommler- und Pfeifferkorps Kraudorf-Nirm und der FSV Kraudorf-Uetterath feiern regelmäßig Feste. Dass die Vereine die vier Dörfer vereinen, ist ein wichtiger Punkt für „Unser Dorf hat Zukunft“. Denn der Zusammenhalt und die Pflege von Tradition und Brauchtum sind wichtige Kriterien für die Kreiskommission, die ab kommender Woche durch insgesamt 29 Dörfer reist und sie bewertet.

Straßennamen gibt es in Kraudorf nur einen einzigen: Die Pfarrer-Dederichs-Straße. Alle anderen Häuser sind durchnummeriert, an den Zahlen müssen sich Einwohner, Postboten, Lieferanten und Besucher orientieren. Guido Peters wohnt in dem Haus mit der Nummer 51. „Hier gibt es eine schöne Mischung aus jungen Familien und Alteingesessenen“, erzählt er. „Hier wohnt ein Künstler, eine Schriftstellerin, und es gibt die Feriengäste in der Alten Schule.“ Dabei sei Kraudorf als absolutes Randgebiet entwicklungstechnisch noch auf einem Stand wie vor hundert Jahren. Im Mittelpunkt des Dorfes steht die Katholische Pfarrkirche St. Gertrud. „Und wir freuen uns über die wunderschöne Landschaft, die von uns gehegt und gepflegt wird, genau so wie die Waldeidechsen in der Kiesgrube.“

Stolz sind Guido Peters und seine Nachbarn auch auf die 300 Jahre alte Dorflinde – die zwar eigentlich eine Buche ist, aber so eng sehen das die Kraudorfer nicht. Der beachtliche Baum hat jedenfalls einen Eintrag ist deutsche Baumarchiv.

Sehenswert sind auch die Buntverglasungen der Kirche, das Pfarrhaus, die Kapelle der Schmerzhaften Mutter Maria zwischen Kraudorf und Nirm und die alte Wasserpumpe. Viel zu erleben also für die Feriengäste von Christina Hennen. Kraudorf ist eben einen Besuch wert. Seite 21

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