Interesse an Türkei-Urlaub sinkt weiter

Von: Ines Kubat und Udo Stüßer
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Obwohl vereinzelt Sicherheitsbedenken geäußert wurden: Reiserücktritte verzeichneten heimische Reisebüros nach dem Militärputsch vergangene Woche in der Türkei kaum. Dennoch verliert das einst so beliebte Reiseziel Türkei immer mehr Urlauber. Im Bild: der Strand von Belek an der sogenannten Türkischen Riviera. Foto: Soeren Stache/dpa

Geilenkirchen. Schwerer Terroranschlag am internationalen Flughafen Istanbul Atatürk am 28. Juni. Putschversuch in Ankara und Istanbul am 15. Juli. Das beliebte Urlaubsland vieler Deutschen kommt einfach nicht zur Ruhe. Das Auswärtige Amt rät Reisenden in Istanbul und Ankara auch am Montag zu äußerster Vorsicht: „Landesweit ist weiter mit politischen Spannungen sowie gewaltsamen Auseinandersetzungen und terroristischen Anschlägen zu rechnen.“

Auf der Internet-Seite des Auswärtigen Amtes heißt es aber auch: „Aus anderen Teilen des Landes, insbesondere von der Mittelmeerküste, wurden keine besonderen Ereignisse gemeldet.“

„Alle Fluggesellschaften fliegen wieder in die Türkei“, erklärt Brigitte Obringer von TJC Reisen in Geilenkirchen. Stornierungen von Kunden, die in die Türkei reisen wollen, liegen ihr bisher noch nicht vor. Allerdings hatte auch keiner ihrer Kunden vor, am vergangenen Wochenende in die Türkei zu fliegen.

„Die nächsten Türkeireisen stehen erst für Ende Juli an, einige Kunden haben für September gebucht“, sagt sie. Allerdings seien schon Anfragen für Umbuchungen eingegangen. Das aber gehe derzeit nur mit Mühe, gesteht sie. Denn die weiteren beliebten Urlaubsziele würden in diesem Jahr besonders stark frequentiert, weil sich vor einiger Zeit bereits abgezeichnet habe, dass die Türkei als Urlaubsland für Familien ausfällt.

Es sei schon zu Beginn des Jahres vermehrt Spanien, Griechenland, Kroatien und Bulgarien gebucht worden. „Andere machen Urlaub mit dem Auto in Deutschland und in Österreich“, hat Obringer festgestellt. Fest steht auch, dass der Urlaub in Spanien teurer wird. „Sicherlich findet man noch etwas, aber nicht mehr zu dem üblichen Preis. Es gibt nur noch tagesaktuelle Preise.“

Dass sich die Preise verschieben würden, habe sich bereits Anfang des Jahres nach dem ersten Anschlag in der Türkei angebahnt, berichtet auch Ingrid Preuss-Polzin von der Reiseagentur KVE in Geilenkirchen: „Schließlich gilt bei Reisen: Die Nachfrage regiert den Preis.“ Und die Nachfrage für die Türkei sei in den ersten Monaten von 2016 stark gesunken, so dass viele Hotels schließen mussten. Obwohl damit auch die Preise stark gesunken seien, Buchungen gab es trotzdem kaum. Das hätten die westlichen Mittelmeerländer gut genutzt und in Sachen Preis „voll zugeschlagen“. Dort sei das Angebot für diesen Sommer größtenteils erschöpft, bestätigt auch sie den Eindruck von Brigitte Obringer.

Unmittelbar nach dem Putschversuch Ende vergangener Woche seien Familien ins Reisebüro gekommen, weil sie Bedenken hatten, ob ihr Türkeiurlaub sicher genug sein würde. Und dennoch: Die, die ihren Urlaub bei der Geilenkirchener Reisebüro-Filiale gebucht hatten oder schon vor Ort sind, bleiben bei ihrer Entscheidung: „Wir hatten bislang keine Reiserücktritte“, sagt Preuss-Polzin. „Die waren je nach Reiseanbieter auch nur bis Sonntag beziehungsweise Montag kostenlos möglich“, sagt Preuss-Polzin.

Es hänge von der Kulanz des Anbieters ab. Das Auswärtige Amt habe schließlich keine Reisewarnung, sondern nur Sicherheitshinweise herausgegeben. Erst bei einer offiziellen Warnung könnten Reisen kostenlos storniert werden. „Ich glaube nicht, dass noch viele von ihrer Reise zurücktreten werden. Denn gerade die Urlauber, die im Sommer 14 Tage Urlaub mit All-Inclusive buchen, bleiben vermutlich die ganze Zeit in ihrer Anlage“, sagt die Tourismus-Fachfrau. Tatsächlich hätten sogar drei Kunden ihren Urlaub trotz aller Umstände für die Türkei gebucht.

Dennoch war der Montagmorgen sehr hektisch für die Mitarbeiter: „Ein paar Reisende sitzen noch in Ankara fest, weil ihr Flug gestrichen wurde.“ Man konnte sie aber auf einen anderen Flug am Abend buchen, damit sie doch nach Hause kommen.

Wer jetzt noch unsicher ist, was den Urlaub in der Türkei angeht, kann sich an das Reisebüro wenden, die über Möglichkeiten der Umbuchung und des Rücktritts informieren. Ratschläge allerdings geben Preuss-Polzin und ihre Mitarbeiter aus Prinzip nicht, weil man die Gefahr kaum abschätzen könnte: „Jeder muss für sich selbst entscheiden, wie sicher er sich fühlt.“ Niemand hätte beispielsweise gedacht, dass man beim Feuerwerk zum Nationalfeiertag in Nizza oder beim Warten an der Schlange am Brüsseler Flughafen in Gefahr geraten könnte. „Die ganze Welt hat sich geändert.“

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