Geilenkirchen - Integrative Wohngruppe für Jugendliche mit und ohne Fluchthintergrund

Integrative Wohngruppe für Jugendliche mit und ohne Fluchthintergrund

Von: Laura Laermann
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Freuen sich über die neue Unterkunft: Flüchtling Amir Mirzaie aus Afghanistan und Dirk Fassbender von den Johannitern. Foto: Laura Laermann

Geilenkirchen. „Endlich ein eigenes Zimmer“ – das hat sich Amir Mirzaie gedacht, als er in die Wohngruppe der Johanniter-Jugendhilfe „Kompass“ nach Geilenkirchen gezogen ist. Zuvor hatte der 17-jährige Flüchtling aus Afghanistan in einer Unterkunft in Wegberg-Petersholz gewohnt. Dort teilten sich die Jugendlichen mindestens zu zweit, wenn nicht sogar zu dritt ein Zimmer. Das hat gelegentlich auch zu Konflikten geführt.

Im Juli sind die Johanniter nach Geilenkirchen und Übach-Palenberg umgezogen. In der neuen Einrichtung in der Goethestraße hat jeder Jugendliche wie vom Land NRW vorgegeben ein eigenes Zimmer. Sieben Jungen im Alter von 16 bis 18 Jahren mit und ohne Fluchthintergrund werden dort betreut. Um dies möglich zu machen, musste das Haus, das zuvor als Dentallabor diente, erst einmal umgebaut und renoviert werden. Die Kosten dafür haben die Johanniter, die seit 1980 Träger freier Jugendhilfe sind, selbst übernommen.

Neben neun Zimmern für die Bewohner gibt es auf insgesamt 300 Quadratmetern ein gemeinschaftliches Wohn- und Esszimmer, eine Küche, mehrere Badezimmer und ein Büro mit Schlafgelegenheit für die Betreuer. Außerdem war bereits ein Partykeller vorhanden, der auch zukünftig für Geburtstagsfeiern genutzt werden soll. Schon jetzt spielen die Jungs dort regelmäßig Billard oder Kicker; im Garten wird auch schon mal der Fußball ausgepackt .

Die Gruppe ist mittlerweile wie eine große Familie, sagt Dirk Fassbender, organisatorischer Leiter der Johanniter-Jugendhilfe „Kompass“. Das war nicht immer so. In der alten Unterkunft in Wegberg kam es anfangs zu Streitereien, als Syrer und Afghanen sich ein Zimmer teilen sollten. „Wir haben sofort klargestellt: In Deutschland ist jeder gleichberechtigt. Religion, Volksstamm oder Geschlecht spielen keine Rolle.“ Doch nicht nur an Privatsphäre mangelte es in der alten Unterkunft, sondern auch die Lage war ein Problem. „Es gab keine Geschäfte in der Nähe, und bis zur Bushaltestelle war man ewig unterwegs“, erinnert sich Amir. In der neuen Einrichtung an der Goethestraße sei alles besser.

Amir genießt seine eigenen zwölf Quadratmeter. Er und die anderen Jugendlichen sind hier nie alleine, stets ist ein Betreuer vor Ort im „Kompass“. Der Name steht für Orientierung, die die Wohngruppe den Jugendlichen geben soll. Tagsüber sind die meisten zwar in der Berufsschule, den Rest des Tages verbringen sie aber oft zusammen in der Wohngruppe oder fahren schon mal in andere Städte. Aus welchem Land jemand kommt, spielt mittlerweile keine Rolle mehr in der Gruppe. Das integrative Konzept, nach dem Jugendliche mit und ohne Fluchthintergrund zusammenleben, ist aufgegangen: „Wir haben etwas Neues geschaffen. Das ist Integrationsarbeit pur“, resümierte Marius Mainzler, der Regionalleiter der Johanniter.

Zu dem Projekt gehören neben der Wohngruppe in Geilenkirchen auch zwei sogenannte Verselbstständigungsgruppen, die in Übach-Palenberg untergebracht sind. Dort leben die Jugendlichen weitaus selbstständiger, da sie weniger Betreuung benötigen. Mit dem Übergang von der Wohngruppe in die Verselbstständigungsgruppe soll den Jugendlichen der Weg ins eigenständige Leben erleichtert werden.

Manchmal reicht dabei schon ein festes Ziel vor Augen. Amir zumindest strengt sich jeden Tag an, sagt er, denn er möchte später einmal Rechtsanwalt werden.

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