Integration mit einem „Lotsen” meistern

Von: Franz Windelen
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Gruppenbild wie auf der „Gangway”: Barbara Kramer und Christian Ehlers (4.v.r.) vom Diakonischen Werk stellten im Beisein unter anderem von Bürgermeister Wolfgang Jungnitsch (l.) und Superintendent Jens Sannig (2.v.l.) das Projekt in der „Hütte der Begegnung” vor. Foto: Markus Bienwald

Übach-Palenberg. Der Name ist Programm. „Gangway” heißt das Projekt, das Brücken bauen will - für Menschen mit Migrationshintergrund, damit diese in unserer Gesellschaft Fuß fassen. Das Diakonische Werk des Evangelischen Kirchenkreises Jülich, bereits mit dem gleichen Projekt im Heinsberger Nordkreis erfolgreich, weitet selbiges auf Übach-Palenberg und Geilenkirchen aus.

Was „Gangway” beinhaltet, wie es funktioniert, beleuchteten Christian Ehlers von der Integrationsagentur der Diakonie im Kreis Heinsberg und Barbara Kramer vom Migrationsfachdienst der Diakonie in der „Hütte der Begegnung”.

Das Projekt qualifiziert ehrenamtliche Kräfte mit Migrationshintergrund, Zuwanderer in die Gesellschaft zu „lotsen”, deren Eingliederung zu unterstützen. Die Initiative, die zunächst auf drei Jahre befristet ist, darüber hinaus aber fortgesetzt werden soll, richtet sich in erster Linie an Frauen, an Mütter.

Barbara Kramer hat erste Erfahrungen in Übach-Palenberg gesammelt und zeigte sich optimistisch, dass die angesprochene Klientel die vielfältigen Angebote - vom Nähen, Tanzen, Kochen bis hin zum Sprachunterricht - annehmen wird. „Es geht darum, Hemmnise abzubauen und das Selbstwertgefühl zu stärken”, erklärte Kramer. Die Veranstaltungen, die in der Moschee und wahrscheinlich zusätzlich im Mehrgenerationenhaus stattfinden, sollen mehr als nur praktische Anweisungen beinhalten, sie sollen auch den oft dünnen Kontakt nach außen befördern.

Während die Diakonie in Übach-Palenberg vornehmlich die türkischen Mitbürger mitnehmen möchte, sind es in Geilenkirchen die Spätaussiedler.

„Das Projekt ist ein Novum in der Region”, konstatierte Ehlers, „da es durch die finanzielle Unterstützung Geilenkirchens und Übach-Palenbergs eine übergreifende kommunale Kooperation gibt”. Die beiden Städte beteiligen sich jeweils mit 5400 Euro pro Jahr an „Gangway”. Das Projekt soll nach Worten Ehlers behutsam wachsen: „Ein Grashalm wächst nicht schneller, wenn man dran zieht.” Es gelte, mit Hilfe der „Integrationslotsen” ein „Wir-Gefühl zu finden, ein Bild von Gemeinschaft zu entwerfen, wo alle hineingehören”, so Ehlers.

Auch Superintendent Jens Sannig hob die Bedeutung des Projektes hervor und nahm Bezug auf die jüngste leidige Integrationsdebatte: „Bei unserem Projekt bildet sich ein anderes Stück Wirklichkeit ab als das, was wir von Thilo Sarrazin gehört haben. Die Menschen sind sehr wohl bereit, sich einbinden zu lassen.” Es bedürfe keiner populistischen Parolen, sondern wichtiger Themen, die sich an der Basis umsetzen lassen.

Das bestätigte auch Huesyin Salin von der islamisch-türkischen Gemeinde in Übach-Palenberg: Immerhin hätten acht Prozent der 25.000 Übach-Palenberger eine Zuwanderungsgeschichte. Angesichts der beachtlichen Zahl sei es wichtig, eine sinnvolle Eingliederung in die Gesellschaft zu schaffen.

Ebenso wie Salin war Hermann-Josef Lehnen, der stellvertretende Leiter des Geilenkirchener Jugendamtes, der Ansicht, besonders die Kinder in den Fokus der Integrationsbemühungen zu stellen. Lehnen: „Im AWO-Kindergarten in Geilenkirchen finden bekanntlich schon seit längerem Integrationskurse statt. Ich denke, mit dem neuen Projekt, dem wir uns gerne angeschlossen haben, sollten Eltern und Kinder stärker zusammengeführt werden.”

Auch Übach-Palenbergs Bürgermeister Wolfgang Jungnitsch zeigte sich angetan vom Projekt: „Integration schaffen wir nicht mit Sonntagsreden und Predigten, sondern sie muss real umgesetzt werden.” Die Stadt habe sich mit dem Gedanken getragen, in eigener Regie ein Integrationsmodell zu schaffen: „Dann kam zum Glück die Diakonie.”

Christian Ehlers von der federführenden Integrationsagentur gelangte abschließend zu der positiven Erkenntnis: „Das Projekt muss von unten wachsen, aber es muss von oben wahrgenommen und unterstützt werden.”

Die „Integrationslotsen” kommen nach Angaben von Christian Ehlers von der Integrationsagentur der Diakonie aus den Reihen der verschiedenen Zuwanderervereine und -organisationen. Sie arbeiten ehrenamtlich im Team und werden von einer sozialpädagogischen Fachkraft professionell geschult und begleitet.

Konkret unterstützen die Lotsen die Menschen mit Migrationshintergrund bei der Suche nach geeigneten Schul- und Kindergartenplätzen sowie bei der Suche nach Deutschsprachkursen und/oder anderen Qualifizierungsmaßnahmen.

Den Kontakt zu Fachdiensten wie Sucht- und Schuldnerberatung stellen die Helfer ebenfalls her. Auch bei Behördengängen und beim Ausfüllen von schwierigen Formularen sind sie zur Stelle.

Oft ergeben sich Situationen oder Problemlagen, die besser von „Landsleuten” geklärt werden können. Auch hier bieten die Lotsen ihre Unterstützung an.

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