Gangelt - Integration auf heißen Öfen trägt Früchte

Integration auf heißen Öfen trägt Früchte

Von: hama
Letzte Aktualisierung:
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Ein Trike mit vier Plätzen: So etwas ist selten in Deutschland.
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Bevor es auf die nassen Straßen ging, segnete Pfarrer Andreas Krieg Maschinen und Fahrer.

Gangelt. „Ruth, komm, fährst du mit mir!“ Aber Ruth war wohl die Einzige aus der großen Gruppe der Menschen mit Behinderungen, die Horst Sommer, dem Vorsitzenden der Biker & Triker Freunde ohne Grenzen, eine klare Absage erteilte.

„Dabei ist es genau diese Ruth, die mich das ganze Jahr über immer fragt, wann wir endlich mal zusammen Motorrad fahren können“, erzählt Sommer, beruflich und auch sozial-ehrenamtlich bei den Gangelter Einrichtungen Maria Hilf beschäftigt, seinen Freunden am Grillstand.

Es wird wohl die sehr eng sitzende Lederkluft und der Krach der schweren Motorräder gewesen sein, die Ruth einen Rückzieher hat machen lassen. „Das macht sie aber jedes Jahr“, weiß Präsident Sommer zu berichten.

Vergleicht man die Veranstaltung vom Wochenende, die elfte Auflage des Biker- und Trikerfestival der Begegnung, mit der Jubiläumsveranstaltung vom Vorjahr, ging es sehr gemächlich zu rund um das Clubheim, die Oase in Hohenbusch. Gut 900 Motorräder waren im vergangenen Jahr dabei, als man versuchte, den größten Corso mit behinderten Mitfahrern auf die Beine zu stellen. Diesmal waren es gut zehn Prozent an Teilnehmern, was aber wohl auch mit dem sehr wechselhaften Wetter zusammenhing.

„Der Regen hätte ja auch noch einen Tag warten können“, waren sich die Organisatoren des Clubs einig. Letztendlich stempelte Horst Sommer das aber als „zweirangig“ ab. „Alle Menschen mit Behinderungen haben wieder einmal einen Platz auf einem Motorrad bekommen.“

Und die neue Regelung, dass es nicht mehr einen großen Corso, durch die Gemeinden Gangelt, Selfkant und Waldfeucht gibt, sondern mehrere kleine Touren auf einer 18-Kilometer-Runde durch die nahen Niederlande und Deutschland, sorgte dafür, dass viele Teilnehmer, die nicht nur aus den Gangelter Einrichtungen, sondern aus dem ganzen Kreis Heinsberg kamen, mehrmals mitfahren und zwischen Motorrädern und Trikes auswählen konnten.

Jüngstes Mitglied ist 19 Jahre

Während Sommer als Lohn für die Veranstaltung die Freude in den Gesichtern der Teilnehmer ausmachte, attestierte Pfarrer Andreas Krieg, der zum ersten Mal zu Gast bei den Bikern war und die Maschinensegnung vornahm, dem Verein ein hohes soziales Engagement. Er zog den Hut vor denen, die den behinderten Menschen eine so große Freude bereiteten und lobte die scheinbar selbstverständliche Integration der Gruppe in das Vereinsleben. „Segnen Sie doch bitte auch mein Motorrad“, bat Salina Krings, mit 19 Jahren das jüngste Mitglied in der Riege der Biker, Pastor Krieg und präsentierte ihm stolz ihr erstes Motorrad. Mit einem Beifahrer nahm sie aber nicht am Corso teil; das traute sich der Führerscheinneuling noch nicht zu.

Auch das ist eine Form von Verantwortung, die bei der Gruppe groß geschrieben wird. Bei der letzten Runde erlebten rund 30 Teilnehmer allerdings in Mindergangelt ihr „Waterloo“. Um Punkt 17 Uhr ging der heftigste Regenschauer des Tages nieder.

Überdachter Beiwagen

Einzig die beiden Mitfahrer in der vereinseigenen Honda mit Beiwagen sahen das mit großer Freude: Der Beiwagen ist nämlich überdacht.

Während Horst Sommer und Ruth darüber diskutierten, ob sie nicht im kommenden Jahr doch mal eine gemeinsame Runde versuchen sollen, genossen die Gäste die Musikparty bei Gegrilltem und Getränken.

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