Infoveranstaltung über Füchtlingssituation: „Die sind gut integriert“

Von: Markus Bienwald
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Über 100 Anwesende erschienen zur ersten Bürgerinformationsveranstaltung zur Flüchtlingsunterbringung in Lindern. Ängste und Bedenken einiger Bürger konnten genommen werden. Foto: Markus Bienwald

Geilenkirchen. Ob die Informationspolitik der Stadt Geilenkirchen in Sachen Flüchtlinge tatsächlich so schlecht ist, wie einige der über 100 Besucher der ersten Bürgerinformationsveranstaltung in Lindern behaupteten, wollten die Veranstalter nicht beurteilen.

„Aber wir ziehen uns gerne den Schuh an, dass wir zu spät informieren“, gab Christoph Grundmann, Fraktionsvorsitzender der SPD, zu. Gemeinsam mit CDU-Ortsvorsteher Raimund Tartler hatte er auf eigene Initiative und über die Parteigrenzen hinweg, wie beide ausdrücklich betonten, diese Infoveranstaltung auf den Weg gebracht. „Wir möchten gerne aus erster Hand informieren“, begründete Tartler diesen Schritt.

Dass es die erste Veranstaltung dieser Art im Stadtgebiet von Geilenkirchen war, fiel bei den Gästen auf durchaus fruchtbaren Boden. Denn die Meldungen, die nach den Wortbeiträgen des Ersten Beigeordneten Herbert Brunen, der Flüchtlingsbeauftragten Yvonne Wolf und Süggeraths Ortsvorsteher Lars Speuser auf dem improvisierten Podium des Jugendheims in der Stiftstraße zu hören waren, ließen den Schluss zu, dass die Linderner auf vielerlei Art und Weise interessiert sind an der Unterbringung von Flüchtlingen.

70 Menschen sollen nach Auskunft von Herbert Brunen kommen, dazu wurden vor zwei Wochen entsprechende Mietverträge für zehn Wohnungen abgeschlossen. Mit Blick auf die künftige Entwicklung bat Herbert Brunen um Verständnis: „Wie es in einem halben Jahr aussieht, kann Ihnen keiner sagen“. In Lindern sei aktuell „nichts mehr geplant“, aber am Beispiel der Wohnungen für Flüchtlinge auf dem Gelände der Fliegerhorstsiedlung in Teveren machte er deutlich, wie die Entwicklung die Planungen überholen kann. So sei dort vor einem halben Jahr mit zehn Wohnungen kalkuliert worden, jetzt seien es 17. „Ich hoffe aber, dass sich die Zuweisungsquoten absenken werden“, so Brunen mit Blick auf die sich ändernden gesetzlichen Regelungen.

Die Nachfrage, ob die Stadt Einfluss darauf habe, aus welchen Kulturkreisen die Menschen nach Geilenkirchen kämen, musste Brunen verneinen. „Wir haben derzeit 35 Nationalitäten, aber keinen Einfluss“, schloss er. Beim aktuellen Zuteilungsverfahren – so wird der Verwaltung zwei Tage vor Ankunft der Flüchtlinge per E-Mail die Zahl, das Geschlecht, der Name und das Alter der zugeteilten Personen mitgeteilt – müsse die Stadt zudem sehr kurzfristig die Verteilung regeln.

Mischung aus Angst und Neugier

Die Bedenken der Linderner Bürger und Anwohner wiesen auf eine Mischung aus Angst, Unklarheit über die Unterbringung der Flüchtlinge und deren Betreuung und Neugier auf das Kommende hin. Da gab es auf der einen Seite offene Stimmen, die sich fragten, wer die Kinder vor befürchteten, eventuellen Übergriffen von Geflüchteten schütze. Da gab es aber auch Anwohner, die mit den neuen Bewohnern der angemieteten Wohnungen in der Maarstraße schon gute Erfahrungen gesammelt haben. Und da gab es Stimmen, die vor zu viel Schwarzmalerei warnten und sich ein Miteinander mit den Flüchtlingen durch Zusammenarbeit in der Dorfgemeinschaft wünschten.

„Leben Sie nicht an denen vorbei, gehen Sie auf sie zu“, riet Lars Speuser, der wie viele andere Süggerather als dortiger Ortsvorsteher einen lebhaften Kontakt mit den geflüchteten Menschen pflegt. Ängste vor Krankheiten hielt Yvonne Wolf für unbegründet, so würden alle Neuankömmlinge beim Kreisgesundheitsamt auf in unseren Breiten längst ausgerottete Krankheiten wie Tuberkulose untersucht und erst dann auf die Unterkünfte verteilt.

Im Übrigen betonte sie, dass die anfängliche Welle von jungen Männern, die geflüchtet seien, nicht mehr der aktuellen Lage entspreche. „In den letzten Wochen waren es zu 90 Prozent Familien, die zu uns gekommen sind“, so Wolf. Eine 24-Stunden-Betreuung von jungen Menschen, die als geflüchtete Einzelpersonen registriert wurden, gebe es aber nicht. „Das ist vom Gesetz her aber auch ebenso wenig für deutsche Jugendliche vorgesehen“, unterstrich sie.

In Sachen Konfliktpotenzial konnte wiederum Lars Speuser berichten. „Da gibt es Deutsche, die schlagen sich eher die Köpfe ein“, betonte er. Und selbst in den Fällen, wo Anwohner sich gestört fühlten, sei es nach Rücksprache mit den Flüchtlingen immer gleich abgestellt worden, sodass ein eventueller Schaden der gefühlten Harmonie im Dorf nicht festzustellen sei. „Insgesamt sind sie gut integriert“, schloss Lars Speuser, „und natürlich geht es immer noch besser, aber setzen Sie sich doch mal die Brille auf, wie es für Sie wäre, wenn Sie mit Ihrer Familie in einem Bürgerkriegsland leben würden, und die Chance hätten, zu flüchten.“

Das waren Worte, die durchaus Eindruck hinterließen. Am Ende gab es auch seitens der Ortsvereine erste Ideen, wie die Flüchtlinge aktiv ins Leben im Ort eingebunden werden können.

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