Industrialisierung macht vor dem Landleben keinen Halt

Von: Markus Bienwald
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Objekt- und Fotokünstler Urban Stark stellt derzeit seine Werke im Geilenkirchener Haus Basten aus. Foto: Markus Bienwald

Geilenkirchen. Kunst soll ja nicht nur was für das Auge und die Seele bieten, sie darf ruhig auch zum Nachdenken anregen. Das kann man wohl ohne Zweifel von den Werken sagen, die derzeit von Urban Stark im Bürgerhaus Basten in Geilenkirchen zu sehen sind.

Da gibt es beispielsweise Kühe, die wie Bausätze aus Tetra Paks zusammengesetzt sind und Sonnenbrillen tragen. Und da gibt es scheinbar Alltägliches, dessen Verfall dokumentiert wurde, um die Schnelllebigkeit der Gesellschaft und das Vergängliche zu symbolisieren.

Mit Symbolik scheint es Urban Stark, der im belgischen Kelmis wohnt, sehr zu haben. Auf die Idee mit den Tetra Pak-Kühen angesprochen, antwortet er mit dem Gedanken, dass das Produkt, die Milch, so sehr im Vordergrund stehe, dass das eigentliche Leben der Erzeugerinnen und auch deren Gestalt unsichtbar bleibe.

„Die Kühe sind ja in der Landschaft gar nicht mehr zu sehen“, sagte er am Rande der vom Verein „GK Kulturgut!“ veranstalteten Ausstellung.

„Ich habe mal mit einem Landwirt in Bayern gesprochen, der mir sagte, dass die Kühe im Stall viel effizienter wären“, so Stark weiter. Da lag der Gedanke des Industriellen, verpackt im einheitlichen Getränkekarton, sehr nahe. Und so gestaltete Stark auch aufgesägte Kartons, setzte Miniaturkühe in typischen Situationen ein, um zu zeigen, dass die Industrialisierung und die Normierung auch vor dem eigentlich idyllischen Landleben keinen Halt machen.

„Die Menschlichkeit bleibt auf der Strecke, wenn es nur noch um die Liberalisierung der Märkte geht“, kommentierte die Kunsthistorikerin Dr. Dagmar Preising diese Seite von Starks Werken. Doch neben der „kühlen“ Kunst zeigte der Objektkünstler und Fotograf noch mehr Vielfalt in seinem künstlerischen Ausdruck.

Da sind beispielsweise die Landkarten: eigentlich längst ausgedientes Schulmaterial mit eher historischem Wert, gewinnen sie durch Übermalen und Beschriften eine ganz neue Symbolik. Auf einem der Werke ist so die Kunstsprache „Esperanto“ zu sehen, als Bindeglied Europas vor dem Hintergrund einer Europakarte.

Ein anderes Bild dieser Serie hat eine Asien-Übersichtskarte als Untergrund, auf dem eine Sackgasse die vielfältigen Problematiken dieses Kontinents bündelt. Dass auch die Kunst, das Leben damit und dafür eine gewisse Problematik nicht verleugnen kann, zeigten übrigens die einführenden Worte von Henriette Echghi-Ghamsari vom veranstaltenden Verein.

„Wir mussten die eigentlich für das frühere Kreismuseum geplante Ausstellung sehr kurzfristig verlegen“, sagte sie. Dabei galt ihr Dank dem flexiblen Team um Gort Houben und dem Kulturamt der Stadt Geilenkirchen, die sich schnellstmöglich um einen Ersatzort kümmerten.

Dieses schnelle Handeln und das Wirken des Vereins freute auch Bürgermeister Georg Schmitz. „Durch das Engagement des Vereins werden den Menschen in Geilenkirchen und unserer Region Kunst und Kultur auf verschiedenste Weise nähergebracht“, sagte er.

Und das war im Falle der vielfältigen Kunst von Urban Stark, die noch bis einschließlich Donnerstag, 18. Mai, jeweils donnerstags zwischen 16 und 19 Uhr sowie sonntags zwischen 14 und 18 Uhr zu sehen ist, noch unterstrichen. Der Eintritt ist frei, das gilt natürlich auch für die anstehende Kunsttour im Kreis Heinsberg am kommenden Sonntag, wenn ausnahmsweise von 11 bis 18 Uhr geöffnet ist.

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