Geilenkirchen - „In dieser Stadt sollen sich alle Menschen wohlfühlen“

„In dieser Stadt sollen sich alle Menschen wohlfühlen“

Von: Udo Stüßer
Letzte Aktualisierung:
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Geilenkirchen, eine lebendige Stadt: Sie soll noch weitere Menschen anziehen. Alle Foto: Georg Schmitz
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Thomas Fiedler, Karl-Peter Conrads, Susanne Köppl und Wilhelm-Josef Wolff (v.l.) freuen sich auf ein weiteres Kapitel Stadtmarketing.

Geilenkirchen. Ein neues Kapitel in dem Buch „Geilenkirchener Stadtmarketing“ wird nun aufgeschlagen: Nachdem kürzlich bei einer Podiumsdiskussion im Hörsaal des Software-Entwicklers CSB verschiedene Expertenmeinungen zu hören waren, sollen jetzt die Pflöcke eingeschlagen werden.

Sicherlich wird in den nächsten Wochen, Monaten und Jahren viel diskutiert. In einem Punkt ist sich aber Karl-Peter Conrads (CDU), Vorsitzender des Ausschusses für Stadtentwicklung und Wirtschaftsförderung, sicher: Auf die Hilfe eines externen Profis wird Geilenkirchen verzichten. Die Haushaltslage lässt diese zusätzliche finanzielle Belastung von rund 100.000 Euro im Jahr nicht zu.

Mit dieser Meinung sprechen Conrads und sein Fraktionskollege Wilhelm-Josef Wolff Bürgermeister Thomas Fiedler und Wirtschaftsförderin Susanne Köppl aus dem Herzen. „Wir brauchen keinen Propheten, der vom hohen Berg zu uns kommt. Gute Ideen sind viel wichtiger als teure Flyer“, sagt Fiedler. Und Wolff meint dazu: „Es gibt auch in unserer Region Menschen, deren Erfahrungen man sich zu Nutze machen kann.“ Susanne Köppl stellt derweil fest: „Man spricht oft von professionellem Stadtmarketing. Aber auch wir sind keine Dilettanten.“ Köppl, Fiedler, Conrads und Wolff hatten die Podiumsdiskussion in der Firma CSB vorbereitet. Doch wie geht es aus ihrer Sicht weiter ?

Beschlossene Sache ist die Gründung eines Arbeitskreises, dem der Bürgermeister und je ein Vertreter der im Stadtrat vertretenen Fraktionen angehören werden. Je nach Arbeitsfeld soll dieser Kreis um kompetente Berater aus der Stadt erweitert werden. Es geht nämlich beim Stadtmarketing, und das sagt Wolff ganz deutlich, nicht nur um die Belange des Einzelhandels. „In dieser Stadt sollen sich alle Menschen wohlfühlen.“ Und wer sich in Geilenkirchen wohlfühlt, der lebt hier gerne und kauft auch ein.

Viel hat sich in den vergangenen Jahren getan. „Die Innenstadt wurde erneuert, Bürgerhäuser haben die Menschen zusammengeschweißt, durch den Glasfaserausbau wurden Initiativen gegründet. Ganze Dörfer halten nun zusammen. Nur haben wir all das nicht unter dem Namen Stadtmarketing verkauft“, sagt Wolff. Das sieht auch Conrads so: „Das Gute will man oft nicht sehen, das ist für viele Menschen selbstverständlich. Wir haben viel Positives in der Stadt.“

Doch womit kann und will Geilenkirchen im Wettbewerb mit den Nachbarkommunen punkten? Da verweist Conrads an erster Stelle auf eine „hervorragende Schullandschaft“: „Wir können jedem Kind in Geilenkirchen einen Schulabschluss sichern.“ Der Vorsitzende des Stadtentwicklungsausschusses hebt auch die „hervorragende medizinische Versorgung“ hervor: „Wir haben ein Top-Krankenhaus, Haus- und Fachärzte. Wir haben jeden Spezialisten in Geilenkirchen.“ Und nicht vergessen dürfe man die Vielzahl hocheffizienter Unternehmer.

Mobilität und Nahversorgung

Bei so viel Lob für die eigene Stadt wissen alle Beteiligten auch, dass es noch viel zu tun gibt. Die künftige Mobilität im ländlichen Raum und die Nahversorgung sind ebenso Themen wie der demografische Wandel, auf den sich die Kommune vorbereiten muss. Conrads weiß auch, dass die Zahl der Bedürftigen wachsen wird, die ebensfalls versorgt werden müssen. Nicht nur das Freizeitverhalten, Wohnen und der Einzelhandel werden sich in den nächsten Jahren ändern.

Dafür muss eine Kommune gewappnet sein. Aber sind das Bestandteile des Stadtmarketings? „Beim Stadtmarketing geht es nicht nur um den Aktionskreis und den Einzelhandel, die sind nur ein Teil davon“, sagt Conrads. Bei der Vielzahl der Themen, so glauben die Beteiligten, könnte man auch Studenten einbinden, die im Rahmen ihres Studiums Untersuchungen starten. Fiedler denkt derweil auch über eine kleinräumige und schnelle Organisation nach: Wer fährt in die Stadt und kann mir etwas besorgen? Kann jemand mein Kind aus der Kita mitbringen?

Schnelle unbürokratische Hilfe über eine App könnte die Zukunft sein und zu einer positiven Athmosphäre in der Stadt beitragen. „So, wie es den ehrenamtlichen Besuchsdienst im Krankenhaus gibt, könnte man ehrenamtliches Engagement auf die ganze Stadt übertragen. Dann haben wir ein Umfeld, in dem sich alle wohlfülen“, meint Conrads. Aber die Vorteile der Stadt müssen sicherlich auch nach innen und außen kommuniziert werden, die Menschen sollen in die Stadt gelockt werden.

„Der Aktionskreis zieht mit seinen Events sicherlich viele Menschen in die Stadt“, weiß Wolff, während Fiedler künftig noch mehr auf bildende Künstler, musikalische Vereinigungen und Rockbands setzen will. „Auch auf dem Gebiet haben wir viel Kompetenz in der Stadt. Das ist ein unerschöpflicher Brunnen, aus dem wir schöpfen können“, sagt er und betont dabei „den Selbstgestaltungswillen und die Selbstgestaltungskraft“.

Sicherlich hoffen die Verantwortlichen von Rat und Verwaltung, künftig die eine oder andere Geschäftslücke schließen zu können. Kommunizieren müsse man deshalb bei jeder sich bietenden Gelegenheit gegenüber ansiedlungswilligen Unternehmern und Geschäftsleuten, dass es in Geilenkirchen eine Kaufkraft von jährlich 144 Millionen Euro gebe. Aber Wilhelm-Josef Wolff sagt auch: „Die strukturellen Probleme des Einzelhandels können wir nicht lösen. Wir leben in einer Marktwirtschaft, in der einer tüchtiger als der ander ist.“

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