In der Idylle den Alltagsstress vergessen

Von: Georg Schmitz
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Der „Herr der Gartenlauben”:
Der „Herr der Gartenlauben”: Klaus Eske steht an der Spitze des Garten- und Verschönerungsverein Geilenkirchen, der in der Martin-Heyden-Straße 36 Parzellen für Hobby-Gärtner bereithält. Foto: Georg Schmitz

Geilenkirchen. Schwester Maria Barbara war erfreut, als Hiltrud Krings ihr das Orchideen-Arrangement überreichte. Seit 63 Jahren ist die Schwester Oberin des St.- Elisabeth-Krankenhauses, und nur drei Jahre nach Amtsantritt trat die Geilenkirchener Klinik dem örtlichen Garten- und Verschönerungsverein bei.

Kassenverwalterin Hiltrud Krings hatte die Urkunde dem ältesten Mitglied, dem 1951 aufgenommenen Krankenhaus zu übergeben, und stattete der Oberin einen Besuch ab.

1947 gegründet

Maria Barbara erfuhr bei dieser Gelegenheit von ihr einiges über den im Oktober 1947 auf Initiative der Stadt Geilenkirchen gegründeten Garten- und Verschönerungsverein Geilenkirchen. In der Martin-Heyden-Straße hat der Verein seit Jahrzehnten das Areal für die Mitglieder gepachtet.

Die Kommune hatte das Grundstück seinerzeit von der Familie von Eynatten erworben. Der erste Vorsitzende war übrigens Johann Odenthal. 36 Parzellen von je etwa 150 Quadratmetern stehen den Hobbygärtnern heute in unmittelbarer Nähe der Tennisplätze des TC Rot-Weiß Geilenkirchen zur Verfügung - und alle sind belegt. Die zahlreichen Gartenlauben in den Schrebergärten und die gut gepflegten Parzellen zeugen von einer regen Tätigkeit der Vereinsmitglieder.

Klaus Eske hat hier seit 20 Jahren als Vereinsmitglied seinen Garten, 2002 wurde er zum Vorsitzenden gewählt. Mächtig stolz ist er auf den Vereinsgarten mit Holzhaus und chemischer Toilette sowie einer Rasenfläche. An dem Garten für die Allgemeinheit hat er zusammen mit seiner Frau Vera und mit Unterstützung der Vereinsmitglieder rund drei Jahre lang gearbeitet. Jetzt kann das Areal, für das alle Mitglieder abwechselnd die Pflege übernehmen für Vereinsfeiern genutzt werden. Klaus Eske hat die Veränderungen der letzten Jahrzehnte hautnah mitbekommen. Nur noch drei Deutsche betreiben je eine der 36 Gartenparzellen, alle anderen Hobby-Gärtner stammen aus Afghanistan, Kroatien, Polen, Russland, Serbien und der Türkei. So trägt die Kleingartensiedlung im Wurmtal auch zur Völkerverständigung bei, die Vielzahl der Nationalitäten ist auch an den unterschiedlichen Bauweisen der Lauben und Gartenhäuser sichtbar. Russland-Stämmige haben beispielsweise ihre „Datschen” in heimischer Bauweise mit Flachdach errichtet, während andere Nationalitäten Dächer in abgeschrägter Form bevorzugen.

Mindestens einmal wöchentlich werden irgendwo auf den Grundstücken Familien- und Grillfeste oder Partys gefeiert.

„Wir brauchen uns um den Fortbestand unseres Vereins keine Sorgen zu machen, denn mittlerweile sind hier auch junge Mitglieder, so um die 30 Jahre, mit ihren Kindern zu Hause”, sagt Klaus Eske. Der „Herr der Gartenlauben” pflanzt auf seinem Areal all das, was man auf dem Essenstisch findet. Blau-, Johannis-, Stachel- und Erdbeeren sind die Obstsorten, die er bevorzugt. Gemüse hat aber den meisten Platzbedarf in seinem Garten. Rot-, Spitz-, Weiß-, China- und Winterkohl, Wirsing, Bohnen, Möhren, Zwiebeln, Rote Beete, Gurken, Paprika, Zucchini, Porree, Kartoffeln, Tomaten, Salat und Mangold gedeihen auf Eskes Grund und Boden.

Das Pflanzverhalten der Nachbarn

Aber was wächst in Nachbars Garten? Auch viele der eben aufgezählten Sorten sind nebenan zu finden, die „Gartenbauer” schauen sich das „Pflanzverhalten” des Nachbarn offensichtlich ab. Aber zusätzlich sind bei einigen auch „exotischere” Gemüsearten zu finden, wie beispielsweise Auberginen und verschiedene Kräuter aus fernen Ländern. Über alle Kulturen hinweg haben die Gärtner aber ein gleiches Problem, und das sind Schnecken und wilde Tauben. „Wenn der Salat nicht geschützt wird, ist er nach zwei Tagen weg”, sagt Klaus Eske dazu. Die Kleingartenanlage ist auch ein Paradies für Bienen und Wespen. „Hier darf man keine Angst haben”, schmunzelt der Vorsitzende.

Keine große Rasenfläche

Nebenbei erwähnt er ein seit Jahrzehnten bestehendes deutsches Kleingartengesetz, das viele seiner Gärtner-Kollegen !aus anderen Ländern schon schier zur Verzweiflung gebracht hat. So dürfen nicht mehr als 30 Prozent einer Parzelle mit Blumen bepflanzt werden. Auch ist darauf zu achten, dass die Rasenfläche nicht zu groß ausfällt.

Manche Hobby-Gärtner verbringen mehrere Tage in der Woche in ihren Schrebergärten. Alle haben hier ihr idyllisches Fleckchen, das auch den Alltagsstress leicht vergessen lässt.

Das Hobby ist zudem noch erschwinglich. Wer hätte gedacht, dass die Mitgliedsgebühr im Garten- und Verschönerungsverein nur 5 Euro pro Jahr beträgt, oder eine Parzelle für 10 Euro per anno gepachtet werden kann?
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