In alten Kartons lagern die Epochen

Von: Franz Windelen
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Einen wahren Schatz lagert Wolfgang Morawe in seinem Kraudorfer Haus. Etwa 6000 Spiele aus allen Epochen hat er gesammelt. Foto: Windelen

Geilenkirchen-Kraudorf. 52 Spiele zählt meine Kollektion im heimischen Regal. Mit dem üblichen Repertoire halt: Schach, Halma, Mensch-ärgere-dich-nicht, Mikado, Siedler, Schatz der Pharaonen und, und - Klassisches bis Modernes. Immerhin. Die Zahl dürfte Wolfgang Morawe wenig beeindrucken.

Der Kraudorfer hat so viele Spiele und Spielchen, dass er 17 Jahre lang jeden Tag ein anderes auspacken könnte. Derzeit ist der pensionierte Lehrer für Deutsch, Französisch und Kunst dabei, die üppige Ansammlung in seinem Kraudorfer Domizil zu archivieren - digital und penibel nach Genres, nach Herkunft und nach Erscheinungsjahr.

„Einen genauen Überblick habe ich noch nicht, denke aber, dass es es an die 5000 bis 6000 Spiele sein werden”, überschlägt Wolfgang Morawe seinen unsortiert lagernden Schatz. An den alten Schachteln, Dosen und Kartons klebt der unverkennbare Ruch ferner Tage.

Der Sammler nimmt behutsam die Inhalte heraus, der Betrachter staunt und vernimmt, wie Wolfgang Morawe ins Schwärmen gerät. „Das sind kleine Pretiosen. Die Spiele, deren Figuren sind so filigran und aufwendig gearbeitet, dass man sich manche Teile schlichtweg rahmen und an die Wand hängen könnte”, kramt er handgefertigte Kupferschiffchen und Mikadostäbchen aus Tierknochen hervor, zeigt ikonographische Feinheiten oder einen Parcours auf marmorisiertem Papier.

Genau diese nostalgische Bizarrheit, diese Akribie, diese Kunst sind es, die den Ästheten Wolfgang Morawe faszinieren - schließlich ist er Maler und Inhaber die Galerie 11 in Kraudorf. Nicht das Spielen reizt ihn, die Geschichte(n), die die Spiele erzählen, interessieren ihn. „Sie stellen einen soziopolitischen Spiegel der jeweiligen Gesellschaft, der Epoche und deren Zeitgeist dar.”

In den Spielen lasse sich die Entwicklung von einer feudalen Gesellschaft hin zu einem leistungsbewussten und mobilen Bürgertum nachzeichnen. „Auf die romantisch verklärte, vorindustrielle Biedermeier-Zeit folgt die Beschleunigung, folgt der kosmopolitische Forschergeist, die grenzenlose Fortschrittsgläubigkeit”, erklärt der Sammler.
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