Imker mit Leib und Seele

Von: Georg Schmitz
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Bei der Durchsicht kontrolliert Imker Hans-Willi Dohmen im Garten seines Grotenrather Hauses die Waben seiner Bienenvölker. Foto: Georg Schmitz

Geilenkirchen-Grotenrath. Hans-Willi Dohmen steht im weißen Schutzanzug in der äußersten Ecke seines Gartens an der Corneliusstraße in Grotenrath, um ihn herum summt und surrt es ununterbrochen. Der Wachleiter der Civil Guard des Nato E3A-Verbandes ist Herr über 18 Bienenvölker mit einem Gesamtbestand von derzeit etwa 120.000 bis 130.000 dieser fliegenden Insekten.

Aber schon im Sommer werden es weit über eine Million Bienen sein, die den 54-Jährigen dann regelmäßig mit einem kostbaren Lebensmittel aus Gottes Natur versorgen - mit Honig.

Seit über 100 Jahren beschäftigt sich die Familie Dohmen mit der Imkerei. Großvater Wilhelm Dohmen trat 1908 dem Imkerverband Rheinland bei, und Vater Theo übernahm 1962 dessen Bienenvölker. Seit 1994 setzt Dohmen nun die Imker-Tradition in seiner Familie fort. Ehefrau Fine, Tochter Theresa und die beiden Söhne Simon und Tobias leben mit den Bienen. Alle bekamen zwar bereits mehrfach den Stich einer Biene zu spüren, akzeptieren und unterstützen aber dennoch das Hobby des Familienoberhauptes.

„Das ist nur wie ein Mückenstich”, meint Hans-Willi Dohmen. Er nehme das kaum noch wahr und bei 25 Stichen bis Mitte April höre er auch auf, diese zu zählen. Zu erzählen hat der Imker aber genug über seine geliebten Tierchen. Je nach Wetter beginne die Bienensaison zwischen Mitte März und Mitte April.

„Wenn die Temperaturen im zweistelligen Bereich liegen, unternehmen die Bienen ihren Reinigungsflug”, weiß der Fachmann. Dies bedeute, dass die Kotblase der Biene, die sich im Winter gefüllt ab, bei den ersten Flügen entleert werde. Wenn dann in der Nachbarschaft weiße Wäsche draußen hänge, könne diese plötzlich braune Flecken aufweisen. Alles drehe sich bei den Bienenvölkern um die Königinnen, von diesen „gekrönten Häuptern” habe er schließlich 18 - pro Volk eine.

Vier bis fünf Jahre werde eine Königin alt. Diese sitze im Winter in der Mitte der Traube und werde vom Volk gewärmt. Die sogenannten Winterbienen hielten das Bienenvolk in der kalten Jahreszeit am Leben. Im Frühjahr, wenn sie ihre Dienste erledigt haben, sterben diese dann. „Pro Tag legt eine Königin - je nach Temperatur - bis zu 1200 Eier in die Waben”, erklärt der Imker. Der Brutprozess halte zwar das ganze Jahr über an, aber die Eiablage werde immer spärlicher.

Jedem seiner Bienenvölker stünden 22 Brutwaben für zur Verfügung. Bei der Masse der nebeneinanderstehenden Brutzargen könne es auch schon mal vorkommen, dass sich Bienen verirren und im „falschen Volk landen”. Dohmen: „Wenn diese Biene Honig trägt, wird sie von den Wächtern reingelassen.” Habe sie keinen Honig dabei, gelte sie als Honigdieb und werde getötet.

In diesen Tagen ist Dohmen mit der sogenannten „Durchsicht” beschäftigt. Er schaut nach, ob über Winter eine Wabe verschimmelt oder zu dunkel geworden ist. Sollte dies der Fall sein, werden diese durch neue Waben ersetzt. Nach der Eiablage brauchten die Bienen vier Wochen Zeit zum Schlüpfen. Jetzt im Frühjahr brauchten die Bienen den kompletten Honig wie auch Pollen für ihre eigene Ernährung und für ihre Brut. Wenn die Bienen etwa Anfang bis Mitte Mai geschlüpft sind, legen sie einen Honigvorrat an.

Dieser Überschuss kommt Hans-Willi Dohmen zugute. Nachdem der Honig zuvor gereift ist, wird er von den Waben ausgeschleudert und in Gläser abgefüllt. Zwischen 25 und 30 Kilogramm Honig erntet der Imker aus Grotenrath in Früh- und Spättracht pro Volk. Auf dem letzten Weihnachtsmarkt in Geilenkirchen zeigte sich, wie begehrt der Grotenrather Honig von Dohmen ist.

„Honig hält 2000 Jahre, es wurde sogar Honig als Grabbeilage in Ägypten gefunden, der noch älter und genießbar war”, weiß Dohmen. Weil der Imker seinen Bienen den Honig im Sommer „klaut”, muss er die Tierchen im Winter füttern. Das geschieht mit Zuckerwasser. „Im vergangenen Winter musste ich rund 400 Kilogramm Zucker kaufen, um die Bienen satt zu kriegen”, blickt Hans-Willi Dohmen zurück.

Varroa-Milbe als Feind

Der größte Feind der heimischen Bienen sei die „Varroa-Milbe”. Vor über 20 Jahren aus Asien in Europa eingeschleppt, habe diese schon unzähligen Bienenvölkern schweren Schaden zugefügt. Die Milbe setze sich in die Brutzelle der Bienen und sauge die Bienenmade aus. Und dies passierte Dohmen ganz zu Anfang seiner Imkerzeit, als er 1995 neun von damals zwölf Bienenvölker durch die Milbe verlor. Seitdem schütze er seine Völker mit Thymian-Extrakt, denn dieser halte die Milbe fern.

Dohmen ist 2. Vorsitzender im Imkerverein Übach-Palenberg/Geilenkirchen und in dieser Funktion ist er bestens über alle bienenrelevante Themen informiert. „Ich hoffe, dass eines meiner Kinder mein Hobby mal übernimmt und die Familientradition fortsetzt”, sagt er und wendet sich wieder seinen Tieren zu.
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