Geilenkirchen - Im Zweiten Weltkrieg in Geilenkirchen geboren: Besuch in der Heimat

Im Zweiten Weltkrieg in Geilenkirchen geboren: Besuch in der Heimat

Von: Georg Schmitz
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Bürgermeister Thomas Fiedler (rechts) zeigt den Geschwistern Christa, Ingrid, Elmar und Doris de Longe (von links) alte Bilder von Geilenkirchen. Die Vier wurden zu Zeiten des Zweiten Weltkrieges im St.-Elisabeth-Krankenhaus geboren und später evakuiert. Foto: Georg Schmitz

Geilenkirchen. Christa (80), Ingrid (75), Doris (71) und Elmar (71) haben eines gemeinsam: Jeder wurde mit Familiennamen de Longe zu Zeiten des Zweiten Weltkrieges im St.-Elisabeth-Krankenhaus in Geilenkirchen geboren. Im Kindesalter erlebten alle Vier die Zeit der Entbehrung.

Die Familie wurde evakuiert und die Geilenkirchener Mädchen sowie der Junge verließen die Stadt – und kamen nie mehr zurück.

Durch einen Zufall stieß Bürgermeister Thomas Fiedler beim Pflaumenkuchenessen in Hatterath auf Doris Durst. Beide kamen ins Gespräch, und so erfuhr der erste Bürger der Stadt, dass die 71-Jährige als Doris de Longe in Geilenkirchen geboren wurde, aber die Stadt an der Wurm später nie kennengelernt hatte. Wie auch die drei eingangs erwähnten Geschwister.

Dabei wohnen die drei Witwen und der geschiedene Mann im näheren Umfeld. Christa in Jülich, Ingrid und Doris in Stetternich, Elmar in Niederzier. Irgendwie hatten sie den Kontakt zur Heimatstadt verloren und keinen Bezug mehr zu Geilenkirchen gefunden.

Das rief Thomas Fiedler auf den Plan. Er lud das Quartett zu einer persönlichen Führung durch die Stadt ein. Am Rathaus angekommen staunten die Besucher nicht schlecht, sie erkannten die Stadt überhaupt nicht wieder. „Nach dem Krieg galt Geilenkirchen als total zerstört und es sollte auch nicht mehr aufgebaut werden“, erinnert sich Christa de Longe ganz genau. Schließlich habe man sich doch für einen Wiederaufbau entschieden. Thomas Fiedler zeigte den „Heimkehrern“ Bilder aus längst vergangenen Zeiten, wobei sich die Frauen und der Mann an einiges erinnern konnten. „Damals gab es hier den Westdeutschen Beobachter“, nennt Christa die während der 30er- und 40er- Jahre erscheinende Tageszeitung.

Elmar de Longe hatte sich vor dem Treffen mit dem Bürgermeister in den Buchhandlungen nach einem Bildband über Geilenkirchen umgeschaut. Weil er nicht fündig geworden war, bemängelte er das Fehlen eines Buches. „Wir suchen jemanden, der die Nachkriegsgeschichte überarbeitet, Material haben wir genug“, machte Thomas Fiedler deutlich.

Christa de Longe ist offensichtlich die Sprecherin des Quartetts und als Älteste im Bunde vermittelte sie auch ihr Wissen. Die Stadt habe an einem berühmten Handelsweg gelegen, konnte sie vermelden. „Geilenkirchen ist heute eine richtig schöne kleine Stadt, sie könnte sogar ein Kurort sein“, sprudelte es sehr zur Freude des Bürgermeisters aus ihr heraus. Beim Gang durch das historische Gebäudeensemble von St. Ursula ging bei Christa de Longe das Herz auf. „Das war meine Schule, ich habe damals hier das Mädchen Lyzeum besucht“, freute sie sich, ihre alte Wirkungsstätte wiederzusehen.

Dunkles Gewässer mit Schlamm

Weiter marschierte Thomas Fiedler mit den Ur-Geilenkirchenern zum Wurmfenster, wo sie einen Blick in die darunter fließende Wurm werfen konnten. „Den Fluss haben wir noch ohne Überbrückung gekannt“, machten die Vier klar. Damals sei es ein dunkles Gewässer mit schwarzem Schlamm gewesen, in dem keine Fische lebten.

So wanderten Christa, Ingrid, Doris und Elmar mit dem Bürgermeister noch weiter durch die Innenstadt und nahmen vielfältige Eindrücke ihrer alten Heimatstadt mit nach Hause.

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