Im Wildpark: Ausruhen, baden, im Schatten entspannen

Von: Ines Kubat
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Ein bisschen kokettieren sie mit den Besuchern, aber ansonsten hält es die Bärenfamilie des Gangelter Wildparks bei der aktuellen Hitzewarnung mit dem bekannten Bärenspruch aus dem Dschungel-Buch: „Probier‘s mal mit Gemütlichkeit.“ Foto: Ines Kubat
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Viele Tierarten unterscheiden sich darin, wie sie heiße Tage verbringen: Das weiße Rotwild suhlt sich beispielsweise gern in feuchter Erde ...
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... die Braunbären spielen träge ...
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... Wisente suchen genauso Schatten ...
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... wie die Eule, die leicht vor sich hindöst.
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Die Waschbären allerdings wittern immer eine Chance auf Futter und trauen sich dafür auch in die Sonne.

Gangelt. Auch im Tierreich gibt es Tunichtgute: Ganz behäbig trottet der weiße Hirsch auf die Hirschkuh zu, die in der feuchten Suhle steht. Zunächst sieht es aus, als wolle er seinen Kopf liebevoll an ihren schmiegen. Doch dann kickt er mit seinem Huf gegen das grazile Bein der Dame, und diese sucht das Weite. Der Halunke schaut ihr hinterher – nicht wehmütig, sondern um sicher zu gehen, dass sie weg ist.

Als die Luft rein ist, lässt er sich in der feuchten Erde nieder, sichtlich zufrieden mit sich selbst. Die Hitze scheint dem Hirschen im Gangelter Wildpark eindeutig zu Kopf gestiegen zu sein. Kein Wunder, bei derzeit über 30 Grad im Schatten. „Wir Menschen haben Kleidung, die wir dem Wetter anpassen können. Tiere haben einfach nur ihr Fell“, sagt Falkner Erwin Janssen. Und darunter kann man schon mal ordentlich ins Schwitzen kommen.

Hitze ist eigentlich kein Problem

Insgesamt sei die Hitze für Tiere aber kein wirklich großes Problem, sagt Klaus Drees, Wildhüter des Parks. Denn sie machen es genau wie Menschen: Wenn es ihnen allzu warm wird, suchen sie sich ein schattiges Plätzchen, ruhen oder kühlen sich ab – je nach Tierart. Dass es den Bewohnern des Wildparks auch bei Hitze gut gehe, liege unter anderem daran, dass sie nur Tiere haben, die ursprünglich aus Europa kommen und deshalb an das Klima und damit auch an Schwankungen ins Extremere gewöhnt seien. Außerdem seien die Gehege den individuellen Bedürfnissen angepasst, so dass jedes Tier seinen idealen Rückzugsort bei Wärme und Kälte finden kann.

So sieht man zum Beispiel Wisente, Rot- und Schwarzwild unter den Bäumen stehen, und auch die Wildkatzen zeigen sich am Dienstagmorgen nur sehr selten. Und auch in der Falknerei ist ein gemächliches Tempo angesagt: Viele Eulen haben die Augen geschlossen und suchen den kühlen Schatten ihrer Häuser auf. „Diese Vögel sind Raubtiere“, sagt Falkner Janssen. Genau wie andere Raubtiere sparen auch die Vögel ihre Energie bei Hitze: „Nur wenn sie Hunger haben oder gute Aufwinde herrschen, bei denen sie sich nicht anstrengen müssen, fliegen sie los.“

Ganz anders verhalten sich die Murmeltiere bei Wärme: Sie können sich nicht so richtig entscheiden und halten immer wieder ihre kleinen Schnäuzchen in die Sonne. Doch genau so schnell wie sie aus ihrem Bau erscheinen, verschwinden aus auch wieder unter Tage, wenn es ihnen zu heiß wird. Ein ähnlich dickes und sicherlich warmes Fell hat die Gruppe Waschbären, die flink über die Wiese tollt.

Doch die schlauen Tiere verfolgen dabei ein Ziel: bei den zahlreichen Besuchern Futter abzustauben. „Sind sie genug gefüttert, lassen sie sich eigentlich nicht blicken“, sagt Wildhüter Klaus Drees, der jeden Morgen seine Runde durch den Park dreht und nach dem Rechten schaut. Aus seinen Beobachtungen weiß er, dass sich viele Tiere – genau wie wir Menschen – nach dem anfänglich schlechten Sommer über die Sonnentage freuen. „Der viele Regen und die Kälte hat den Tieren auch nicht gefallen.“ Wie zum Beweis stehen die schwarz-weißen Störche fast in stoischer Ruhe mitten in der prallen Sonne und genießen das Wetter.

Hitzeschutz ist Lernprozess

Doch wie man sich nun am besten vor der Hitze schützt, ist offenbar auch bei Tieren ein Lernprozess: Die etwas betagteren Ziegen bleiben in ihren schattigen Häusern, während die jungen Zicklein draußen durch die Sonne springen und sich bei dem Versuch verausgaben, ihre Köpfe und Körper durch die Zaunlatten zu quetschen, weil sie am liebsten komplett in die Futtertüten der Kinder hineinkriechen würden.

Und auch die kleine berühmte Bärenfamilie mit Papa Bruno, den Müttern Sava und Tara sowie den kleinen sieben Monate alten Bären-Babies wagt sich bei der Hitze ins Freie. Fasziniert recken sie die Hälse in die Höhe, als ein Besucherpärchen Seifenblasen in die Luft pustet. Die Bären folgen ihrem Jagdinstinkt und versuchen, die kleinen Bläschen zu fangen – häufig allerdings vergeblich.

Denn die stattlichen Tiere lassen es ganz gemütlich angehen: wegen des dicken Fells ist Energiesparen angesagt. So kugeln sich die kleinen Bärchen immer wieder in Zeitlupe rückwärts in Mulden oder legen sich zum Trinken auf eine der Mütter. Und wenn es dann doch mal zu heiß wird, haben sie entweder ihre schattige Höhle oder auch ein kleines Wasserloch als Abkühlung, erklärt der Wildhüter.

Genauso machen es auch die Wildschweine, die bei den „heißen Temperaturen häufig in ihrer kühlen Schlammsuhle zu finden sind“, sagt Drees. Flinker sind dagegen die Otter unterwegs: Die stürzen sich putzmunter in die Fluten, drehen Pirouetten, gleiten keck aus dem Wasser, nur um direkt wieder einzutauchen – nicht wenige Besucher blicken neidisch auf die willkommene Abkühlung.

Dabei sind nicht nur die Tiere, sondern auch die Menschen im Tierpark Gangelt noch recht gut vor der Wärme geschützt: „Wir haben durch die vielen Bäume knapp zu 90 Prozent Schatten hier“.

„Nein, der Sommer ist für die Tiere eigentlich kein Thema“, sagt Drees noch einmal abschließend, während er sich auf den Arm haut und leise über das kleine Insekt schimpft, das ihn schon wieder stechen wollte. „Das einzige, was den Tieren im Sommer tatsächlich zusetzt, ist das Ungeziefer. Also Mücken, Fliegen, Bremsen.“ Sein Arm ist bereits komplett zerstochen. Der Sommer birgt also für Mensch und Tier tatsächlich ziemlich ähnliche Beschwerden.

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