Im Sprachcafé spielt Können keine Rolle

Von: Jessica Küppers
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Portugiesische Sprachinsel: André Jahn, Lea Maria Breuer und Matthias Schaffrath kommen schnell miteinander ins Gespräch. Alle drei haben eine Zeit lang in Portugal oder Brasilien gelebt. Foto: J. Küppers
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Portugiesische Sprachinsel: André Jahn, Lea Maria Breuer und Matthias Schaffrath kommen schnell miteinander ins Gespräch. Alle drei haben eine Zeit lang in Portugal oder Brasilien gelebt. Foto: J. Küppers

Geilenkirchen. 40 Jahre ist es her, dass Matthias Schaffrath aus Geilenkirchen in Lissabon gelebt hat. Zwei Jahre lang hat er dort gearbeitet und viel Portugiesisch gesprochen. Auch wenn er danach ab und zu noch nach Portugal in den Urlaub gefahren ist, sind seine Sprachkenntnisse etwas eingeschlafen. Im Sprachcafé möchte er sie ein bisschen aufbessern, bevor er in drei Wochen wieder in sein Lieblingsland reist.

Das Café hat am Donnerstag erstmalig im Bürgertreff stattgefunden. Gemeinsam mit André Jahn, der ebenfalls ein Jahr in Portugal verbracht hat, und Lea Maria Breuer bildet Schaffrath eine sogenannte Sprachinsel und kommt schnell mit den beiden Gästen ins Gespräch. Diese Inseln sind Tische, die mit einem Fähnchen eines Landes ausgestattet sind. Die Regeln sind einfach. Pro Tisch darf nur eine Sprache gesprochen werden. Mogeln ist nur in Ausnahmefällen erlaubt, wenn zum Beispiel ein Begriff unklar ist und auf Deutsch erklärt werden kann. Sobald sich mindestens zwei Menschen für einen Tisch finden, kann es auch schon losgehen.

Auch Muttersprachler im Café

Nach einer halben Stunde Smalltalk an der portugiesischen Sprachinsel zieht Schaffrath ein erstes Resümee. „Ich spreche ja nur Urlaubsportugiesisch“, sagt er zurückhaltend. Lachend entgegnet Gesprächspartnerin Lea Maria Breuer, die als gebürtige Brasilianerin an diesem Abend ihre Muttersprache sprechen kann, dass er sehr bescheiden sei und es schon gut funktioniere. Weil sie auch Kurse an der Volkshochschule Heinsberg gibt und daher viele Sprachschüler kennt, macht sie dem Portugal-Urlauber ein aufrichtiges Kompliment.

Auch am Nebentisch sind erste Fortschritte hörbar. Dort unterhalten sich drei Gäste auf Französisch. Auch wenn es ab und zu ein bisschen holpert, verstehen sie sich gut. Einer von ihnen ist Wolfgang Bock aus Geilenkirchen. Er ist eigentlich gekommen, um sein Wissen in Chinesisch zu erweitern. Weil aber kein passender Gesprächspartner gekommen ist, setzt er sich an die französische Sprachinsel und frischt spontan seine etwas eingestaubten Sprachkenntnisse auf. „Ich habe seit 20 Jahren kein Französisch mehr gesprochen und das ist verdammt schwer“, sagt er. Dennoch hat er sichtlich Spaß daran, sich mit seinen Tischnachbarn zu unterhalten und hat schon bald die anfänglichen Hemmungen verloren.

Das Konzept scheint zu funktionieren. Jürgen Benden, Vorsitzender des Bürgertreffs, freut sich, dass zur Premiere gleich mehrere Inseln zustande gekommen sind. Insgesamt nehmen an diesem Abend acht Menschen teil.

Kenntnisse vor Urlaub auffrischen

Die Sprachinseln Niederländisch und Chinesisch können nicht gebildet werden, weil ein entsprechender Gesprächspartner fehlt. Die Motivationen, warum die Menschen kommen, sind ganz unterschiedlich. „Manche wollen die Sprache vor einem Urlaub auffrischen, andere wollen vielleicht die Kultur eines Landes kennenlernen“, sagt Benden, der von der Idee über einen Fernsehbericht erfahren hat. Besonders schlau sei es, wenn Teilnehmer direkt einen Gesprächspartner mitbringen, so dass die gewünschte Insel auf jeden Fall zustande kommt. Außerdem solle man im Sprachcafé keine Hemmungen haben, eine fremde Sprache zu sprechen und keinen Leistungsdruck empfinden.

Dass dieses Angebot auch in Geilenkirchen funktionieren kann, war ihm von Anfang an klar. „Geilenkirchen ist eine internationale Stadt und hier leben viele Menschen, die unterschiedliche Sprachen sprechen“, sagt er. Nach einer Stunde internationaler Unterhaltung ist Benden mit der Umsetzung und Resonanz der Teilnehmer zufrieden: „Das muss sich ja noch ein bisschen herumsprechen und vielleicht können wir für das nächste Mal schon jemanden organisieren, der Chinesisch spricht.“

Das Sprachcafé soll von nun an jeden ersten Donnerstag im Monat stattfinden. Wenn es gut laufe, sei auch ein Angebot alle zwei Wochen denkbar. Der nächste Termin ist am Donnerstag, 7. April, um 19 Uhr im Bürgertreff, Gerbergasse 23, in Geilenkirchen.

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