Im Schrebergarten ist Kreativität gefragt

Von: Jessica Küppers
Letzte Aktualisierung:
12018385.jpg
Frischer Wind weht durch den Kleingarten: Nadine Leinweber ist die jüngste Schrebergärtnerin in der Anlage an der Martin-Heyden-Straße in Geilenkirchen. Die bringt viele Ideen und Kreativität mit. Zudem übernimmt sie als Schriftführerin ebenso wie Vorsitzender Marek Dabrowski Vereinsaufgaben. Foto: J. Küppers

Geilenkirchen. Wenn Nadine Leinweber durch die Beete ihrer Parzelle an der Martin-Heyden-Straße in Geilenkirchen geht, merkt man ihr die Leidenschaft für Gemüse, Obst und Blumen richtig an. Immer wieder zeigt sie auf die braune Erde, die momentan noch relativ unspektakulär aussieht und schildert ihr „Konzept“ für den Sommer.

Dann will sie Tomaten, Gurken, Erdbeeren und Stachelbeeren ernten. Bislang ist von der Obst- und Gemüsevielfalt, die im Juli reif sein wird, noch nichts zu sehen. Nur ein paar hartnäckige Knoblauchgewächse ragen aus der Erde. „Die wachsen immer“, sagt die gebürtige Kasachin lachend.

Neben Leinweber, die gleichzeitig auch Schriftführerin des Vereins ist, sind derzeit noch 35 andere Mitglieder aktiv im Schrebergarten. Einer von ihnen ist Marek Dabrowski. Der 55-Jährige hat erst kürzlich den Vorsitz übernommen und schon ehrgeizige Ziele für den kommenden Sommer. „Unser Megaprojekt ist die Erneuerung des Zauns“, sagt er. Der sei zu alt und zu niedrig. Deshalb hätten sie auch immer wieder Probleme mit Einbrechern, die die Lauben auf der Suche nach wertvollen Gartengeräten aufbrechen und Fenster einschlagen.

Um das künftig zu ändern und sich einen höheren Zaun anzuschaffen, sind sie auf Spenden angewiesen. „Der Mitgliedsbeitrag kostet nur 30 Euro pro Jahr“, sagt Dabrowski. Davon lasse sich so ein Zaun nicht finanzieren. Den Beitrag erhöhen wolle er auch nicht, weil das Hobby immer noch Spaß machen solle und nicht zu teuer sein dürfe. Dadurch ist so ein Garten auch für Alleinerziehende und Rentner finanzierbar, die weniger Geld zur Verfügung haben.

Dass Leinweber mit ihren 35 Jahren das jüngste aktive Mitglied des Garten- und Verschönerungsvereins Geilenkirchen ist, stört sie nicht. Im Gegenteil: Von ihren Gartennachbarn, die größtenteils älter als 40 Jahre oder schon im Rentenalter sind, kann sie immer wieder viel über Sorten, Zucht und Schädlinge lernen. Von einem direkten Nachbarn, der die Parzelle nebenan bewirtschaftet, lernt sie besonders viel.

Es ist die ihres Vaters, der seit 2007 in dem Verein aktiv ist. Über ihn wurde auch ihr Interesse an dem zeitaufwendigen Hobby geweckt. „Es ist ein Familienprojekt, das Spaß macht“, erzählt sie. Als die Parzelle neben dem elterlichen Schrebergarten im Jahr 2009 frei wurde, hat sie nicht lange gezögert. Der Garten der Familie ist mittlerweile ein großer, der umso mehr Möglichkeiten bietet.

„Frauen sind kreativer“, sagt sie, die auch frischen Wind in die Parzelle ihrer Eltern gebracht hat. So habe sie ihren Vater zwei Jahre lang überredet, Kiwi anzupflanzen, erzählt sie. Er habe immer gedacht, dass die Pflanzen der Geilenkirchener Witterung nicht standhalten würden und wollte das Experiment nicht wagen.

Mit viel Beharrlichkeit hat die junge Frau ihren Vater schließlich überzeugt, und so wachsen mittlerweile zwei Kiwi-Gewächse auf dem Gelände, die sich selbst befruchten. Ohne die Hilfe ihrer Eltern würde sie die Arbeit in ihrem Garten jedoch nicht schaffen, gibt sie zu. „Man braucht einen Mann für gröbere Arbeiten wie Umgraben zum Beispiel“, sagt sie.

Außerdem könne sie wegen der Arbeit nicht jeden Tag herkommen, um die Pflanzen zu gießen. Ihre Mutter und sie seien eher für die feineren Aufgaben zuständig. Dazu zähle unter anderem auch die Anzucht von Tomaten in der eigenen Wohnung, sagt sie. Auf die Auswahl ihrer Tomaten ist Leinweber besonders stolz.

„Wir haben holländische, deutsche und kasachische Sorten“, erzählt sie. Die habe sie extra einfliegen lassen und so ein Stückchen Heimat nach Geilenkirchen geholt. Vor allem im Geschmack sieht sie einen großen Vorteil des eigenen Gemüsegartens. „Die Tomaten riechen und schmecken ganz anders“, schwärmt sie.

Das liegt daran, dass geerntet wird, wenn die Früchte reif sind und keine Pestizide verwendet werden. Unkraut wird sofort herausgezupft, und Schädlinge versucht sie auf natürliche Weise zu bekämpfen. Wenn sie keinen Tipp ihrer Gartenfreunde bekommt, sucht sie im Internet nach einem Hausmittel. Das habe bei einem Pilzbefall der Weintrauben gut funktioniert, sagt sie.

Auch wenn der Garten, den sie sich am Haus oder an einer Wohnung in der Größe nicht leisten könnte, sehr arbeitsintensiv ist, hat Leinweber die Entscheidung zum Schrebergärtnern noch keine Sekunde bereut, und weil sie nach dem Winter voller Tatendrang steckt, hat sie schon das nächste Gartenprojekt in Arbeit. Bald sollen erste Kirschen auf ihrer Parzelle wachsen und damit ein Gartentraum in Erfüllung gehen.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert