Im Jahr 2018 rollen Bagger zur Fliegerhorstsiedlung

Von: Udo Stüßer
Letzte Aktualisierung:
12653465.jpg
Die Häuser in der Fliegerhorstsiedlung müssen dringend saniert werden. Foto: Udo Stüßer
12653475.jpg
Auch um die Straßen steht es nicht besser. Eine Sanierung ist dringend erforderlich. Foto: Udo Stüßer
12653460.jpg
Von weitem sieht die Fliegerhorstsiedlung Teveren recht idyllisch aus. Vor allem gibt es viel Grün. Foto: Udo Stüßer
12653504.jpg
Die Garagenhöfe müssen dringend saniert werden. Außerdem sollen weitere gebaut werden, um mehr Parkmöglichkeiten zu schaffen. Foto: Udo Stüßer
12653859.jpg
Der Platz zwischen dem östlichen und westlichen Teil der Siedlung soll als Quartiersplatz ausgebaut werden. Foto: Udo Stüßer
12653754.jpg
Er will eine langfristige Perspektive: Beigeordneter Markus Mönter Foto: Udo Stüßer

Geilenkirchen-Teveren. Die Missstände sind bekannt: undichte Dächer, Fenster und Haustüren; Hausfassaden, die teilweise in einem desolaten Zustand sind, ein marodes Kanalsystem und Schlaglöcher in den Straßen. So präsentiert sich seit Jahren sehr zum Ärger der Bewohner die Teverener Fliegerhorstsiedlung.

Immer wieder richteten die Anwohner ihre Proteste an die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) als Eigentümerin, und auch Gespräche zwischen Stadt Geilenkirchen und Bima trugen keine Früchte. Von der einstigen Idylle in der schmucken Siedlung, die in den 50er Jahren den hier stationierten Unteroffizieren und Offizieren mit ihren Familien als Unterkunft diente, ist nur noch wenig Glanz übrig geblieben.

Die Bima zeigte in jüngster Zeit wenig Interesse, viel Geld in die Hand zu nehmen und die Siedlung aufwendig zu sanieren. Im Auftrag des Bundesfinanzministers nämlich soll sie die Häuser so schnell wie möglich an den Mann bringen, um Geld in den Bundeshaushalt zu spülen. Und dann gab es noch lange Diskussionen um die Besitzverhältnisse. Während die Bima Eigentümerin der 294 Häuser ist, gehören Straßen und Kanäle seit den 70er Jahren der Stadt Geilenkirchen.

Jetzt will man den scheinbar unlösbaren Gordischen Knoten gemeinsam zerschlagen: In Abstimmung mit der Bima und der Stadt Geilenkirchen hat die Aachener Planungsgruppe MWM ein städtebauliches Entwicklungskonzept für die Fliegerhorstsiedlung entwickelt. An den Kosten für das Entwicklungskonzept in Höhe von 55.300 Euro musste sich die Stadt mit 11.000 Euro beteiligen. 18.400 Euro wurden der Bima in Rechnung gestellt, den Rest zahlte das Land.

Nachdem der Stadtrat den Entwurf des Entwicklungskonzeptes am 6. Juli beschlossen hat, sollen die Einwohner jetzt über Grundlagen, Ziel, Zweck und Auswirkungen des Konzeptes unterrichtet werden. Sie können ihre Meinung zum Ausdruck bringen. Ob eventuelle Einwände in die weitere Planung einfließen, entscheidet der Stadtrat. Die Einwohnerversammlung findet statt am Donnerstag, 25. August, 19 Uhr, im Foyer der Katholischen Grundschule Teveren.

„Die Bima will die Häuser auf den Markt bringen, wir als Stadt wollen hingegen eine langfristige Perspektive schaffen“, erklärt Geilenkirchens Technischer Beigeordneter Markus Mönter das Dilemma. Eines steht für Mönter allerdings fest: „Die Bima wird nicht sanieren!“

Mehr als ein Jahr lang hat die Planungsgruppe MWM an dem Entwicklungskonzept gearbeitet, hat eine Bestandsbewertung vorgenommen und dabei Baustruktur, Nutzungen, Freiraum, Kanal- und Leitungssystem und Gebäudezustand erfasst. Anwohner wurden zu den Themen Immobilien und Sozialstruktur befragt, eine Wohnraumbedarfsanalyse wurde erstellt und eine Strategie entwickelt.

„Während laut einer Prognose des Instituts für Datenverarbeitung und Statistik die Bevölkerung im Kreis Heinsberg bis zum Jahr 2040 um 1,2 Prozent sinken wird, rechnet man in Geilenkirchen mit einem Wachstum von 8,4 Prozent“, erklärt Mönter und freut sich über den „beliebten Wohnstandort“ Geilenkirchen.

294 Häuser

Der Technische Beigeordnete sieht auch einen großen Bedarf für kleine Wohneinheiten. Ein großer Teil der 293 Häuser in der Fliegerhorstsiedlung ist zwischen 70 und 80 Quadratmeter groß. Laut Mönter sind von den 294 Häusern, in denen rund 550 Menschen leben, 40 Wohneinheiten in Privateigentum, 17 mit Flüchtlingen belegt und etwa 70 derzeit unbewohnt.

Bei der Erstellung des Entwicklungskonzeptes wurden von der Planungsgruppe vier Szenarien entwickelt: Das erste Szenario sah vor, nur die Straßen zu sanieren; laut dem zweiten Szenario sollten weitere Häuser auf den großzügigen Grünflächen entstehen. „Laut dem dritten Szenario sollte ein Rückbau stattfinden. Reißt man Häuser ab, hat man weniger Sanierungsaufwand. Aber so vernichtet man Vermögenswerte des Bundes“, erklärt Mönter.

Durchgesetzt hat sich Szenario vier, eine Mischung aus den ersten drei Szenarien: „Von den insgesamt 294 Häusern werden 31 Häuser im nördlichen Teil der Siedlung abgerissen. So spart man auch Sanierungskosten für Straßen“, erklärt Mönter. Aus Teilen der großzügigen Grünflächen sollen Baugrundstücke entstehen, auf denen etwa 30 Häuser errichtet werden können. „So hat die Bima nicht nur alte Häuser, sondern auch Grundstücke für Bauwillige im Angebot. Es gibt eine bessere Mischung von Angeboten für unterschiedliche Interessengruppen“, sagt Mönter.

Dem Technischen Beigeordneten und den Verantwortlichen der Bima ist sehr wohl bewusst, dass es schwierig ist, alle Häuser einzeln an den Mann zu bringen, zumal der Käufer eines Hauses mit einem Sanierungsaufwand von durchschnittlich rund 60.000 Euro rechnen muss. Deshalb hofft man auf einen Investor, der einen Teil der Häuser kauft, saniert und vermietet.

„Etwa 40 bis 50 Prozent der Häuser sollen vermietet werden“, meint Mönter. In nächster Zeit soll ein Leitfaden für Kaufwillige entwickelt werden. Hier sollen klare Regeln über das Aufstellen von Garagen und Carports und die Art der Bepflanzung für ein einheitliches Bild in der Siedlung sorgen.

Wie kann eine Sanierung finanziert werden? Wo gibt es Fördermittel? Wie kann die Siedlung weiterentwickelt werden? Zu diesen und weiteren Fragen soll es fachkundige Beratung geben. „Wir brauchen hier ein städtebauliches Quartiersmanagement. Wir brauchen hier Siedlungsfeste und Nachbarschaftstreffs“, blickt Mönter in die Zukunft.

Die Verwaltung will bei der Bezirksregierung einen Förderantrag stellen und einen Quartiermanager einstellen. Die Stadt wird auch die 60 Jahre alten Straßen und das Kanalnetz sanieren. Im nächsten Jahr soll die Planung erfolgen, im Jahr 2018 werden die Bagger anrollen. Mönter rechnet mit einer drei- bis fünfjährigen Bauphase. Fragt man nach den Kosten, will sich der Beigeordnete derzeit noch nicht festlegen, formuliert aber vorsichtig „im einstelligen Millionenbereich“.

Neuer Quartiersplatz

Die Hausbesitzer werden an den Kosten für die Straßensanierung beteiligt. Wer ein Haus kauft, sollte dies bereits jetzt berücksichtigen. „Der Gebührenbescheid wird dann verschickt, wenn die Maßnahme abgerechnet wird“, erklärt Mönter.

34.000 Quadratmeter Straßen, Gehwege und öffentliche Plätze befinden sich derzeit in städtischer Hand, nach dem Abriss der Häuser im nördlichen Teil werden es nur noch 27.000 Quadratmeter sein, die saniert werden müssen. Der Platz vor dem Haupttor der Kaserne, der den östlichen und westlichen Teil der Siedlung verbindet, soll als Quartiersplatz ausgebaut werden.

Die Bushaltestelle soll erneuert, der Platz optisch aufgewertet werden. In der Siedlung sollen die Spielplätze überarbeitet werden, weitere Garagenhöfe sollen mehr Unterstellplätze für Autos bieten. „Dieses Konzept soll den Einwohnern vorgestellt werden. Eine Änderung ist möglich, die Entscheidung trifft der Stadtrat.“

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert