Im Iran läuft vieles anders als man denkt: Vortrag im Haus Basten

Von: Markus Bienwald
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Auf Einladung der Gesellschaft für Sicherheitspolitik referierte die Soziologin und Rechtswissenschaftlerin Karin Reisige zum Thema Männer- und Frauenrechte im Iran. Mit dabei waren auch Josef Latour (l.) und Herbert Wölfel (r.). Foto: Markus Bienwald

Geilenkirchen. Wer dachte, alles im Iran sei so, wie es im Film „Nicht ohne meine Tochter“ dargestellt wird, für den hatte Karin Reisige eine Überraschung dabei.

Und das war nicht die einzige Besonderheit, die bei ihrem Vortrag im Bürgersaal des Hauses Basten auf Einladung der Gesellschaft für Sicherheitspolitik (GSP), Sektion Aachen/Heinsberg, in Zusammenarbeit mit der Deutsch-Atlantischen Gesellschaft über Männer- und Frauenrechte im Iran aufklärte.

„Die meisten Menschen im Iran sind unglaublich freundlich“, weiß sie aus eigenen Besuchen vor Ort. Und sie weiß auch, dass der Iran ein Land ist, bei dem die Gegensätze zwischen der niedergeschriebenen Verfassung und der Verfassungsrealität schon einmal weit auseinanderdriften können. So seien Männer und Frauen zwar gleichwertig, aber nicht gleichberechtigt, klärte Reisige auf.

Die Stellung der Frau wird als Gattin und Mutter gesehen, im Kontext der Familie und als Mitkämpferin des Mannes. „Allerdings war es auch in Deutschland bis 1976 so, dass der Mann seiner Frau die Arbeit verbieten durfte, wenn er der Meinung war, dass sie ihre Haushaltspflichten vernachlässigt“, merkte die Soziologin und Spezialistin für öffentliches Recht an.

Party-Outfits

Einen Gesichtsschleier, wie er oft von westlichen Medien mit dem Iran verbunden werde, den müssten nur die allerwenigsten Frauen dort wirklich tragen. Und das gelte insbesondere dort, wo die Gegend immer urbaner wird. Natürlich gebe es Situationen im öffentlichen Raum, wo Frauen mit Schleier zu sehen seien. „Aber wenn sie mal auf einer Privatparty sind, dann werden Sie ganz andere Outfits sehen“, sagte die Iran-Kennerin und Mitarbeiterin des Nell-Breuning-Hauses in Herzogenrath.

Ohnehin sei die moderne iranische Gesellschaft lockerer geworden, auch wenn in der Verfassung noch andere Ansichten festgeschrieben seien. Als Indiz dafür führte die Referentin auch an, dass es wohl kein Land auf der Welt gebe, in der so viele Nasen-Operationen den Wunsch dokumentieren, sich schön zu fühlen.

Alkohol und Schweinefleisch seien auch nur offiziell tabu. „Denn wenn ich Schweinefleisch oder Alkohol haben will, gehe ich zu den Armeniern, als Christen dürfen die das“, sagte Reisige. Natürlich dürften sich Muslime bei solchen Leibesgenüssen nicht erwischen lassen.

Mythos Zwangsverheiratung

Aber weitere Mythen wie Zwangsverheiratung oder die Darstellung des Iran als Entwicklungsland wollte sie auch nicht stehen lassen. So könnten Männer wie Frauen maximal drei Mal heiraten. Allerdings macht das Gesetz im Iran immer noch einen Unterschied bei Scheidungen. „Beim Mann geht das ohne Angaben von Gründen, Frauen müssen hingegen legitime Gründe anführen“, sagte die 36-Jährige.

Das Bild vom iranischen Dorf, auf dessen Straßen unbehelligt Hühner laufen können, bemühte sie allerdings nur, um den rund 50 Anwesenden zu sagen, dass das wohl kaum auf die Metropolregionen wie Teheran zutrifft. „Der Iran ist kein Entwicklungsland und im Vergleich zu manchem Nachbarn auch ein stabiler Staat“, schloss sie.

Und damit entführte sie gleich noch einen Mythos aus den Köpfen der begeisterten Zuhörer, die am Ende vielleicht ein ganz anderes Bild vom Iran hatten.

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