Im Hundesalon müssen auch Vierbeiner still sitzen

Von: Laura Beemelmanns
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Hundefriseurin Monika Eickhoff aus Teveren schneidet Berger-des-Pyrénées-Rüde Duke den Pony kürzer, damit der Hütehund wieder ein bisschen besser sehen kann. Fotos (2): Laura Beemelmanns Foto: Laura Beemelmanns
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Hundefrisörin Monika Eickhoff aus Teveren schneidet Berger-des-Pyrénées-Rüde Duke den Pony kürzer, damit der Hütehund wieder ein bisschen besser sehen kann. Fotos (2): Laura Beemelmanns Foto: Laura Beemelmanns

Geilenkirchen-Teveren. „Ich weiß, still sitzen bleiben ist blöd, spielen ist doch viel schöner“, sagt Monika Eickhoff (47) zu Duke, der gerade aus dem Fenster in Richtung Garten schaut und wahrscheinlich schon den nächsten Schabernack im Sinn hat. „Duke ist voll im Flegelalter“, sagt Eickhoff, während sie sein Fell mit einer Zupfbürste bearbeitet. „Mit der kann man am besten entfilzen.“

Dann ertönt ein leises Junken. Duke beschwert sich. „Das tut ihm nicht weh, das ist nur langweilig“, erklärt Eickhoff. Seine dezente Beschwerde beeindruckt die erfahrene Hundefriseurin kein bisschen. „Wenn ich nur ein einziges Mal aufhören würde, wenn er junkt, dann würde er das beim nächsten Mal wieder versuchen“, sagt sie und setzt sich durch.

Es ist 12 Uhr. Duke hat einen Termin beim Hundefriseur. Er kommt jeden Monat zu Monika Eickhoff in den Hundesalon Top Dogs in Teveren. Dann wird das Fell des jungen Hundes bearbeitet, gekämmt, entfilzt und hin und wieder auch sein Pony gekürzt. Duke ist ein Berger des Pyrénées und elf Monate alt. Der junge Hund ist ständig in Bewegung, scheint förmlich zu der Musik, die aus einem Radio schallt, zu tanzen, hebt die Pfoten im Takt und tänzelt ein wenig hin und her, wenn Eickhoff mit ihrem rollbaren Hocker um ihn herum schwirrt, um die gesamte Mähne des Rüden zu bürsten. „Du bist ein Feiner“, flüstert sie als Duke endlich für wenige Sekunden sitzt.

Für einen Hund wie Duke braucht die Hundefriseurin in etwa eine Stunde. Er hat langes Fell, das viel Pflege benötigt. Duke nimmt dann auf dem roten Hubwagen Platz und hält so still wie es eben geht. Hin und wieder hechelt er, schaut erneut aus dem Fenster und junkt ein wenig, wenn es ihm zu langweilig wird. Dann schleckt er über die Hand der Hundefriseurin. Ob dies ein Bestechungsversuch sein sollte oder ob er ihr damit sagen wollte, dass sie ihre Arbeit gut macht, bleibt wohl sein Geheimnis.

Nun sind die Pfoten an der Reihe. Zwischen den einzelnen Zehen steht ein wenig Fell hervor. Eickhoff greift zur Schere und schneidet die überschüssigen Strähnen ab. Duke zieht derweil jedoch das Bein so hoch, dass er die Pfote fast unsichtbar in seinem Bauchfell versteckt hat, was wiederum erneut so aussieht, als würde der Rüde tanzen. Vielleicht ist er einfach nur ein wenig kitzelig. Doch auch da muss er durch.

Neben den Pfoten wird auch noch das Fell in den Ohren gekürzt. Danach nimmt Eickhoff wieder die Bürste in die Hand und kämmt nochmals über das gesamte Fell, um keine verfilzte Stelle zu übersehen – auch an der Rute. Das gefällt Duke gar nicht. „Ja das ist eine doofe Stelle, das weiß ich“, sagt die Teverenerin entschuldigend. Duke äußert seinen Unmut mit einem lauten Winseln.

Monika Eickhoff ist Hundefriseurin. Seit sieben Jahren hat sie ihren eigenen Salon in Teveren. Dem freundlich gestalteten Raum wich damals eine marode Garage. Die wurde kurzerhand abgerissen und der Salon neu erbaut – gleich schräg hinter Eickhoffs Wohnhaus. Aus ihrem Hobby wurde somit ihr Beruf – und das schneller als gedacht. Im Jahr 2006 hatte sie ihre Stelle als Sekretärin und Fremdsprachenkorrespondentin aufgrund von betrieblichen Veränderungen verloren. Das war der richtige Zeitpunkt, um sich selbstständig zu machen. Sie absolvierte eine Ausbildung zur Hundefriseurin in einer privaten Schule in Bochum, paukte und informierte sich über alle Rassen, die Rassestandards und Techniken. „Ich fange meistens hinten an“, sagt sie, „damit die Hunde sich an mich und die Geräte gewöhnen können.“ Das mache nicht jeder so, doch im Laufe der Zeit habe sich die Methode bewährt.

Dukes Frauchen Ute hatte zuvor den Wunsch geäußert, dass Dukes Pony ein wenig gekürzt werden soll. Auch wenn das lange Fell über den Augen typisch für die Rasse ist, sei es dem Wirbelwind doch gegönnt, dass er etwas sieht. „Duke ist ein Hütehund, wäre ja schade, wenn er nicht sieht, was er hüten soll“, scherzt Eickhoff. Sie setzt sich direkt vor den jungen Hund auf den Hocker. Nimmt eine Schere in die rechte und seine Schnauze in die linke Hand. Dann schneidet sie die Haare rund um die Augen ab und den Pony fransig. Duke hält dabei erstaunlicherweise recht ruhig und meckert nur ein wenig.

Auf dem roten Hubwagen saßen schon Neupfundländer und Bolonkas. Die Hundefriseurin hat mit bissigen und ganz lieben Hunden zu tun. Wenn sie einen Neupfundländer trimmen soll, kann das schon mal drei Stunden dauern. So ein anderthalb Kilogramm schwerer Bolonka ist da schon schneller fertig.

In diesem Moment klopft es an der Tür. Frauchen Ute ist ein paar Minuten zu früh da. Duke ist nun nicht mehr zu bändigen. Sein Schwänzchen wedelt wie verrückt von links nach rechts. Erneut tippelt er mit seinen dicken Pfoten auf dem Hubwagen herum und will immer wieder zu Ute schauen. Monika Eickhoff greift erneut mit der linken Hand um die Schnauze von Duke und versucht ihn zu beruhigen. Ein letztes Mal hält er still. Schnipp. Fertig. Zum Abschluss schleckt Duke Monika Eickhoff noch einmal über die Nase. „Er ist ein Schnellküsser“, sagt Frauchen Ute und lacht.

Sie fährt den Hubwagen runter. Duke setzt an, springt und landet unmittelbar vor Ute. Er schüttelt sich und läuft wie wild durch den ganzen Salon. „Bist du schick“, sagt Ute und streichelt ihrem Wuschel über den Kopf. Schnell holt der sich noch das Leckerchen bei der Hundefriseurin ab, und dreht erneut eine Runde durch den Raum bis er einen mit Wasser gefüllten Napf findet. Er trinkt. Und hört gar nicht mehr damit auf. Nun gibt es ein zweites Leckerchen. Dann wird er ruhiger. Ute und Monika Eickhoff machen noch einen Termin für den nächsten Monat aus. Am 20. April wird Duke ein Jahr alt. „Das wird groß gefeiert“, sagt Ute. Einen Termin hat er jedoch erst einige Tage später. „Vor dem 20. ist es zu früh“, sagt Eickhoff.

Ute zieht dem aufgedrehten Duke das Geschirr an, befestigt die Leine und dann verlassen sie den Raum. Nun muss Monika Eickhoff noch die Fellmäuse vom Boden entfernen. Duke hat ganz schön Fell gelassen, auch wenn er Zuhause oft gekämmt wird. Wahrscheinlich hat er davon zunächst einmal die Schnauze voll und nur noch Spielen im Kopf, denn er läuft in Windeseile hinaus in Richtung Garten, den er zuvor durch das Fenster begutachtet hatte.

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