Im dicken Pelz ist der Schnee kein Problem

Von: Karl-Heinz Hamacher
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Gemsen im Schnee. Foto: Karl-Heinz Hamacher

Gangelt. Es mag Zufall gewesen sein, dass sich die Wölfe in ihrem Gehege im Gangelter Wildpark außerhalb der Falllinie einer bestimmten Kiefer aufgehalten haben. Man kann es aber auch als Vorsehung bezeichnen, denn der Baum wurde heftig von einem außergewöhnlich großen Schwarzspecht attackiert, der, anscheinend auf der Suche nach dem ein oder anderen Leckerbissen unter der Rinde, wie ein Wilder auf den Baum einhämmerte, dass ein wahrer Späneregen niederging.

Da könnte man fast meinen, die knallrote Scheitelfärbung des größten unter den europäischen Spechten sei für die Wölfe das Signal „Nichts wie weg hier” gewesen. Wendet man sich weg von den evolutionstheoretischen Meisterwerken im Wolfsgehege, blickt man in eine herrliche Winterlandschaft, in der sich trotz Schnee und Kälte noch viele Tiere bewegen. Klassischen Winterschlaf halten im Gangelter Wildpark eigentlich nur die Murmeltiere, die schon vor geraumer Zeit dem Tageslicht adé gesagt haben.

Durchs Wasser pflügende Otter

Die drei Elche nehmen die Situation mit großer Gelassenheit, stehen im Schnee und kauen genüsslich wieder. Gemütlichkeit ist auch bei den Wildschweinen Trumpf. Eine herrliche Kuhle zum suhlen ist auch durch den Schnee schnell gegraben; so lässt sich der Tag angehen und auf den Futterexpress warten.

Im Bärengehege tummelt sich nur das imposante Männchen Bruno. Sava und Tara, die vor guten einem Jahr die vier Jungstar-Bären zur Welt brachten, sind mit Nachwuchs in der Höhle. „Teilruhe” nennt man diese Form des Über-den-Winter-kommens; man findet sie auch bei den Waschbären, die wenige dutzend Meter weiter untergebracht sind. Ein anderes Bild als üblich sieht man im großen Gehege der Rothirsche. Oft stehen sie mitten auf der Lichtung und geben damit das wohl beliebteste Fotomotiv in dem nun über 40 Jahre alten Tierpark ab. Sie stehen ebenso wie die Damhirsche, das Sikawild oder die weiße Hirschart im Unterholz und beobachten das Geschehen aus der Ferne.

Schränkt man seinen Blickwinkel etwas ein, kommt man sich vor wie in den Alpen, wenn man das Gamswild auf den beschneiten Felsbrocken stehen sieht. Bei den Steinböcken sieht es ähnlich aus. Ruhe ist in fast allen Gehegen das oberste Gebot.

Nicht so bei den Fischottern. Diese pflügen permanent durch ihren kleinen Teich, stürmen auf der Suche nach Fressbarem kurz an den Zaun, um dann das Wasser wieder am Zufrieren zu hindern. „Rollzeit” heißt völlig unromantisch das, was wohl auch nicht mit knisternder Erotik verbunden ist. Glaubt man aber Falkner Erwin Jansen, wird in den Höhlen, Unterständen und sonstigen schlafzimmerähnlichen Unterkünften der kleineren Tiere schon heftig am Nachwuchs für die kommende Saison gearbeitet.

Bei den Tieren im Gangelter Wildpark handelt es sich ja um europäische Wildtiere, die sich bei diesem Wetter wohl fühlen; schließlich sind sie durch ihre Pelze gegen die Kälte geschützt. Probleme kämen dann auf, wenn es starken Frost ohne Schneedecke geben würde. Die Wasserversorgung wäre dann ein Problem. Von einer fehlenden Schneedecke ist der Park aber im Moment weit entfernt. Das heißt für Besucher auch: Kommt man mit Kindern, sollte unbedingt ein Schlitten dabei sein.
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