Gangelt-Langbroich - Im Dialekt ums Kap der „guten Hoffnung“

Im Dialekt ums Kap der „guten Hoffnung“

Von: Karl-Heinz Hamacher
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Die drei Brüder werden von Dorftratsche Lies (links) mit Essen – und Neuigkeiten – versorgt. Das Spiel beginnt... Foto: Karl-Heinz Hamacher

Gangelt-Langbroich. „Lieber Dr. Sommer, kann man vom Küssen schwanger werden?“, war eine häufig gestellte der Frage der unaufgeklärten Landjugend an den Bravo-Doktor in den 1980er Jahren. Der muss sich mit seiner Antwort allerdings mächtig vertan haben. Denn nach einem dickem Schmatzer von Lämp verkündete Lies der Langbroicher Bevölkerung: „Ich bin in guter Hoffnung“, und reihte sich damit in das Rennen um das Hoferbe ein.

Das Ensemble des „Langbröker Selfkanttheater“ hat es auch in diesem Jahr wieder geschafft, das Premieren-Publikum mit ihrem neuen Stück „Wä-e kömmt ent Ossebook“ zu überzeugen.

Das Stück kommt im klassischen Gewand für die Langbroicher: Jupp (Helmut Schürkens), Jottfried (Arndt Horrichs) und Jüng Luusch (Stefan Keulen) sind drei Brüder die mit ihrem Opa Lämp (Willi Jütten) zusammen auf dem eigenen Hof leben. Die Dorftratsche Lies (Maria Horrichs) versorgt sie mit dem Nötigsten, und für den Rest gibt es gegenüber die Wirtschaft „Hennes“.

Das Leben der drei ist herrlich: Ohne Frauen, mit Panhas und guten Getränken lässt sich die Provinz ertragen. Auch dass taucht immer wieder in den Selfkanttheater-Stücken auf: Opa setzt die Hürde hoch, und nur der erbt den Hof, der als erster einen Stammhalter auf den von leeren Flaschen und Kuchenkrümeln übersäten Küchentisch legt.

Herrlich unverschämt

Bevor man die Mitspieler lobt, sollte man einen Blick auf das Ambiente werfen. Sieht man von dem zu modernen Tisch ab, stimmt das Bild der Bauernstube. Die Uhr schief und stehengeblieben, die Tapete schwarz von schmutzigen Fingern rund um den Lichtschalter und die Wand hinter dem Ofen angekokelt und triefend vom verbrannten Fett. Das i-Tüpfelchen ist aber der klebrige Fliegenfänger , der wirklich „schwarz vor Fliegen“ scheint.

Was die Leistung der Theatergruppe herausragend macht, ist weniger der Inhalt des Stücks. Es ist die Mundart; nur im „Langbröker Platt“ lässt es sich so herrlich unverschämt, so gemein, so frech und alles in allem schimpfend liebenswürdig sein. Natürlich ist schauspielerisches Können gefragt, und mit dem geradezu perfekten Zusammenspiel der elf Akteure auf der Bühne gibt es die Leistung, die man eben nur in Langbroich zu sehen bekommt.

Alle elf Darsteller sprechen dieselbe Sprache, „Langbröker Platt“, und reden doch mit großer Begeisterung aneinander vorbei. Die drei Bauernjungs werben für sich mit dem Slogan: „Wir sind schu-en, intelet und haben fööl Du-esch“ (Wie sind schön, schlau und haben immer Durst) und sehen sich überraschend mit drei hübschen jungen Damen konfrontiert, von denen eine, Tienche (Doris Nießen), schon „das Kap der guten Hoffnung umschifft“ hat, also schwanger ist.

Jerti (Verena Schlebusch) wird mit einem dieser herrlichen Selfkanttheater-Sätze für eine Eheleben angepriesen: „Du heiratest die Dachlatte“, gibt Opa Lämp dem Jüng mit auf den Weg zum Standesamt. Aber auch Feriengast Nelli (Christel Schlebusch), die sich doch eigentlich nur erholen wollte, fängt sich auf dem Bauernhof etwas ein.

Dass der Bürgermeister Fränz (Leo Horrichs) seiner Sekretärin Fing (Elisabeth Palmen) nachstellt, verwundert in Langbroich niemanden mehr. Ungeschoren, weil frauenlos glücklich, kommt in diesem Stück nur Wirt Carl (Sebastian Arnusch) davon.

Man könnte am Schluss versöhnlich romantisch berichten, dass sich mit Opa Lämp und Dorftratsche Lies („Ich mull doch mähr, ich säck doch nix“) die große Liebe im Spätherbst ihres Lebens gefunden hat. Doch Lämp spricht es in der Sprache der Langbroicher aus: „Wenn au‘ Schü-ere brenne, dann brenne se richtig!“

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