Geilenkirchen/Gangelt - Hunde bitte anleinen! Paarungszeit der Hasen beginnt

Hunde bitte anleinen! Paarungszeit der Hasen beginnt

Von: Verena Müller
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Um die geht es: Junge Häschen und Kaninchen, die in den kommenden Wochen wieder in Kuhlen in Wiesen liegen. Jäger fordern Rücksicht: Hunde sollen angeleint werden. Hundehalter fordern artgerechte Tierhaltung: Hunde sollen frei laufen können. Foto: Imago/blickwinkel

Geilenkirchen/Gangelt. Jedes Jahr um diese Zeit geht es wieder rund auf den Feldern: Für die Hasen beginnt die Paarungszeit. Mit den steigenden Temperaturen, wenn der letzte Schnee geschmolzen ist, steigt traditionell auch bei zwei Artgenossen der Spezies Homo sapiens der Blutdruck – und das nicht unbedingt wegen der Frühlingsgefühle. Zwischen Hundehaltern und Jägern wird Anfang März die heiße Phase des Ringens um die Hundeleine eingeläutet.

Während innerorts die Fronten klar sind – hier gilt eine allgemeine Anleinpflicht, die das Landeshundegesetz NRW vorschreibt – ist es auf Feld und Flur etwas schwieriger. Dr. Heiner Breickmann aus Gangelt, Vorsitzender der Kreisjägerschaft Heinsberg, weiß, dass dort zwei Welten aufeinanderprallen: die der einen, die grundsätzlich immer dafür sind, dass Hunde angeleint sind, und die der anderen, die sagen: „Mein Hund muss frei laufen können.“ Gesetzliche Lage hin oder her, Breickmann appelliert an die Vernunft: „Man sollte schauen, dass man eine einvernehmliche Lösung findet.“ Zumal auf beiden Seiten Rechte, Verbote und Pflichten nicht immer bis ins Detail bekannt sind.

Die Bestimmungen

Aber wie sehen eigentlich die Bestimmungen und Zuständigkeiten aus? Grundsätzlich regelt das Landeshundegesetz NRW die Anleinpflicht. Daran müssen sich die Kommunen halten. „In geschlossenen Ortschaften müssen Hunde an die Leine genommen werden“, erläutert Bernd Schmidt vom Ordnungsamt Geilenkirchen. Ohne Ausnahme. Darüber haben die Kommunen zu wachen.

Laut Schmidt gibt es keine speziellen „Leinenkontrollen“, vielmehr verfolge der Außendienst des Ordnungsamtes solche Verstöße genauso wie jede andere Ordnungswidrigkeit auf seinen Runden. „Meist wird beim ersten Mal nur auf die Anleinpflicht hingewiesen, und wenn sich der Hundebesitzer einsichtig zeigt, belassen wir es auch dabei“, sagt Schmidt weiter. In Einzelfällen würden aber Bußgelder verhängt, etwa bei mehrmaligen Verstößen oder in krasseren Fällen. „100 Euro sind dann eine gängige Höhe“, so Schmidt. Auch die Ordnungsamtsleiterin der Gemeinde Gangelt, Gerda Piepers, spricht von Einzelfällen, in denen beispielsweise ein generelles Anleingebot über einen Hund verhängt wird. Meist stammten die Hinweise von Jagdaufsehern.

Denn auf weiter Flur dürfen Hunde zwar frei laufen, aber nur mit Einschränkungen: Strenggenommen müssen sie auf den Wegen bleiben und im Einwirkungskreis des Menschen bleiben. Das klingt etwas technisch und schwammig, heißt aber nichts anderes alt: Tiere, die auch auf längere Distanz noch parieren, dürfen sich weiter entfernen als solche, die nicht gut aufs Herrchen hören. Der Einzelfall ist also entscheidend. In der Praxis beschwert sich normalerweise auch niemand, wenn Hunde ins Feld laufen – wenn dem nicht Naturschutz- oder Jagdrecht entgegensteht.

Der Landesjagdverband sagt dazu: „Auch private Wege und Pfade, Wirtschaftswege sowie Feldraine, Böschungen, Öd- und Brachflächen und andere landwirtschaftlich nicht genutzte Flächen dürfen zum Zwecke der Erholung auf eigene Gefahr betreten werden, sofern keine anderen Rechtsvorschriften gelten (...), allerdings ist dabei darauf zu achten, dass während der Setz- und Brutzeiten die dort wild lebenden Tiere nicht gestört werden.“ Und das ist derzeit wieder der entscheidende Punkt.

„Ab März legt die Häsin die ersten Jungen ins Feld und verlässt beunruhigt das Gehege, wenn sie gestört wird“, erläutert Breickmann. Und Hunde ließen die Jungtiere selten in Ruhe. „In Feldabschnitten, wo Hunde frei laufen, sind die Hasen nachweislich verschwunden“, sagt er. Rebhühner seien genauso betroffen. Fasane hätten den leichten Vorteil, dass sie am Feldrand und am Rande von Hecken brüteten, dort, wo das Gras höher wächst. „Sie haben dort Sichtschutz und Fluchtmöglichkeiten“, erläutert Breickmann. „Eigentlich“, fügt er an, „kann man nur in der Winterzeit Hunde bedenkenlos frei laufen lassen.“

Gudrun Klok aus Geilenkirchen ist Hundebesitzerin – und Jägerin. Sie bemängelt, dass es in Geilenkirchen keine ausgewiesenen großen Flächen gibt, wo Hunde sich austoben können. „Die sollen sich frei und artgerecht bewegen können“, fordert sie. In größeren Städten wie Köln gibt es so etwas auch. Teile von Parks sind dort als „Hundewiese“ gekennzeichnet.

Laut Stadtverwaltung Geilenkirchen sind die Kommunen aber nicht verpflichtet, solche Auslaufgebiete zur Verfügung zu stellen – und bislang habe es auch keine Anfragen oder Beschwerden gegeben.

Das Landesumweltministerium gibt der Stadt recht: „Es gibt im Landeshundegesetz keinen Paragrafen, der Auslaufflächen für Hunde vorschreibt. Es wird einzig in einem Paragrafen darauf verwiesen, dass Hunde, für die eine Leinenpflicht besteht, auf ausgewiesenen Auslaufflächen frei laufen dürfen“, erklärt Ministeriumssprecher Wilhelm Deitermann.

Es gebe auch sonst keine gesetzliche Regelung, die Auslaufflächen für Hunde vorschreiben würde, die Ausweisung solcher Flächen läge in kommunaler Verantwortung. „Aus Tierschutzgründen sind solche Flächen wünschenswert“, fügt er an, es sei aber eben keine zwingende Vorschrift.

Also hilft nur eins: gegenseitige Rücksichtnahme, der Jahreszeit angepasst.

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