Waldfeucht - Humorvolle Geschichtsstunde „op Platt“

Humorvolle Geschichtsstunde „op Platt“

Von: Johannes Bindels
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Gerti Tholen moderierte den zweistündigen Abend des „Vöchter Vertäll“ in den Cäcilia-Räumlichkeiten in Waldfeucht. Foto: Johannes Bindels

Waldfeucht. Was bisher ein Dutzend Mal zwischen den Exponaten im Museum „Gerhard-Tholen-Stube“ in Waldfeucht stattfand, das erlebten die mehr als 60 Teilnehmer nun zum 13. Mal als „Vöchter Vertäll“ in den größeren Räumlichkeiten des Cäcilia-Treffs. Eingeladen hatte wieder der Historische Verein Waldfeucht.

Mit ihrer liebenswürdigen Art moderierte Gerti Tholen einen zweistündigen, unterhaltsamen Abend mit humorvollen Geschichten auf Plattdeutsch, vorgetragen von ihr und vielen Gästen, die nicht nur aus Waldfeucht-Haaren gekommen waren.

Zu den vortragenden Teilnehmern gehörten neben Magda Hausmann aus Karken auch Walter Bienen, stellvertretender Vorsitzender des Heimatvereins Wassenberg und Initiator des dortigen, bekannten „Plattdütsch Oavends“.

„Joden Oavend aollemoale. Ich vröe meech, dat ier weer aoll doa sed“, begann Gerti Tholen eine Veranstaltung, auf der das Plattdeutsch vorherrschend war. Der Umzug sei notwendig geworden, weil viele den beschwerlichen Treppenaufgang zu den Tholen-Stuben nicht mehr bewältigen könnten. Dafür sei dem „Gesang- und Musikverein Cäcilia“ zu danken, ebenso wie den „Montagsfrauen“, die den Termin an diesem Abend freigemacht hätten, sagte Gerti Tholen.

Was dann folgte, war eine Abfolge heiterer Geschichten, Gedichte und Erzählungen über Personen und Vorkommnisse aus früheren oder auch aktuellen Zeiten. Die waren oft gespickt mit speziellen Ausdrücken, die kaum übersetzbar sind, aber gerade das Salz in der Suppe der Muttersprache darstellen. Gerti Tholen begann mit einer Geschichte über Wilhelm Salden, den ersten offiziellen Zeitungsboten in Waldfeucht, der in den 20er und 30er Jahren des letzten Jahrhunderts die Heinsberger Volkszeitung ausgetragen hatte. Zum 125-jährigen Jubiläum der Zeitung hatte vor einigen Jahren Karl Cleef dazu einen Bericht veröffentlicht. Karl Cleef trug auch an diesem Abend wieder mit einigen Erzählungen wie der vom Enkel und dem verschluckten Spielauto am zweiten Weihnachtstag zur Erheiterung des Publikums vor.

Statt auf dem damals üblichen Plumpsklo sollte der „Kammerpott“ zur Kontrolle und zum Wiederauffinden genutzt werden, hatte der Arzt empfohlen. Der aufgeregte Kleine verwechselte das Hupen eines vorbeifahrenden VW mit dem angeblichen Ausscheiden des Spielzeug-VW. Nun sei sein Spielzeug wieder raus aus dem Körper, das habe er deutlich vernommen, hatte er seiner Mutter berichtet. Ein Geschehnis um VW, welches deutlich humorvoller war als die aktuellen Ereignisse um die Marke.

Gewohnheiten hinterfragen

Egal ob Magda Hausmanns Geschichte vom Ischias oder ihr Vortrag des Gedichtes „Annesef“ (Autor: Heimatdichter Peter Staas), ob Leo Schmitz‘ Anekdote von der Heiligtumsfahrt nach Aachen, Walter Bienens Vortrag „Mosjö Eenürke“, der Geschichte über ein regionales Original mit Erlebnissen aus dem deutsch-französischen Krieg 1870/71 und der Erkenntnis, dass „Franzür‘sche Päet och maach blos een Vott hant“, immer ging es um humorvolle, witzige Geschichten, die auch einen nachdenklichen Blick darauf boten, wie die Menschen in harten Zeiten das Leben bewältigten oder schlagfertig mit der Doppelmoral der Obrigkeit umgingen.

Wundervoll im Inhalt wie im Vortrag waren auch die Beiträge von Lissi Schira über die Kragenknöpfchen oder Fine Übachs über das Leben ohne Supermarkt – ein kritisches Hinterfragen der heutigen Gewohnheiten, ohne den Zeigefinger zu heben. Wer den Abend erlebte, konnte einiges mit nach Hause nehmen: einen unterhaltsamen Abend und einen Blick zurück auf die Geschichte, aus der wir alle kommen. Nach dem 13. Mal wird auch ein weiteres Mal „Vöchter Vertäll“ im nächsten Jahr folgen. Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche.

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