Geilenkirchen - Hünshoven: „Angst und Freiheitringen um die Zukunft“

Hünshoven: „Angst und Freiheitringen um die Zukunft“

Von: RENATE KOLODZEY
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Jeder wollte gerne ein Stück der verlockenden Kirchentorte ergattern. Foto: Renate Kolodzey
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Vor dem nunmehr 150-jährigen Kirchenbau in Hünshoven stehen (v. l.): Bürgermeister Georg Schmitz, Pfarrerin Anne Lungová, Pfarrer Mathias Schoenen aus Gangelt, Superintendent Jens Sannig, Pfarrerin Tanja Bodewig und Berufsschulpfarrer Friedhelm Schippers.

Geilenkirchen. „In den Annalen wird einmal stehen: Beim 150-jährigen Jubiläum der evangelischen Kirche Hünshoven wurden alle Temperaturrekorde gebrochen“, begrüßte Pfarrerin Anne Lungová augenzwinkernd die Gäste im bis auf den letzten Platz gefüllten Gotteshaus zum Festgottesdienst, den sie zusammen mit Pfarrerin Tanja Bodewig gestaltete.

Musikalisch begleitet wurde er von Olga Schmidt an der Orgel und dem Chor „Cantare“ unter der Leitung von Marion Laibach sowie einem Ensemble aus Gitarren, Akkordeon und Trompete.

In der Predigt ging Lungová darauf ein, was das Kirchengebäude wohl sagen würde, wenn es sprechen könnte. Sie blickte zurück und bezeichnete als das Jahr „0“ den Zeitpunkt, als am 30. März 1866 der Grundstein gelegt wurde und am 26. September 1866 die Einweihung stattfand.

Pfarrerin Tanja Bodewig sowie Presbyterinnen und Presbyter erläuterten, wie nach weiteren 50 Jahren das neue Jahrhundert begann. Später, als der 100. Geburtstag nahte, und die Glocken während des Krieges eingeschmolzen wurden, „hatte die Kirche keine Stimme mehr“. Auch wurde sie in den letzten Kriegsmonaten zerstört, und es habe lange gedauert, bis nach dem Wiederaufbau „Flüchtlinge Schutz bei ihr suchten“.

Um die Jahre optisch darzustellen, hatte Lungová drei Kinder zu sich gebeten, die nun aus den Zahlen „0“, „5“ und „1“ die „150“ bilden sollten. Berufsschulpfarrer Friedhelm Schippers betonte im Anschluss, dass er sich „immer sehr freue, wenn alle Plätze besetzt sind – so wie heute!“

Pfarrer Mathias Schoenen aus Gangelt richtete Grüße aus Gangelt und Waldfeucht aus und brachte die Zuhörer zum Schmunzeln, indem er erklärte, ihn beeindrucke besonders der herausragende Standort der Kirche an der Kreuzung Nikolaus-Becker- und Konrad-Adenauer-Straße – dieser sei durchaus zu vergleichen mit dem Zusammentreffen von 5th Avenue und Broadway.

Superintendent Jens Sannig brachte zur Sprache, dass sich neben dem Hitzerekord in diesen Tagen auch die Gemüter erhitzten wegen des Burka und Burkini-Verbots: „Angst und Freiheit ringen um die Zukunft.“ Jesu rufe zu Liebe und Versöhnung auf. „Wir dürfen die Flüchtlinge nicht für den Terror verantwortlich machen“, beschwor er und freute sich, dass „in dieser lebendigen Gemeinde Hünshoven Gottes Wort mit Begeisterung gelebt wird – als offene, einladende Kirche für die Flüchtlinge!“

Als letzter Redner meldete sich Bürgermeister Georg Schmitz zu Wort und heimste viele Lacher und Applaus ein, beginnend mit: „Ich weiche von meinem Manuskript ab – es ist sowieso zu lang! Hildegard Dremmen wurde vor einiger Zeit 105 Jahre alt – ich werde beobachten, wer von Ihnen 150 wird!“

Er gratulierte der evangelischen Kirche in Geilenkirchen zu diesem runden Geburtstag und lobte das vielfältige Engagement der Kirchengemeinde, „das nachhaltig zu einem harmonischen und friedvollen Zusammenleben in unserer schönen Stadt beiträgt“.

Nach der geistigen Stärkung durften sich die Gäste den leiblichen Genüssen im Gemeindehaus widmen, wo sie eine zirka 1,50 Meter lange Torte in Form des zu feiernden Kirchengebäudes erwartete, kunstvoll nachgebildet von einer ortsansässigen Konditorei. Beinahe jeder der rund 300 Gäste bemühte sich, ein Stück zu ergattern, um es in gemütlicher Runde zu verzehren. Am frühen Abend schmorten zudem auf dem Grill im Garten des Gemeindehauses weitere Leckereien.

Die Kinder konnten sich im Kirchenschiff bei Kasperletheater, Button- und Windlichterbasteln sowie Glasmalerei vergnügen, betreut von Erzieherin Anja Isbaner-Erdner. Auch der Chor sang noch einmal, und Geistliche aus den Nachbargemeinden schauten vorbei, beispielsweise Pfarrerin Angelika Krakau aus Übach-Palenberg. Am Abend wurde der Abschlusssegen erteilt als Krönung dieser fröhlichen Geburtstagsfeier.

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