Gangelt - Hubert Schlun: Das Lebenswerk des Vaters fortgeführt

Hubert Schlun: Das Lebenswerk des Vaters fortgeführt

Von: Udo Stüßer
Letzte Aktualisierung:
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Er ist seit 60 Jahren in der Baufirma Schlun: Seniorchef Hubert Schlun. Foto: Udo Stüßer

Gangelt. „Hallo Hubert“ und „Tag Chef“: Freundliche Grüße schallen Hubert Schlun entgegen, wenn er über das Gelände der Gangelter Baufirma geht. Hubert Schlun, der Seniorchef, kennt viele der Mitarbeiter seit Jahrzehnten, ist mit manchem auch freundschaftlich verbunden. Aber auch wenn er im Umgang mit den hier arbeitenden Menschen einen kameradschaftlichen Ton anschlägt, meist auch noch Gangelter Platt spricht, genießt er hohes Ansehen, wird geachtet und geschätzt.

47 Jahre lang hat er die Firma geleitet, hat seinen Beruf von der Pike auf gelernt, machte eine Maurerlehre, studierte Bauingenieurwesen und legte die Prüfung zum Baumeister ab. Im Alter von 77 Jahren sagt er: „Ich bin raus, aber nicht weg.“

Sicherlich: Die Geschicke der Firma hat er vor sieben Jahren schon in jüngere Hände gelegt. Die Baugruppe Schlun führen heute seine Söhne Dirk und Björn. Aber immer noch hat der Seniorchef sein Büro in der Firma in Niederbusch. Allerdings lässt er es etwas ruhiger angehen.

Zwei- bis dreimal in der Woche sitzt er hier am Schreibtisch. Derzeit freut er sich auf das Betriebsfest, bei dem stets die Jubilare geehrt werden. Diesmal wird er selbst im Mittelpunkt stehen: Hubert Schlun, Ehrenobermeister der Baugewerbeinnung Heinsberg, Ehrenpräsident der Baugewerblichen Verbände Nordrhein und Ehrenvorstandsmitglied des Zentralverbandes des Deutschen Baugewerbes, ist seit 60 Jahren im Betrieb.

Das Werk des Vaters fortführen

Mit 16 Jahren machte Hubert Schlun nach der Mittleren Reife eine Maurerlehre, absolvierte ein Ingenieurstudium für Bauwesen an der Ingenieurschule Aachen und begann anschließend das Studium des Bauingenieurwesens an der TH Aachen. Nach dem Vordiplom im Jahre 1962 verunglückte sein Vater Lambert im Alter von 51 Jahren tödlich.

Mit 23 Jahren übernahm der junge Hubert Schlun die Firma, war von heute auf morgen Chef von 170 Mitarbeitern. „Damit hatte ich aber keine Probleme, die führenden Leute waren alle loyal, ich bin vernünftig mit ihnen umgegangen, und ich wusste, worüber ich rede. Ich wollte das Werk meines Vaters unbedingt fortführen“, blickt er zurück. Sein Studium wollte er aber nicht aufgeben.

„Ich arbeitete 13, 14 Stunden und studierte noch zwei, drei Stunden am Tag.“ Doch nach neun Monaten traten Herzprobleme auf. Die doppelte Belastung war einfach zu groß. Er gab das Studium auf und entschied sich für die Firma.

Hubert Schlun hat Zeit seines Lebens eine Maxime befolgt: Behandle alle Menschen gleich! Den Hilfsarbeiter achtet er ebenso wie den Generaldirektor. „Nur reden muss man mit jedem anders“, sagt er.

Der erfolgreiche Bauunternehmer und Funktionär ist seiner Dörfergemeinschaft Stahe-Niederbusch und den hier lebenden Menschen immer eng verbunden geblieben. 48 Jahre schnürte er für die Concordia die Fußballschuhe, als Jugendlicher und bis ins Alter von 48 Jahren noch für die Alten Herren. Viele seiner Mitarbeiter spielten in seiner Mannschaft. „Wir standen zusammen unter der Dusche, und wir standen zusammen an der Theke. Samstags war ich der Fußballer, montags der Chef.“ Von 1967 bis 1994 war er Vorsitzender der Concordia.

360 Mitarbeiter

Zehn Jahre nachdem er die von seinem Vater 1945 gegründete Baufirma Schlun übernommen hatte, war sie auf 360 Mitarbeiter angewachsen. Viele Bauwerke auch in unserer Region wurden von Schlun errichtet: die Berufsbildenden Schulen am Berliner Ring, das Gymnasium Übach-Palenberg, das Erkelenzer Altenheim. Heute fahren die Männer von Schlun bis ins Ruhrgebiet, errichten Hallen und große Verwaltungs- und Wohngebäude.

Mehr als 40 zerstörte Kirchengewölbe – unter anderem in Heinsberg, Linnich und Aachen - hat die Bauunternehmung Schlun nach dem Krieg neu gebaut. Heute besteht die Schlun-Baugruppe aus vier Firmen: Bauunternehmung, Spezialtiefbau, Projektentwicklung und Umwelt. Dass die Baugruppe heute „nur“ noch über 200 Mitarbeiter verfügt, liegt an der fortschreitenden Technisierung auch im Baugewerbe.

In all den Jahren hat sich Hubert Schlun in den Verbänden engagiert: Er war Obermeister der Baugewerbeinnung Heinsberg (1966 bis 2009), Vorstandsmitglied des Baugewerbeverbandes Nordrhein in Düsseldorf (1969 bis 1976), Vorsitzender des Baugewerbeverbandes Nordrhein (1976 bis 2010), Vorstandsmitglied des Zentralverbandes Deutsches Baugewerbe Bonn und Berlin (1978 bis 2010), Präsident der Baugewerblichen Verbände Nordrhein Düsseldorf (1982 bis 2010), Vorsitzender des Ausschusses Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Zentralverbandes des Deutschen Baugewerbes (1994 bis 2000). Von 1969 bis 2015 gehörte er der Mitgliederversammlung der Handwerkskammer Aachen an, von 1999 bis 2015 war er Vorstandsmitglied der Handwerkskammer Aachen.

Für seinen ehrenamtlichen Einsatz wurde Schlun vielfach ausgezeichnet: Er erhielt den Ehrenpreis der Kreishandwerkerschaft Heinsberg (1998), den Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen (1999) und den Ehrenring des Zentralverbandes Deutsches Baugewerbe (2003). Im Alter von 27 Jahren wurde er bereits Obermeister der Baugewerbeinnung Heinsberg. Damit war er jüngster Obermeister in ganz Deutschland.

Auch dass er dieses Amt mehr als 40 Jahre lang innehatte, ist einmalig im Land. „Mein Vater war Obermeister, als er starb. Auch ich wollte für andere etwas tun und habe deshalb um dieses Ehrenamt gekämpft. Das war das einzige Mal, dass ich um ein Amt gekämpft habe. Danach habe ich mich nie in den Vordergrund gedrängt, ich wurde immer gebeten.“ Bei allem ehrenamtlichen Engagement war der Firmenchef natürlich auf gute Mitarbeiter in der Firma angewiesen: „Wenn man die nicht hat, ist man zum Tode verurteilt.“

Fliegen ist die große Leidenschaft

Was Schlun in all den Jahren nie in seiner Firma hatte, war ein Betriebsrat. „Wenn mindestens drei Leute einen Betriebsrat fordern, muss er installiert werden. Das war bei mir nie der Fall. Ich habe immer direkte Gespräche mit den Mitarbeitern geführt und schnelle Lösungen gefunden. Ich hatte immer ein offenes Ohr für sie und auch privat geholfen. Deshalb wurde er von meinen Männern nie gefordert.“

Hubert Schlun hatte eine große Leidenschaft: das Fliegen. Von 1966 bis 2008 verbrachte er einen großen Teil seiner Freizeit in luftiger Höhe, 20 Jahre besaß er mit einem Freund eine einmotorige Money. Mit dem Viersitzer flog er von Schottland bis Ägypten. Heute, mit 77 Jahren, lässt er es etwas ruhiger angehen: Mit Schwimmen und Golf hält er sich körperlich fit. Und auch seinen Schreibtisch wird er nach der Jubiläumsfeier längst nicht räumen.

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