Geilenkirchen - Hospizdienst Camino: Erinnerung an Charta zum Welthospiztag

Hospizdienst Camino: Erinnerung an Charta zum Welthospiztag

Von: Franz Windelen
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Die letzten Handreichungen: Die ehrenamtlichen Mitarbeiter des Hospizdienstes Camino begleiten Schwerstkranke und Sterbende auf ihrer letzten Wegstrecke. Foto: stock/Dean Pictures
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Tragende Säulen bei Camino: Koordinatorin Judith Kemmerling (l.) und stellvertretende Vorsitzende Traude Peters. Foto: Georg Schmitz

Geilenkirchen. „Alles hat seine Zeit, zusammenzusein und getrennt zu werden, gewinnen und verlieren, trauern und getröstet werden“, packt König Salomo das pralle Menschenleben in einen Vers. Verlieren, trauern, trösten. Ja, in schlimmen Momenten braucht es ein paar aufmunternde Worte, ein paar nette Gesten, die Licht ins Dunkel bringen.

Der ambulante Hospizdienst Camino (übersetzt: Weg) ist eine solche segensreiche Einrichtung. Die Mitarbeiter sind zur Stelle, wenn es dunkel wird.

Der Verein mit Sitz in der Martin-Heyden-Straße in Geilenkirchen hat das hehre Ziel, unheilbar Kranke, ihre Angehörigen und Freunde in ihrer vertrauten Umgebung, also zu Hause oder etwa im Altenheim, zu unterstützen und zu begleiten.

„Wir wollen den Kranken und Schwachen ihre letzte Wegstrecke so würdig wie nur möglich gestalten. Dafür setzen wir uns seit 1996, seit Bestehen von Camino, ein“, sagt Judith Kemmerling, Koordinatorin des ambulanten Hospizdienstes.

Die schwierige Arbeit der zumeist ehrenamtlichen Mitstreiter – 19 sind es allein in der Sterbe- und Trauerbegleitung – ist ein besonders schätzenswerter, gesellschaftspolitischer Beitrag. Der jährlich wiederkehrende Welthospiztag soll diesen Umstand ins Gedächtnis rücken. Am Samstag, 12. Oktober, ist es wieder so weit.

„Und dieser Tag hat für unseren Hospizdienst in Geilenkirchen eine ganz besondere Bedeutung: die ,Charta zur Betreuung schwerstkranker und sterbender Menschen in Deutschland‘ steht im Blickfeld“, weist Traude Peters, die stellvertretende Vorsitzende, auf das Ereignis in den Vereinsräumen hin.

Geilenkirchens Bürgermeister Thomas Fiedler und Vertreter der Kooperationspartner aus den Bereichen Krankenhaus, Pflege, Kirche und Palliativmedizin werden als geladene Gäste vor Ort sein, um auch die Charta zu unterzeichnen.

„Bislang haben sich 680 Institutionen und 3567 Einzelpersonen in die Liste eingetragen“, bilanziert Traude Peters zufrieden. Mit den Unterschriften, die an den Deutschen Hospiz- und Palliativverband weitergeleitet werden, sollen die Forderungen in der Charta einmal mehr bekräftigt werden.

Die Charta gibt es seit August 2010, „ist also nichts Neues, aber auf die Rechte von Schwerstkranken und Sterbenden kann man nicht oft genug aufmerksam machen. Da ist jeder gefordert, aus allen Lebens- und Arbeitsbereichen, aus Politik, Seelsorge, Pflege und Medizin“, betont Judith Kemmerling.

Fünf Leitsätze

Was beinhaltet die Charta? In fünf Leitsätzen wird der Ist-Zustand in der Betreuung dargestellt, verbunden mit Handlungsoptionen und einer Selbstverpflichtung für die Zukunft. Kernaussage ist: Zum Leben gehört ein Sterben unter würdigen Bedingungen.

Der Sterbende soll darauf vertrauen können, dass er in seiner letzten Lebensphase mit all seinen Vorstellungen, Wünschen und Werten respektiert wird. „Das Selbstbestimmungsrecht gilt bis zum Ende“, sagt Judith Kemmerling, „und es steht immer oben an“.

In Würde sterben – das bedeutet auch, dass der Schwerkranke nicht alleingelassen wird. „Viele haben Familien und Freunde, die sich kümmern“, konstatiert Traude Peters aus langer Camino-Erfahrung.

„Meistens sind es die Leute, die kein oder kaum familiäres Umfeld haben, die zu unserer Klientel gehören“, ergänzt Judith Kemmerling, die Koordinatorin, die die Camino-Begleiter für ihre Einsätze in Geilenkirchen, Übach-Palenberg, Selfkant und Gangelt einteilt.

In diesem Jahr, so überschlägt sie, habe Camino bislang zehn Menschen begleitet. „Wir betreuen die Sterbenden psychisch und spirituell. Aber auch die Angehörigen, die nicht selten rund um die Uhr im Einsatz sind, erfahren durch uns Entlastung. Zwar nur stundenweise, aber immerhin“, erklärt Traude Peters.

Immer häufiger, so stellen die Wegbegleiter fest, sind sie in Altenheimen gefragt und gerngesehene Helfer. Der Grund liegt auf der Hand. Die Verbürokratisierung sei inzwischen so angewachsen, dass das Personal kaum Zeit für eine ausgiebige Sterbebegleitung habe.

Ein paar liebe Worte, ein paar Gesten halt. Der Welthospiztag, so hoffen Judith Kemmerling und Traude Peters, soll in dieser Hinsicht ein Zeichen setzen und die Handreichung von Camino unterstreichen, die da lautet: „Wenn die Zeit des Abschieds naht, lassen wir Sie nicht allein, gehen gern ein Stück des Weges mit Ihnen.“

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