Hospizbewegung Camino feiert 20-jähriges Bestehen

Von: Renate Kolodzey
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Beim „Philosophischen Frühstück“ im Mercator-Hotel: Brigitte Stevens, Kassiererin; Renate von Birgeln, Beisitzerin; Stefan Knor, Diplom-Theologe (dahinter); Kirsten von Fürstenberg, Beisitzerin; Gabriele Krumbach, Koordinatorin; Traude Peters, stellvertretende Vorsitzende, und Renate Kaspar, 1. Vorsitzende. Foto: Kolodzey

Geilenkirchen/Gangelt. Um das 20-jährige Bestehen der Hospizbewegung Camino gebührend zu feiern, hatte sich der Vorstand unterschiedliche Aktionen ausgedacht: ein „Philosophisches Frühstück“, einen „Spaziergang für Trauernde“ und ein Benefizkonzert des „Jungen Chores Hünshoven“ am 5. November im Gymnasium St. Ursula.

Zum „Philosophischen Frühstück“ unter dem Motto „Was ist gutes Leben?“ hatten sich im Mercator-Hotel in Gangelt zahlreiche Gäste versammelt, um den leiblichen Genuss eines verlockenden Buffets mit dem einer geistigen Inspiration zu verquicken.

Renate Kaspar, erste Vorsitzende, hieß die Anwesenden im Namen des Vorstandes willkommen und gab einen kurzen Überblick über die Geschichte von Camino: Gegründet im Jahre 1996 von engagierten Bürgern in Geilenkirchen, wollten sie den Menschen in der letzten Lebensphase eine psychosoziale Begleitung anbieten, um ihrem Wunsch, nicht alleine zu sterben, entgegenzukommen. Diese Hilfe biete man in familiärem Umfeld und in Seniorenheimen an, erläuterte Kaspar.

Ebenso unterstütze man trauernde Angehörige in „Trauercafés“ in Geilenkirchen und Übach-Palenberg sowie in einem „Trauergesprächskreis“ in Gangelt. Auch gäbe es Spaziergänge mit Trauernden. Alles werde von Ehrenamtlern durchgeführt. Seit Kurzem habe Camino mit Gabriele Krumbach eine neue „Koordinatorin“, deren Aufgabe es sei, Erstgespräche mit Betroffenen und Angehörigen zu führen sowie eine geeignete Betreuungskraft zu finden.

Kirsten von Fürstenberg, Beisitzerin, leitete zur Auftaktveranstaltung „Was ist gutes Leben?“ über, die Diplom-Theologe Stefan Knor bestreiten würde, „doch vor allen Dingen wollen wir miteinander ins Gespräch kommen“, regte sie an. Der in Vettweiß lebende Referent studierte Philosophie und Theologie in Bonn sowie Kunst in Wien. Seit 18 Jahren bildet er Sterbebegleiter aus und leitet derzeit die Geilenkirchener Franziskus-Akademie, die ab Anfang nächsten Jahres Aus- und Weiterbildungen im Bereich Altenpflege anbietet, auch im Bereich Kunst mit dementen Menschen, sowie theologisch-philosophische Vortragsreihen für alle Bürger.

Fragen nach eigenem Leben

„Wie habe ich mein Leben gelebt?“ – diese Frage tauche häufig auf, ehe man aus dem Leben scheide, begann Knor seinen Vortrag, und wer sein Leben als „gut“ erfahren habe, könne besser „loslassen“. „Sterbebegleiter lernen von Sterbenden für ihr eigenes Leben“, ist er sich sicher.

Man beginne, sich über Prioritäten Gedanken zu machen. In Familien werde oft über Geld gestritten, doch beim Sterben merke man, dass andere Dinge wichtiger seien. „Vergib jedem alles“ – dies falle uns Menschen nicht leicht. Die Qualität eines Lebens habe nichts mit dem Alter zu tun, und auf die Grundfragen des Mensch-Seins: „Wo komme ich her?“, „Wo gehe ich hin?“, „Was soll ich tun?“ sowie „Was ist der Mensch?“ gäben Philosophie und Religionen unterschiedliche Antworten.

Lebhafter Dialog

Seinen aufmerksamen Zuhörern vermittelte der Referent, heute werde als „idealer“ Tod erachtet „einschlafen und nicht mehr aufwachen“. Dies sei im Mittelalter die absolute Horrorvorstellung gewesen – unvorbereitet sterben. Es sei gut, ab und zu innezuhalten und zu beobachten: Wie lebe ich mein Leben? Die Ethik beinhalte das gute und gelungene Leben, „Eudaimonia“ genannt. Davon leite sich „Euthanasie“ ab – der gute Tod. Niemand könne sagen, was ein gutes und gelungenes Leben sei. Letztendlich sei dies die Meinung jedes Einzelnen, und jeder sei dafür selbst verantwortlich.

Es entspann sich ein lebhafter Dialog mit dem Publikum, und Knor ging auf Karten mit Sinnsprüchen ein, die auf den Tischen lagen, wie „Leben, das ist das Allerseltenste auf der Welt – die meisten existieren nur“, von Oscar Wilde oder „Was für ein herrliches Leben hatte ich – ich wünschte nur, ich hätte es früher bemerkt!“, von Colette.

„20 Jahre Hospizarbeit sind ein Geschenk – wir lernen voneinander“ – mit diesen Worten beschloss Knor seine Ausführungen und gab den Zuhörern einen Ausspruch Mutter Theresas mit auf den Weg: „Du sollst stets so handeln, dass, wenn jemand zu dir kommt, er ein wenig glücklicher weggeht, als er kam!“ Lang anhaltender Applaus dankte ihm für seinen nachdenklich stimmenden Vortrag.

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