Holpriger Start mit den Nachbarn der Nato

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Vier Schülerinnen der Jahrgangsstufe 6 – Lara Beemelmanns, Marie Franken, Andrea Lanzat Albaladejo und Thalia Zelißen – waren sehr erfolgreich beim Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten.

Geilenkirchen. Rund 2000 Demonstranten waren im Februar des Jahres 1982 zur Stelle, um das erste Awacs-Flugzeug in Empfang zu nehmen, mit dessen Landung die Nato-Airbase in Geilenkirchen-Teveren ihren Betrieb aufnahm. Die Proteste richteten sich gegen Wohnungsknappheit, Zwangsenteignung von Landwirten, Umwelt- und Lärmbelastungen, auch die Themen Frieden und Abrüstung standen auf der Agenda der Aktivisten. Was ist heute daraus geworden?

Inzwischen wurde das Thema als preiswürdig gewertet. Doch damals gab es mit dem unerwarteten Begrüßungskomitee einen alles andere als gelungenen Start in die künftige Nachbarschaft.

Ein entsprechender Bericht aus unserer Zeitung, gefunden im Stadtarchiv, gab für vier Schülerinnen der Jahrgangsstufe 6, Lara Beemelmanns, Marie Franken, Andrea Lanzat Albaladejo und Thalia Zelißen, den Anstoß, sich näher mit der Geschichte der Nachbarschaft zwischen Geilenkirchen und der Nato auseinanderzusetzen.

Unter dem Oberbegriff „Vertraute Fremde – Nachbarn in der Geschichte“ begaben sich die Schülerinnen auf Spurensuche für den Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten. Diese Ausschreibung schickt seit 1973 junge Historikerinnen und Historiker auf eine Reise in die Vergangenheit.

Unterstützt von Geschichtslehrer Pascal Froesch verbrachten sie die folgenden sechs Monate damit, das Nachbarschaftsverhältnis zwischen Stadtbewohnern und Nato-Mitarbeitern genauer unter die Lupe zu nehmen, und sie gelangten zu interessanten Resultaten. So schlecht der Start in die Nachbarschaft auch verlaufen war, in der Folge bemühten sich sowohl die Nato und ihre Mitarbeiter als auch die Stadt Geilenkirchen sehr um ein gutes Nachbarschaftsverhältnis.

Umfrage im Kaufhaus

Dies spiegelt sich zum Beispiel in den Ergebnissen einer Umfrage wider, welche die Schülerinnen in einem Geilenkirchener Kaufhaus unternommen hatten. Zwar fühlten sich immer noch viele Bürger von Lärm und Abgasen der Flugzeuge gestört, obwohl diese in Vergleich zu den Anfangsjahren schon merklich zurückgegangen seien, hieß es. Die meisten Befragten betonten jedoch vor allem die positiven Aspekte der Nachbarschaft zur Nato, wie die unterschiedlichen kulturellen Einflüsse von Mitarbeitern aus der ganzen Welt, entstandene Arbeitsplätze und nicht zuletzt Festakte wie die Open-Day-Veranstaltungen, welche regelmäßig viele tausend Besucher anlocken. Die Arbeit am Wettbewerbsbeitrag – dazu zählten zahlreiche gemeinsame Treffen, Besuche des Stadtarchivs, Recherchen, Durchführung und Auswertung der Interviews mit Geilenkirchener Bürgern und Angehörigen der Nato – war alles andere als ein Spaziergang, vor allem, weil die Forschungsarbeit zusätzlich zu den sonstigen schulischen Anforderungen geleistet werden musste.

Auf Bundesebene

Mitte Juni traf die Nachricht ein, die alle Anstrengungen belohnte: Der Beitrag hatte es unter die Landessieger in Nordrhein-Westfalen geschafft. Mit großer Vorfreude fieberten die Schülerinnen nun dem vorigen Montag entgegen, an dem sie Urkunde und Preisgeld im Bonner Haus der Geschichte entgegennehmen durften.

„Eine tolle Erfahrung“, sagt Thalia Zelißen, wobei diese noch lange nicht zu Ende sein muss. Der Landessieg qualifiziert die Schülerinnen für die Wettbewerbsteilnahme auf Bundesebene mit der Chance auf einen Bundespreis – und im besten Fall sogar für ein Treffen mit Bundespräsident Joachim Gauck im Schloss Bellevue.

Soweit wollen die jungen Spurensucherinnen allerdings noch nicht denken. Im Moment überwiegt die Freude über die gemeinsame Arbeit an einem selbst gewählten Projekt, die sich schon jetzt mehr als gelohnt hat.

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