Geilenkirchen - Hochwasser: Burg Trips kurz vor der Evakuierung

Hochwasser: Burg Trips kurz vor der Evakuierung

Von: Georg Schmitz und Udo Stüßer
Letzte Aktualisierung:
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Wie ein wilder Strom ergießt sich das Wasser aus dem Burgteich von Trips in die angrenzenden Wiesen, nachdem der Wanderweg mit einem Bagger geöffnet worden war. Foto: Georg Schmitz
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An vielen Stellen in Geilenkirchen machte sich der gestiegene Wasserpegel zu merken. An vielen Stellen, wie an dieser Skater-Anlage, waren die Auswirkungen erkennbar. Foto: Georg Schmitz
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Auch dieses Auto war vom Hochwasser betroffen und unterspült. Foto: Georg Schmitz
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Die Wassermassen bahnten sich ihren Weg durch Geilenkirchen. Foto: Georg Schmitz
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Die Flüsse im Stadtgebiet überschreiteten fast überall die Hochwassergrenze. Foto: Georg Schmitz
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Die Einsatzkräfte waren am Mittwochabend unermüdlich im Einsatz. Foto: Georg Schmitz

Geilenkirchen. Der unaufhörliche Regen der letzten Tage trieb den Verantwortlichen in der Stadt Geilenkirchen spätestens am Mittwoch die Sorgenfalten auf die Stirn. Den ganzen Nachmittag über hatten Bauhofleiter Wolfgang Jansen und seine Männer vorsorglich Säcke mit Sand befüllt, um im Falle eines drohenden Hochwassers gewappnet zu sein.

Um 21 Uhr dann kamen Stadtbrandinspektor Michael Meyer, Chef der Geilenkirchener Feuerwehr, der eigentlich in Urlaub befindliche Bürgermeister Thomas Fiedler, Technischer Beigeordneter Markus Mönter und Mitarbeiter des Ordnungsamtes zu einer Krisensitzung auf dem Bauhof zusammen. Gemeinsam studierte man die von der Bezirksregierung mit dem Wasserverband Eifel-Rur erstellte Hochwassergefahrenkarte.

Mittlerweile drohte bei immer noch strömendem Regen ein Hochwasser, welches statistisch gesehen nur alle 20 Jahre vorkommt. Dringende Schutzmaßnahmen sieht die Karte im Bereich des Krankenhauses vor. Zur Wurmseite hin wurde das Krankenhaus deshalb noch am Abend von Mitarbeitern des Bauhofes, der Feuerwehr und des Krankenhauses vor dem immer weiter ansteigenden Wasser mit Sandsäcken geschützt.

Insgesamt übertrafen in der Nacht zum Donnerstag die Überschwemmungen bei weitem die des Unwetters im November 2010. Damals waren ebenfalls große Flächen überflutet worden, man erinnerte sich an die großen Überschwemmungen in den 1970er-Jahren.

Neben der Unteren Wasserbehörde des Kreises Heinsberg und dem Geilenkirchener Ordnungsamt waren auch Mitarbeiter des Wasserverbandes Eifel-Rur vor Ort. Die Männer des WVER und des städtischen Bauhofes hatten am Mittwoch bereits die Fahrradwege entlang der Wurm gesperrt. In der Nacht zum Donnerstag spitzte sich die Lage dann weiter zu.

In Höhe der Kornmühle hatte der Wasserpegel der Wurm die magische Marke von 1,90 Meter überschritten und schlug gegen die Unterkante der Brücke. Mönter und Jansen blickten mit großer Sorge auf den Wasserstand. „Um 23 Uhr schätzten wir die Lage dann so ein, dass eine Überflutung in der Innenstadt nicht zu befürchten war“, erklärt Mönter.

Eine schlaflose Nacht verbrachte auch Hanno Frenken, Geschäftsführer der Franziskusheim gGmbH. Das Wasser der Wurm war über die Ufer getreten und floss in den Burgteich, dessen Pegel immer weiter anstieg. Um 22 Uhr traf sich Frenken mit der Familie Davids, Besitzerin von Burg Trips, und beurteilte die Lage als noch nicht bedrohlich. Dann floss das Wasser in den Innenhof. „Bis 2 Uhr war der Pegel um 50 Zentimeter gestiegen, das Wasser des Burgteiches stieg immer weiter an. Eine Wohngruppe war von Hochwasser bedroht. Es fehlte nur ein Millimeter, und das Wasser wäre in den Wohnbereich eingedrungen“, beschreibt Frenken die Lage. Einer der beiden Aufzugsschächte und ein Heizungsraum mussten leergepumpt werden.

Nächtlicher Baggereinsatz

Schnell setzte die Familie Davids, wie schon einmal im Jahre 2010, gegen 2.30 Uhr einen Bagger ein und schaffte einen Durchbruch vom Burgteich zu den benachbarten Wiesenflächen, damit das Wasser abfließen konnte. So konnte das Seniorenwohnheim vor weiterer Überschwemmung bewahrt und eine nächtliche Evakuierung der Bewohner verhindert werden. Sämtliche leitenden Mitarbeiter des Altenheimes waren in Rufbereitschaft, falls die 14 Bewohner der auf der Wurmseite liegenden Wohngruppe hätten evakuiert werden müssen. „Wir waren auf eine Evakuierung bestens vorbereitet“, sagt Frenken und lobt die „professionelle Zusammenarbeit von Feuerwehr, Stromanbieter, Familie Davids und Mitarbeitern seines Hauses“. Bereits am Donnerstagmittag war der Wasserstand wieder um 20 Zentimeter gefallen.

Bei Tagesanbruch wurde das ganze Ausmaß der Überschwemmungen sichtbar: Rund um Geilenkirchen waren Wiesen, Felder und Straßen überflutet. Zum ersten Mal seit den 1980er-Jahren stand auch der Beamtenparkplatz komplett unter Wasser. Wer sein Auto am Abend dort geparkt hatte, fand es am Morgen in einem See wieder. Die NEW Energie musste einige unter Wasser stehende Stromkästen stromlos schalten. Bei Kogenbroich war die Verbindungsstraße nach Müllendorf mittlerweile bis zu 70 Zentimeter überspült. Gut Kleinsiersdorf stand ebenfalls unter Wasser, hier musste die Feuerwehr die Reithalle leer pumpen.

Nach diesen Regenfällen wird deutlich, wie wichtig die vom WVER geplante Maueranlage zwischen Kreissparkasse und Realschule ist, die vor einem 200-jährigen Ereignis schützen soll. Diese sollte in diesem Jahr für 900.000 Euro errichtet werden, um besonders das Krankenhaus zu schützen. Derzeit wird die Klinik um einen viergeschossigen Anbau mit einer Nutzfläche von 2000 Quadratmetern erweitert. Der Rohbau des etwa sechs Millionen teuren Anbaus steht vor der Fertigstellung.

Wie Markus Seiler, Sprecher des WVER, am Donnerstag erklärte, befindet sich der Bau der Mauer in der Vorplanungsphase. Anfang Herbst werde die Genehmigungsplanung an den Kreis Heinsberg als Untere Wasserbehörde geleitet. Derzeit liefen auch noch Grunderwerbsverhandlungen. „Im nächsten Jahr kann Baubeginn sein“, so Seiler. Eine im vergangenen Jahr diskutierte Erweiterung der 1996 errichteten Hochwasserschutzmauer an der Kornmühle stehe derzeit noch nicht zur Debatte.

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