Historisches Klassenzimmer zeigt, „was nach der Schule kam“

Von: Dettmar Fischer
Letzte Aktualisierung:
14633916.jpg
Zum Probesitzen auf Schulbänken von anno dazumal lud der Verein Historisches Klassenzimmer um Vorsitzenden Rudolf Müller (vorne, blaues Hemd) im Rahmen der Sonderausstellung zum Internationalen Museumstag ein. Foto: defi
14633924.jpg
Vor 100 Jahren gab es offenbar unkonzentrierte Schüler. Die Lehrer von heute kennen dieses Problem glücklicherweise nicht mehr.
14633919.jpg
Möglicherweise auch für Gewichtheber und Metalldiebe interessant: der Schlüsselbund eines Schreiners.
14633922.jpg
Blättern in kulinarischen Erinnerungen: ein Kochbuch mit Eintrag vom 1. Februar 1924.

Geilenkirchen-Immendorf. „Wie die Pädagogen, das damals gemacht haben, ist mir ein Rätsel“, wunderte sich Rudolf Müller. Müller war Schulleiter und ist Vorsitzender des Historischen Klassenzimmers Immendorf. Das Einklassensystem der guten alten Zeit, das ihn den Kopf schütteln lässt, muss wohl in puncto Sozialverhalten auch Vorteile gehabt haben, ist Müller überzeugt.

Ganz vorne in der Klasse saßen die Kleinen, ganz hinten die 14-Jährigen, die ihre Schulentlassung schon vor Augen hatten. Ihnen, den Schulabgängern, widmete das Klassenzimmer in diesem Jahr seine Sonderausstellung zum Internationalen Museumstag am Sonntag. „Was nach der Schule kam“, lautete der Titel der Eintagesschau. Zahlreiche liebevoll und mit viel Detailkenntnis zusammengestellte Dokumente entführten die Besucher in die Zeit von vor 100 Jahren.

Große Resonanz

2500 Besucher hat das Schulmuseum im Jahr. Zahlreiche Gäste nutzen auch gerne den Museumtag und schauen sich die für diesen besonderen Anlass im Foyer der Katholischen Grundschule gleich neben den eigentlichen Museumsräumen aufgebaute Präsentation an. Die Archivarin des Historischen Klassenzimmers, Annemarie Veckes, hatte in der Vorbereitungszeit noch einmal ihr Archiv durchstöbert. Die zweite Vorsitzende Marianne Höppener freute sich zusammen mit ihrem Vorsitzenden über die große Resonanz, die ein Aufruf unter den Mitgliedern und Bürgern hervorgerufen hatte. Müller: „Wir bekommen so viel, dass wir immer mal wieder eine Sonderausstellung gestalten können.“

Die so entstandene Präsentation aus Leihgaben und eigenem Fundus gab den Besuchern einen wunderbaren Einblick in den Lebensalltag der Altvorderen. Für die meisten Schulabgänger standen nach der Schule die Lehrjahre an. Den Übergang Schule-Beruf dokumentierten Schulabschlusszeugnisse und Lehrverträge.

Ein Anlaufpunkt in Immendorf war damals schon die Bäckerei Dohlen, die seit 1869 die Immendorfer mit Backwerk versorgt. Die Mädchen konnten dort Verkäuferin lernen, die Jungs das Bäckerhandwerk. Wie es dann weiterging, darüber gaben in der Ausstellung Gesellenverträge und auch ein Meisterbrief im Bäckerhandwerk Auskunft.

Der Bereich Hauswirtschaft konnte für die Mädchen Beruf oder Berufung bedeuten. Ein in Sütterlin handgeschriebenes Koch- und Backbuch wies unter dem Datum 1. Februar 1924 Rezepte für Schokoladengrieß und Senfsoße aus – manche Dinge bleiben vielleicht besser vergangen.

Dutzende von Schlüsseln

Rudolf Müller liegt das Sammeln von allem, was nach alter Zeit aussieht, im Blut. Beispiele in der Ausstellung waren leicht zu finden. Auf einem kleinen Stühlchen lag ein Schlüsselbund mit Dutzenden von Schlüsseln. „Davon habe ich noch einen halben Zentner zu Hause“, meinte Müller. Bei der Auflösung einer Schreinerei im Familienkreis konnte Rudolf Müller die „Schätze“ bergen.

Damals hatten die Schreiner den Schlüsselnotdienst und für fast jedes Türschloss den passenden Schlüssel in Verwahrung. Gleich daneben lagen Zeugnisse alter Maurerkunst: ein paar alte Ziegel und eine Wasserwaage, gerettet aus einem Haus, das 1929 erbaut worden war. Dem rührigen Verein ist es nach der Behandlung des Themas „Einschulung“ 2016 auch 2017 wieder geglückt, den Museumstag mit einer gelungenen Sonderausstellung zu bereichern.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert