Historisches Klassenzimmer: Annemarie Veckes übersetzt Sütterlin-Schriften

Von: Georg Schmitz
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Annemarie Veckes aus Lindern strickt nicht nur Socken. Die Ehrenamtlerin nimmt sich die Arbeit sogar mit nach Hause und übersetzt auch hier die Sütterlin-Schriften. Foto: Georg Schmitz

Geilenkirchen-Lindern. Das Ehrenamt ist eine tragende Säule der Gesellschaft. Ihm wird eine große Bedeutung beigemessen. Auch in der Region engagieren sich Tausende Menschen unentgeltlich in Vereinen, Organisationen, den verschiedensten Einrichtungen, aber auch privat für die Allgemeinheit. Annemarie Veckes hat dem Historischen Klassenzimmer Geilenkirchen freiwillig ihren persönlichen Einsatz gewidmet.

Am 15. März vollendet sie ihren 85. Geburtstag und will auch über diesen hinaus weiterhin zur Verfügung stehen. Die in Hünshoven als Annemarie Plum geborene Seniorin wuchs hier in Bahnhofsnähe mit sieben Geschwistern auf. Sie erinnert sich an unzählige Begebenheiten aus ihrem erfüllten Leben und kann mit den Erzählungen Bände füllen. 1949 zog die Familie nach Lindern, und hier lebt Annemarie Veckes noch in dem 1959 erbauten Haus.

Ihr 1952 angetrauter Ehemann Peter Veckes hatte 1991 einen schweren Unfall. Fünf Jahre und 55 Tage lag er im Koma, bevor er starb. „Ich war jeden Tag bei meinen Mann im Krankenhaus“, denkt sie an die schwere Zeit zurück, die offensichtlich der Auslöser für ihr späteres selbstloses Engagement war. Nach seinem Tod brauchte Annemarie Veckes Ablenkung und wollte sich ein zusätzliches Betätigungsfeld suchen. Schon zu dieser Zeit betreute sie bereits viele Jahre lang ältere Menschen in der Umgebung. Auch hält sie seit 1996 das Kriegerdenkmal in Lindern in Ordnung und sorgte für Sauberkeit auf den Straßen Linderns – auf einer Länge von immerhin fünf Kilometern. „Ich hatte Freude, wenn alles sauber war, und hab jedes Stück Papier aufgehoben“, erzählt die Seniorin. Seit einem Jahr kann sie leider nicht mehr für die absolute Sauberkeit sorgen, denn 2014 fiel sie hin und brach sich die Hand. Dem Historischen Klassenzimmer bleibt sie aber auch mit fast 85 noch treu.

Ende der 90er-Jahre bot Annemarie Veckes dem Museum ihre Mitarbeit an und wurde mit Freude aufgenommen. Schließlich verfügt sie über Fähigkeiten, die hier von großer Bedeutung sind: Veckes beherrscht die Sütterlin-Schrift, und in dem Klassenzimmer befinden sich zahlreiche Dokumente, die in der von 1915 bis 1941 gebräuchlichen Schriftart archiviert sind.

„Sütterlin ist eine wunderschöne Schrift mit Verzierungen“, zeigt sich Veckes begeistert. Voller Elan begab sich die Lindernerin an die Arbeit und hat zwischenzeitlich viele in Sütterlin abgefasste Dokumente, Schulchroniken und sogar ganze Bücher übersetzt. Monatelang arbeitete sie im Keller des Museums und erfuhr hierbei auch die Hilfe der anderen Frauen des Historischen Klassenzimmers. Besonders Lieselotte Gieselmann habe sie viel unterstützt, aber nachdem deren Sehkraft nachgelassen hat, könne sie nicht mehr mithelfen. Jetzt hat Annemarie Veckes mit Karin Kappes eine wertvolle Hilfe gefunden. Doch überhaupt engagiere sich das ganze Team mit Marianne Höppener sowie Ingrid und Rudolf Müller stark für das Schulmuseum. Seitdem sie in dem in der Immendorfer Grundschule untergebrachten Museum tätig ist, hat sie das komplette Archiv durchgearbeitet und übersichtlich geordnet. Täglich sammelt sie jeden Zeitungsbericht über Ereignisse in Geilenkirchen und den Stadtteilen. Tausende Fotos hat sie zusammengetragen und zugeordnet.

„Es ist oftmals schwierig, die Namen der auf den bis zu 100 Jahre alten Fotos abgebildeten Personen herauszufinden“, hat sie festgestellt. Deshalb muss sie viel Zeit in Recherchen investieren und fährt oft über die Dörfer zu Familien und Schulkameraden der vermeintlich abgebildeten Menschen. Hierbei werden auch Erinnerungen an ihre eigene Schulzeit in der katholischen Volksschule Hünshoven und in Folge der staatlichen Nikolaus-Becker-Schule (heute St.-Ursula-Gymnasium) wach.

200 alte Landkarten

1951 absolvierte Annemarie Veckes ihr Abitur an der staatlichen Hildegard-Schule, die in dem Gebäude der heutigen Janusz-Korczak-Schule untergebracht war. All diese Erinnerungen werden bei der Betrachtung von Schulutensilien des Museums bei ihr geweckt.

Das Historische Klassenzimmer ist im Besitz von rund 200 alten Landkarten, die zu Beginn ihrer Tätigkeit einfach auf dem Boden lagen. Die teilweise sehr großen Karten hat Annemarie Veckes sortiert, nummeriert und aufgehängt.

Es gäbe noch viel über die Ehrenamtlerin zu berichten, die nebenbei noch regelmäßig Socken strickt. Das hat sie jahrzehntelang in der früheren Handarbeitsgruppe Lindern schon getan. Und dann sind da ja noch ihre drei Kinder, vier Enkel und sechs Urenkel, die zur Steigerung ihrer Lebensfreude Anlass geben.

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