Hinein ins Mittelalter mit Spielmannsfeuer

Von: Renate Kolodzey
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Die Jungs von Spielmannsfeuer sorgen mit Trommel, Dudelsack und Schlagzeug für mittelalterliche Klänge. Foto: r.k.

Geilenkirchen. Das Mittelalter war eine raue Zeit, in der die Menschen mit vielen Problemen zu kämpfen hatten, unter anderem mit Ausbeutung durch Adel und Klerus sowie Hexenverfolgung. Doch man suchte auch zu dieser Zeit das Vergnügen, wozu die Musik einen erheblichen Teil beitrug.

So auch bei der Veranstaltung „Mittelalter im Gerberhaus“, arrangiert von Sascha Spiertz, dem Inhaber der Gaststätte. „Ich kenne die Jungs von ‚Spielmannsfeuer‘ schon seit über zehn Jahren und habe gemerkt, mit welcher Begeisterung sie mittelalterliche Musik machen“, erzählte er, „und nachdem sie im letzten Jahr schon einmal hier gespielt hatten, wollten wir das gerne wiederholen.“

Seine Mitarbeiter hatten das Lokal möglichst authentisch dekoriert mit Sackleinen an den Wänden, rustikalen und flackernden Kerzen auf den Tischen sowie Kartoffel- und Zwiebelsäcken auf dem Boden. Zu trinken gab es stilgerecht süßen Met, auch Honigwein genannt, gewonnen durch Hefegärung aus mit Wasser verdünntem Honig.

Spielmannsfeuer bestehent aus vier tapferen Recken im besten Mannesalter: „Arkay Flammenschlag“ alias Christoph Jansen mit mittelalterlicher Sackpfeife, einer Art Dudelsack, „Das Mittelalter daselbst“ alias Peter Jansen am Schlagzeug, „Baterius“ alias Bastian Jansen mit der großen Trommel, ‚Davul‘ und „Varulf der Schadenfrohe“ alias Sebastian Broens, ebenfalls mit mittelalterlicher Sackpfeife, kennen sich seit ihrer Kindheit und spielen seit anderthalb Jahren zusammen. „Wir gehen alle einem Beruf nach, teils im Schichtdienst, daher ist es oft nicht einfach, sich zum Proben zu treffen“, erklärte Varulf. „Wir üben im Keller meines 86-jährigen Opas Matthias Derichs“, verriet er noch, „und Opa schaltet dann immer sein Hörgerät aus!“

Schlag auf Schlag geht es weiter

An jenem mittelalterlichen Abend war das Lokal rasch gut gefüllt, teils mit mittelalterlich gewandeten Gästen, und zur 21. Stunde vollzog „Das Mittelalter daselbst“ die ersten Schläge auf seiner Trommelburg. „Seyd willkommen“, rief Arkay den Beschern fröhlich zu, und sogleich jagte ein rasanter Titel den nächsten, immer in fulminanter Lautstärke: „Bärentanz“, „Das Palästinalied“ – ein Lied, das auf keinem Kreuzzug fehlen durfte – und „für unser aller Lieblingsmundschenk Sascha“, wie Arkay dem Besitzer des Lokals schmeichelte, „In der Taverne“.

Ein Handgeklapper war den Spielleuten sicher, und es strömten immer mehr Interessierte herbei. „Nun wird es düster“, kündigte Varulf an, „ich hoffe ihr habt euch schon genug Mut antrinken können, denn wir spielen etwas von Gevatter Tod – den ‚Totentanz‘ “. „Uuuh“ war die Reaktion des Publikums, und mit viel Spielfreude lehrten die Musiker die Leute das Gruseln, um jedoch gleich darauf von Baterius verkünden zu lassen: „Verehrtes Volk von Geilenkirchen, nun wollen wir das Niveau ein wenig heben, denn beim nächsten Lied wird gesungen – und dazu brauchen wir eure Unterstützung. Damit es aber nicht zu anspruchsvoll wird, haben wir den Text sehr einfach gehalten!“

Ausgelassen begleitete die Menge die virtuos und energiegeladen aufspielenden Künstler zu „Nordlicht“. Nach einer kurzen Pause, „damit die Süchtigen unter euch nicht anfangen müssen, an den Nägeln zu kauen“, ging es Schlag auf Schlag ebenso ungestürmt weiter: Mit Liedern wie „Die Stunde des Wolfs“, dem Wappentier der Band oder „Was wollen wir trinken?“ gelang es den Spielleuten, mit imposant und ungeheuer intensiv aufgespielten Rhythmen die Anwesenden dermaßen mitzureißen, dass die Stimmung in der Taverne überkochte. Erst nach mehreren Zugaben gab sich „das Volk“ zufrieden, doch wurde noch bis tief in die Nacht gefeiert, getrunken und gelacht. „Super gut hat es mir gefallen“, sagt Dagmar Marzotko und freut sich.

Damit sprach sie mit Sicherheit für die allermeisten Zuschauer, „und ich bin froh, hierher gekommen zu sein. Besonders beeindruckend finde ich die Kombination der Instrumente und die mittelalterliche Kluft mit Bärten“

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