Geilenkirchen - Hilfsbedürftige harren der Almosen in eisiger Kälte

Hilfsbedürftige harren der Almosen in eisiger Kälte

Von: Udo Stüßer
Letzte Aktualisierung:
Tafel-bild
Ausharren in klirrender Kälte: Bis zu 100 Menschen warten bis zu zwei Stunden vor der Ausgabestelle der Tafel auf günstige Lebensmittel. Foto: Georg Schmitz

Geilenkirchen. Sechs Grad zeigt das Thermometer an. Minus. Die Menschen stehen frierend auf dem Hinterhof. Sie zittern vor Kälte. Manche sitzen in ihren warmen Mänteln eingehüllt auf Plastikstühlen. Andere gehen umher, um halbwegs warm zu bleiben. Der Witterung sind sie schutzlos ausgeliefert. Dem eisigen Wind, dem Regen, dem Schnee. Hier, an der Von-Harff-Straße in Geilenkirchen, befindet sich die Ausgabestelle der Tafel.

Hier warten die Menschen, bis sie für wenig Geld Lebensmittel erhalten. Einer von ihnen ist Willi Übachs. Seit mehr als fünf Jahren ist der Hartz IV-Empfänger Kunde der Tafel. Zweimal in der Woche, montags und donnerstags, kann er hier für 1,50 Euro für sich und seine Frau einkaufen: Gemüse, Salat, Obst, Fleisch und Brot. „Hier gibt es, was man halt so zum Leben braucht”, sagt er und freut sich über die günstige Einkaufsmöglichkeit.

Ein bis zwei Stunden anstehen? Völlig normal.

Was ihn und die fast 100 anderen Geilenkirchener Tafelkunden aber maßlos ärgert ist, dass sie der Witterung schutzlos ausgeliefert sind. Ein bis zwei Stunden stehen die Bedürftigen meist vor der Ausgabestelle.

In den Räumen der Tafel stapeln sich die Lebensmittel, die von dem ehrenamtlichen Helferteam für die Ausgabe vorbereitet wurden. Das Gemüse wurde geputzt, die Waren auf Haltbarkeit überprüft und sortiert. Für die Kunden selbst ist hier kaum Platz. „Deshalb warten wir an den Ausgabetagen zunächst, dass geöffnet wird. Dann treten wir nach und nach ein, zeigen den Tafel-Ausweis, der beweist, dass wir berechtigt sind, hier einzukaufen, bezahlen und treten wieder nach draußen. Und dann werden wir wie beim Arzt einzeln aufgerufen, um in dem Raum einkaufen zu können”, erklärt Willi Übachs das Prozedere.

Die Menschen, die dann bis zu zwei Stunden in der Kälte ausharren, sind nicht immer die jüngsten. Es sind Menschen, die die 80 überschritten haben. Es sind auch Menschen, die ohne Rollator die Tafel nicht erreichen könnten. „Wir wollen nicht im Regen oder Schnee stehen müssen”, spricht Übachs den an diesem Tag rund 50 anwesenden Frauen und Männern aus dem Herzen. Nur 50 sind es an diesem Tag, weil es einfach zu kalt ist.

Früher 34, heute fast 100 „Kunden”

Verständnis für den Ärger ihrer Kunden haben Margot Vaßen und Waltraud Krückel, die die Geilenkirchener Ausgabestelle, eine Filiale der Übach-Palenberger Tafel, leiten. Seit drei Jahren sind sie und etwa 20 ehrenamtliche Mitarbeiter in der Von-Harff-Straße im Einsatz. Bis dahin hatten sie Räume im Bauchemer Pfarrzentrum. „Früher hatten wir nur 34 Kunden. Es wurden aber immer mehr, die Räume in Bauchem wurden zu klein. Heute kommen an unseren Ausgabetagen fast 100 Menschen”, erklärt Waltraud Krückel. Auf der Suche nach neuen Räumlichkeiten bot vor drei Jahren der Übach-Palenberger Bauunternehmer Willy Dohmen den Ehrernamtlern die Räume in seinem Haus in der Von-Harff-Straße mietfrei an. Das haben die Tafel-Mitarbeiter dankbar angenommen.

„Wir haben auch schon mehrfach mit dem Bürgermeister über unser Problem gesprochen”, sagt Waltraud Krückel, die auf neue, zentral gelegene Räume hofft. Zumindest aber auf eine Überdachung, die den wartenden Menschen Schutz vor den Unbillen des Wetters bietet.

Diskreter Ablauf sollte gewährt sein

„Das Problem der Tafel war eines der ersten, mit dem ich nach Amtsantritt konfrontiert wurde”, erklärt dazu Bürgermeister Thomas Fiedler. Seitdem bemühe er sich, geeignete Räume ausfindig zu machen. „Wir hatten schon Räume gefunden. Aber die Distanz zu den Wohnungen der Tafel-Kunden war zu groß. Wir hatten auch schon an ungenutzte Schulräume gedacht. Aber das kollidiert mit dem Schulbetrieb. Außerdem sollte ein diskreter Ablauf gewährleistet sein”, so Fiedler.

Direkt in der Innenstadt seien derzeit keine besseren Räume zu finden. Die Nutzung der Container in Bahnhofsnähe sei ebenfalls diskutiert worden. Aber auch hier sei die Entfernung zu groß, die Bahnüberquerung für alte Menschen zu beschwerlich. „Bei der Diskussion hat sich herausgestellt, dass wir kein Objekt finden, das die Probleme der Tafel löst”, bedauert Fiedler und schlägt der Tafel eine andere Logistik vor.

„Die Kunden kommen zur Tafel, und viele von ihnen haben ein Mobilitätsproblem. Vielleicht sollte die Tafel die Kunden aufsuchen, mit einer Art rollendem Lebensmittelgeschäft. Ich habe darum gebeten, den Warenumschlag anders zu gestalten”, Denn mit dem demografischen Wandel wird das Problem noch größer.”
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert