Übach-Palenberg - Hilfe für Feuerwehrleute bei Angst und Depression

Hilfe für Feuerwehrleute bei Angst und Depression

Von: Stefan Reiners
Letzte Aktualisierung:
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Nach besonders schweren Einsätzen drohen Feuerwehrleuten psychische Folgen. Darum rät der Experte: „Achtet aufeinander!“ Foto: imago/Wigglesworth

Übach-Palenberg. Die Feuerwehren sind im Kreisgebiet durchweg als Freiwillige Feuerwehren organisiert. Eine entsprechende Ausbildung und Training erfährt selbstredend jeder Freiwillige vor seinen Einsätzen, damit er die oft sehr schnell und unter erheblichem Druck zu fällenden Entscheidungen von mitunter gewaltiger Tragweite für die Betroffenen richtig treffen kann.

Neben der Bedrohung des eigenen Lebens, der Feuerwehrmänner bei ihren Einsätzen häufig ausgesetzt und derer sie sich auch bewusst sind, lauert ein wenig im Verborgenen jedoch auch eine Gefahr, die viele vorher eher nicht im Auge haben, die jedoch erhebliche Konsequenzen auf das Privatleben haben kann.

Die Rede ist von den teilweise sehr extremen psychischen Belastungen. Sei es durch die schrecklichen Bilder, die sich ihnen vor Ort bieten können, sei es aufgrund besonders dramatischer oder tragischer Verläufe oder auch durch die direkte Konfrontation mit der eigenen Sterblichkeit in sich plötzlich lebensgefährlich entwickelnden Einsätzen.

Feuerwehrarzt Dr. Heiner Buschmann hat es sich auf die Fahne geschrieben, für dieses Thema und die richtige Vor- und Nachsorge zu sensibilisieren, und lud deshalb schon zum zweiten Mal zur Informations- und Fortbildungsveranstaltung zum Thema „Belastungsstörung“ ein. Unterstützt wurde der Übach-Palenberger Arzt hierbei vom Opferschutzbeauftragten der Kreispolizeibehörde Frank Meuffels und Polizeikommissar Hans Josef Aufsfeld, seines Zeichens zuständig für alle Verkehrsunfälle mit Todesfolge und als solcher nur allzu häufig mit großen Schicksalen und schrecklichen Bildern konfrontiert.

Dargestellt wurden zunächst die verschiedenen Erscheinungsformen und Ausbildungen solcher Belastungsstörungen nach schwierigen Einsätzen. Da sind zunächst die kurzfristigen Reaktionen wie Konzentrationsprobleme, Schlafstörungen, Erschöpfungszustände, Appetitlosigkeit oder Unruhe, die zeitnah zum Geschehen auftreten und nach einigen Stunden, spätestens aber nach drei Tagen abgeklungen sein sollten. Diese werden als „akute Belastungsreaktionen“ (ABR) bezeichnet. „Das sind normale körperliche Reaktionen auf ein unnormales Ereignis“, erklärte Dr. Buschmann den aufmerksam lauschenden Kollegen.

Hier helfe schon das Reden miteinander und – in Richtung Öffentlichkeit und Presse gewandt – auch schon mal der derbe Witz. Dies sei nicht despektierlich gemeint, sondern häufig schlicht ein notwendiger, Distanz schaffender Selbstschutz und eine Bewältigungsstrategie.

„Dauern die Symptome länger an“, mahnte er jedoch gleich hinterher, „sprechen wir schon von einer akuten Belastungsstörung (ABS). Man sollte nicht zögern, den Beauftragten für Psycho-Soziale Unterstützung (PSU) anzusprechen. Es muss schnell reagiert werden, sonst wächst sich das zu einer waschechten „Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) aus.“

Und die – so der innerhalb der Feuerwehr als Fachberater und Ansprechpartner seit Januar 2017 tätige Arzt – kann fatale Folgen für das eigene (Privat-)Leben haben: Sozial beeinträchtigende Vermeidungsstrategien, Ängste, Depressionen und Suchterkrankungen („Trinken, um zu vergessen“) können die Folgen sein. Frühzeitig erkannt, sei die PTBS gut behandelbar. „Deshalb passt auf euch und auf eure Kameraden auf“, so der einhellige Tenor aller drei Referenten in Richtung der anwesenden Feuerwehrleute. „Das beginnt mit der Alarmierung. Wappnet euch vor dem, was euch vielleicht erwartet. Fahrt nicht blauäugig zum Einsatz. Und wenn ihr merkt, ihr kriegt ein Problem, ihr schafft es nicht, dann lasst es einen anderen machen“, war der dringliche Appell an die Kollegen. „Und“, ergänzte Hans Josef Aufsfeld noch einmal, „bitte lasst euch auch rausnehmen, wenn ein Kollege euch dazu rät. Es gibt keine Memmen bei der Feuerwehr. Schützt euch selbst!“

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