Herz in Gefahr: Mediziner klären auf

Von: Udo Stüßer
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Er legt großen Wert auf gesun
Er legt großen Wert auf gesunde Ernährung: Chefarzt Dr. Ulrich Sudhues. Foto: Udo Stüßer

Geilenkirchen. Dr. Ulrich Sudhues schlägt Alarm: „60.000 Menschen sterben im Jahr an einem Herzinfarkt.” Der Chefarzt der Kardiologie im Geilenkirchener St.-Elisabeth-Krankenhaus weiß aber auch: „90 Prozent der koronaren Herzerkrankungen, also die langsam fortschreitende Verstopfung der Arterien, können durch einen gesunden Lebensstil vermieden werden.”

„Herz in Gefahr” ist deshalb der Titel einer Informationsveranstaltung, zu der die Klinik für Innere Medizin des Geilenkirchener Krankenhauses für Mittwoch, 14. November, 18 Uhr, in die Aula des Geilenkirchener St.-Ursula-Gymnasiums einlädt. Diese Infoveranstaltung findet im Rahmen der Herzwoche der Deutschen Herzstiftung statt.

Während Sudhues und niedergelassene Ärzte aus Geilenkirchen und Übach-Palenberg über Symptome, Diagnostik und Behandlung der koronaren Herzerkrankung aufklären, informiert Ronnie Goertz, Vorsitzender des Kreissportbundes, über Bewegungs- und Fitnessmöglichkeiten im Kreis Heinsberg. Markus Reichardt, Chefkoch des Geilenkirchener Krankenhauses, wird über gesunde Ernährung sprechen und so manches Rezept preisgeben. Denn: „Sport soll Spaß machen, und das Essen soll schmecken”, sagt der Chefarzt, der bei der Informationsveranstaltung einen „kleinen Eingriff mit großer Wirkung” erläutern wird. „Die zentrale Methode in der Diagnostik ist die Herzkatheteruntersuchung”, erklärt der Kardiologe.

Luftnot

Klagt der Patient über Luftnot, Brustenge oder gar Brustschmerzen, sucht er üblicherweise den Hausarzt auf. Vermutet dieser nach einem Belastungs-EKG eine Herzerkrankung, erfolgt eine Überweisung ins Krankenhaus. „Durch eine Katheteruntersuchung erhalten wir eine 100-prozentige Dia-gnose und können eine gezielte Therapie einleiten”, sagt Sudhues. Von der Leiste oder dem Arm aus wird der Katheter in der Arterie zum Herzen geführt. „Stellen wir bei dieser Untersuchung fest, dass eine Arterie eng und verkalkt ist, können wir sie mit einem Ballon erweitern und einen Stent einsetzen”, fügt er hinzu. Zwischen zwei und vier Tagen muss der Patient im Krankenhaus bleiben.

Etwa 460 Patienten kommen im Jahr mit einer koronaren Herzerkrankung ins Geilenkirchener Hospital, bei dem größten Teil der Patienten ist eine Katheteruntersuchung erforderlich. Dr. Sudhues und seine kardiologischen Oberärzte Dr. Josef Tatros und Dr. Winfried Polierer-Grumbach fahren für diesen „unkomplizierten Routineeingriff”, der zwischen zehn und 30 Minuten dauert, mit dem Patienten ins Erkelenzer Krankenhaus, wo sie die nötige technische Ausstattung vorfinden. Seit Ulrich Sudhues vor vier Jahren die Chefarzt-Stelle im Krankenhaus angetreten hat, werden von den Geilenkirchener Medizinern Katheteruntersuchungen vorgenommen.

Er selbst beherrscht diese Methode der Diagnostik seit 1995. Es ist keine Seltenheit, dass Sudhues und seine Kollegen nicht nur einen, sondern zwei, oder drei Stents setzen. „Es gibt Patienten, die 14 Stents in ihren Arterien haben”, erklärt der Kardiologe. Wird bei der Katheteruntersuchung allerdings festgestellt, dass der Patient über eine Vielzahl von Verengungen klagt oder die Verengung an einer ungünstigen Stelle in einer schnörkelig verlaufenden Arterie sitzt, ist eine Bypass-Operation nicht zu vermeiden.

Durch immer bessere Materialien der Stents, der Katheter und der Drähte, mit denen der Ballon in die Arterie geführt wird, und durch die größere Erfahrung der Mediziner konnte in den vergangeenn Jahren die Zahl der Herzoperationen reduziert werden.

Vernünftige Ernährung

Während die Aufdehnung einer Arterie erst seit 1977 möglich ist, werden Stents seit Ende der 80-er Jahre gesetzt. „Schließlich haben die betroffenen Arterien nur einen Durchmesser von zwei bis vier Millimetern. Wir arbeiten also mit kleinstem Material und benötigen Röntgenbilder von hoher Qualität für saubere Bilder”, erklärt der Kardiologe die Problematik.

Der Chefarzt wirft bei dieser Gelegenheit auch einen Blick in die Zukunft: „In den USA sind bereits selbstauflösende Stents auf dem Markt. In ein bis zwei Jahren werden sie sicherlich auch in Deutschland zugelassen. Das wäre auch für uns Geilenkirchener Ärzte eine Option, damit der Patient nach der Erweiterung der Arterien keinen Fremdkörper mehr in seinen Adern hat.” Damit es aber so weit nicht kommt, legt der Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie und Sportmedizin großen Wert auf Prävention.

Aus diesem Grund wird Kreissportbund-Vorsitzender Ronnie Goertz über die Sportmöglichkeiten im Kreis Heinsberg referieren. Sudhues selbst empfiehlt Sport mit Ausdauercharakter wie Laufen, Wandern, Radfahren oder Schwimmen, „am besten drei- bis viermal die Woche mindestens eine halbe Stunde”. „Lieber länger und langsamer als kürzer und intensiver”, rät er. Aber egal, ob Kampfsport oder Fitnessstudio. „Hauptsache regelmäßig, denn Sport ist eine gute Medizin für das Herz!”

Auch plädiert der Chefarzt für eine vernünftige Ernährung, damit sich im Laufe der Jahre keine Fette und kein Kalk an den Arterienwänden ablagern. „Weg von den süßen Sachen, weg von Fastfood”, warnt Sudhues und rät: „Mehr Vollkornprodukte, mehr Gemüse, mehr Fisch als Fleisch, mehr Öle als Fette und viel Obst, das ist die Basis für die Problemlösung.” Sudhues warnt auch vor Übergewicht: „67 Prozent der deutschen Männer und 50 Prozent der deutschen Frauen sind übergewichtig. Und auch die Zahl der Kinder, die unter Diabetes, Bluthochdruck und Übergewicht leiden, nimmt zu.” Drei bis vier regelmäßige Mahlzeiten empfiehlt der Arzt. „Aber weg mit den Süßigkeiten, weg mit den Snacks zwischendurch.”

Die Referenten und weitere Infos

Die Informationsveranstaltung am Mittwoch, 14. November, 18 Uhr, dauert etwa eine Stunde. Eine Voranmeldung ist nicht erforderlich, der Eintritt ist frei.

Weiteres Informationsmaterial halten an diesem Abend die AOK, der Allgemeine Turnverein Geilenkirchen, der VdK und die Deutsche Herzstiftung bereit.

Referenten sind die niedergelassenen Allgemeinmediziner Dr. Ludger Venth aus Übach-Palenberg und Dr. Hubert Meertens aus Geilenkirchen, Chefarzt Dr. Ulrich Sudhues, Kreissportbund-Vorsitzender Ronnie Goertz und Krankenhaus-Chefkoch Markus Reichardt.

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