Geilenkirchen - Helmut D. bricht sein Schweigen: „Keine Vergewaltigung“

Helmut D. bricht sein Schweigen: „Keine Vergewaltigung“

Von: Rei
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Geilenkirchen. Wider Erwarten hat der Prozess gegen Helmut D. aus Oberbruch, der wegen versuchter Vergewaltigung und mehrfacher, teilweise schwerer Körperverletzung sowie Weitergabe von Amphetaminen an Minderjährige angeklagt ist, am Montag vor dem Schöffengericht Geilenkirchen doch noch nicht sein Ende gefunden.

Erneut fehlten von drei geladenen Zeugen deren zwei, einer davon gar ein Polizist, der zum zweiten Mal unentschuldigt nicht erschien. Die einzige anwesende Zeugin, die 24-jährige Jessica F. aus Erkelenz, musste ihrerseits mit Hilfe der Polizei vorgeführt werden, da auch sie die ersten beiden Ladungen ignorierte.

Für ein besonderes „Schmankerl“ dieses Prozesstages sorgten mehrere Zuschauer aus dem Bekanntenkreis des Angeklagten. Sie versuchten während einer Pause, in der das Gericht, die Staatsanwältin und der Verteidiger Claus Wallrafen sich zu einem Rechtsgespräch zurückzogen, um zu klären, ob der dritte fehlende Zeuge zwingend gehört werden müsse, eben diesen Zeugen mittels Durchforstung der eigenen Handylisten kurzfristig doch noch auffindbar zu machen.

Der vorsitzende Richter, Thomas Schönig, bedankte sich anschließend bei diesen, wie er sie betitelte, „freien Mitarbeitern“ für den – leider erfolglosen – Versuch, zu helfen. Nicht jedoch ohne auch darauf hinzuweisen, dass Handys im Gerichtssaal grundsätzlich ausgeschaltet sein müssten.

Den eigentlichen Höhepunkt des Verhandlungstages stellte aber die Aussage des Angeklagten zu den Vorfällen zwischen ihm und seiner ehemaligen Frau, der Zeugin Patricia D., dar. Bisher hatte Helmut D. zu diesem Tatkomplex geschwiegen. „Er wollte immer schon aussagen“, bestätigte sein Verteidiger auf Nachfrage, allerdings – so beschrieb Helmut D. die Situation seiner polizeilichen Vernehmung dem Gericht selbst – habe er sehr schnell das Gefühl bekommen, die Beamten hätten ihn damals im Geiste bereits vorverurteilt, weshalb er beschloss, lieber erst einmal zu schweigen.

Manchmal habe er sich gewehrt

Jetzt schilderte er das Bild dieser Ehe, in der aufgrund eines vorehelichen Seitensprungs seinerseits die Hand seiner eifersüchtigen und impulsiven Frau recht locker saß. Sie habe ihn mitunter minutenlang geohrfeigt, was er sich zumeist gefallen ließ, da er einerseits dachte, dies durchaus verdient zu haben und andererseits auch froh war, eine sehr „wehrhafte“ Frau zu haben, um die er sich daher keine Sorgen zu machen bräuchte, wenn sie alleine ausging.

Manchmal habe er sich aber auch gewehrt, weshalb es zu dem attestierten „Veilchen“ (ein unglücklicher Treffer mit zwei Fingern im Auge) und dem Tritt in den Bauch der damals schwangeren Patricia D. (ein wohl entgleister Versuch, sie von sich wegzuschieben) gekommen sei. Als seine Ehefrau bereits nach der Trennung in einem weiteren Eifersuchtsfall gedroht habe, er sehe seinen Jungen nicht wieder, habe er sie zugegebenermaßen fest am Hals gepackt und zugedrückt. Sie sei aber nicht ohnmächtig geworden, sondern habe nur kurz schlecht Luft bekommen, was durch Anwendung des Asthmasprays sofort behoben worden sei. Danach sei sie noch bei ihm geblieben und habe dort geschlafen.

Überhaupt seien er und seine Ex-Frau auch nach der Trennung immer wieder intim geworden. Aus diesem Grund habe es auch keine versuchte Vergewaltigung gegeben. Der Kontakt am betreffenden Tag sei einvernehmlich gewesen. Später habe es dann zwar Streit gegeben, in dessen Verlauf Patricia D. mit dem gemeinsamen Kind die Wohnung vorzeitig verlassen wollte.

Um dies zu verhindern, habe er auch die Haustür abschließen wollen, wobei der Schlüssel abgebrochen sei. Als sie aber plötzlich um Hilfe rief und gegenüber der gerade heimkehrenden Nachbarin behauptete, er habe versucht sie zu vergewaltigen, habe er Panik bekommen und sei aus der Wohnung gelaufen. Bei dieser etwas überstürzten Aktion seien halt einige Dinge (Laptop, Schranktür, Terrassentür) zu Bruch gegangen.

Ein letzter Zeuge wird im Fortsetzungstermin morgen um 12.30 Uhr noch gehört werden. Im Anschluss daran erfolgen die Plädoyers von Staatsanwaltschaft und Verteidigung sowie die Verkündung des Urteils.

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