Heinsberger Tauschring: Apfelkuchen gegen Hilfe am PC

Von: Udo Stüßer
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Sie freuen sich über die Einrichtung einer Außenstelle des Heinsberger Tauschrings im Bürgertreff: Waltraud Günther und Jürgen Benden. Foto: Udo Stüßer

Geilenkirchen. „Was ich nicht kann, kannst Du! Was Du nicht kannst, kann ich!“ Unter diesem Motto werden in der Heinsberger Region unentgeltlich kleine Hilfeleistungen getauscht, „sozusagen als organisierte Nachbarschaftshilfe“, wie es Waltraud Günther, ehrenamtliche Mitarbeiterin im Projekt Heinsberger Tauschring, erklärt.

Der Heinsberger Tauschring wurde im Jahr 2010 vom Selbsthilfe- und Freiwilligenzentrum im Kreis Heinsberg ins Leben gerufen. Diesem sozialen Netzwerk, dem mittlerweile etwa 70 Menschen angehören, haben sich auch etliche Geilenkirchener und Gangelter angeschlossen. Deshalb wird der Tauschring eine Außenstelle im Geilenkirchener Bürgertreff, Alte Poststraße 10, gründen.

Offiziell eröffnet wird diese Außenstelle am Samstag, 25. Oktober, wenn der Bürgertreff seinen zweiten „Geburtstag“ feiert. Jürgen Benden, der mit der Caritas-Gemeindesozialarbeiterin Nicole Abels-Schell den Vorsitz des Vereins Bürgertreff inne hat, sieht den Tauschring als Bereicherung für seine Einrichtung.

Müssen Haustiere versorgt, Schreibarbeiten verrichtet oder Lampen aufgehängt werden? Benötigt man Hilfe am Computer oder einen Apfelkuchen, ohne selbst Backkenntnisse zu haben? Beim Tauschring findet man schnell Unterstützung.

„Meist sind es kleine handwerkliche Leistungen, um die gebeten wird“, erklärt Waltraud Günther, die das Wort „klein“ besonders betont. „Ein Zimmer tapezieren wäre schon das absolute Limit, niemand kann sich mit der Hilfe des Tauschrings sein Haus renovieren lassen“, sagt sie.

Symbolischer Taler

Derjenige, der seine Hilfe anbietet, erhält pro 30 Minuten Einsatz einen symbolischen Heinsberg-Taler. Für jeden erarbeiteten Taler kann man sich dann selbst Hilfe beim Tauschring erkaufen. „Vielen Teilnehmern geht es dabei nicht nur um den Tausch von Arbeitsleistung, sondern auch um den Aufbau von sozialen Kontakten“, hat Waltraud Günther festgestellt.

Besonders angesprochen sind ältere Menschen, Menschen mit Behinderung, Alleinerziehende, Menschen mit geringem Einkommen und Neubürger. Wer am Tauschring teilnehmen will, muss nicht unbedingt ein Experte auf irgendeinem Gebiet sein.

„Jeder kann teilnehmen, denn jeder hat Fähigkeiten. Muss man selbst eine Leistung erbringen, kann man beispielsweise Senioren betreuen, Einkäufe erledigen oder Socken stricken“, sagt Günther.

„Auch ohne Moos was los“: Das gilt nicht nur für den Tauschring, das gilt auch für den Bürgertreff. Wer in den Räumlichkeiten in der Alten Poststraße Kontakt sucht oder an den Angeboten teilnehmen will, muss nicht unbedingt eine gefüllte Geldbörse dabei haben.

Vor mehr als zwei Jahren wurden in Workshops im Rahmen des Bundesprogramms „Toleranz fördern – Kompetenz stärken“ Stimmen laut, dass in Geilenkirchen ein Treffpunkt fehle. Unter Leitung von Nicole Abels-Schell und Jürgen Benden erarbeitete eine Gruppe von etwa zehn Engagierten ein Konzept für einen Treffpunkt. Unterstützt wurde sie vom Soziokulturellen Zentrum Herzogenrath.

Spendenschwein füllen

Für ein Oktoberwochenende wurde im Jahr 2012 mit Unterstützung des Bundesprogramms „Toleranz fördern – Kompetenz stärken“ ein Ladenlokal auf der Konrad-Adenauer-Straße gemietet. „Wir wollten einmal Bürgertreff ‚spielen‘, um zu sehen, wie es angenommen wird“, blickt Jürgen Benden zurück.

Doch aus den drei Tagen sind mittlerweile zwei Jahre geworden, denn seit diesem Test erfreut sich die Kommunikations- und Informationsstätte großen Zuspruchs. Im Mai 2013 ist der Bürgertreff in die Alte Poststraße umgezogen, weil die ursprünglichen Räume nicht barrierefrei ausgebaut werden konnten.

Seit zwei Jahren ist der Bürgertreff nun Begegnungsstätte, lockt aber auch mit einem abwechslungsreichen Programm mit Informationsabenden, Musik und Lesungen, mit einem „Programm von Menschen für Menschen“, wie es Benden ausdrückt.

Das Angebot ist kostenlos, auch der Kaffee und die Kekse auf den Tischen. Lediglich das Spendenschwein möchte von den Gästen gefüllt werden.

Während der eine Besucher für seinen Kaffee nicht spenden kann, gibt der nächste Gast auch gerne mal einen Fünfer. „Das reicht natürlich nicht, um die laufenden Kosten von 1.000 Euro im Monat zu begleichen“, sagt Benden. „Von der Stadt gibt es keinen Zuschuss.

Das müssen wir auch anerkennen, weil sie sich in der Haushaltssicherung befindet. Und das Bundesprogramm ‚Toleranz fördern – Kompetenz stärken‘ übernimmt nur eine Projektfinanzierung und keine Dauerfinanzierung“, bedauert Benden.

Großzügige Stiftung

Zu 99 Prozent wird der Bürgertreff mit Spendengeldern finanziert. „Die Caritas-Gemeinschaftsstiftung und manche Geilenkirchener Geschäftsleute sind sehr großzügig und geben uns Geld- und Sachspenden“, lobt Jürgen Benden.

Offener Treff und Beratungsstunden

Das zweijährige Bestehen feiert der Bürgertreff am Samstag, 25. Oktober, von 10 bis 18 Uhr. Am Vormittag tritt die Trommlergruppe Fatima Deckers auf. In der Gerbergasse wird es an diesem Tag einen Flohmarkt geben. Anmeldungen dazu sind noch möglich beim Vorsitzenden Jürgen Benden, Telefon 0177/2001119.

An diesem Tag kann man sich über die Arbeit und über die Angebote des Bürgertreffs und über den Heinsberger Tauschring informieren.

Geöffnet ist der Bürgertreff dienstags und donnerstags von 9 bis 13 Uhr, dienstags und freitags von 14.30 Uhr bis 18.30 Uhr und samstags von 10 bis 14 Uhr.

Darüber hinaus hat der Bürgertreff ein monatlich wechselndes Programm. Fest eingebaut darin sind das monatliche Bewerbungstraining und die Blaue Stunde, ein regelmäßiges Treffen von Künstlern.

Nach Terminvereinbarung gibt es auch eine Erstberatung in rechtlichen Angelegenheiten, allgemeine soziale Beratung, Beratung für Menschen mit seelischen Problemen und Beratung für Menschen mit Behinderung.

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