Übach-Palenberg - Heiner Weißborn legt Ratsmandat nieder

Heiner Weißborn legt Ratsmandat nieder

Von: Udo Stüßer
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Einen bunten Blumenstrauß und einen Gutschein überreichten Heiner Weißborn (Mitte) der stellvertretende SPD-Fraktionschef Tim Böven (links) und Parteichef Alf-Ingo Pickartz. Foto: agsb

Übach-Palenberg. Ein Urgestein der Übach-Palenberger SPD ist am Dienstagabend von der politischen Bühne abgetreten: Nach 33-jähriger Ratszugehörigkeit hat der langjährige Fraktionschef Heiner Weißborn in der Ratssitzung offiziell seinen Rücktritt erklärt. Bereits am Montagabend wurde er in einer außerordentlichen Sitzung von der Fraktion und dem Vorstand des SPD-Stadtverbandes verabschiedet.

„Es war eine schöne Zeit, in der ich nette und weniger nette Menschen kennengelernt habe. Aber die parteiinternen Diskussionen und die Diskussionen im Rat fallen mir immer schwerer. Und wenn man dann ständig angemacht wird, ist das nicht mehr vergnügungssteuerpflichtig“, erklärte der 59-Jährige in der Fraktionssitzung.

Er habe das Glück gehabt, in einer Zeit Ratsmitglied zu sein, in der in Übach-Palenberg viel bewegt wurde, sagte er und nannte beispielhaft den Bau der Gesamtschule, die Errichtung des Brückenbauwerks in Palenberg und die Schaffung des Naherholungsgebietes. Viele Millionen Euro seien investiert worden. „Aber in den vergangenen Jahren haben wir nur wenig bewegt. Wir sind in der Opposition, und das Geld ist nicht mehr in Hülle und Fülle vorhanden“, bedauerte er. Drei Jahre vor der nächsten Kommunalwahl wolle er nun jüngeren Parteifreunden den Weg freimachen.

Die Stadt Übach-Palenberg werde um einen ihrer erfahrensten Kommunalpolitiker ärmer, erklärte der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Tim Böven. „Wir finden Heiners Rücktritt sehr schade und bedauern seine Entscheidung, aber wir werden seine Entscheidung akzeptieren müssen“, sagte er und warf einen Blick auf Weißborns politische Vita: 20 Jahre war er Fraktionsvorsitzender, zehn Jahre stellvertretender Bürgermeister und acht Jahre Vorsitzender des SPD-Stadtverbandes.

„Sicherlich haben uns die anderen Fraktionen um das Wissen Heiners und seinen damit verbundenen Ideenreichtum sehr oft beneidet. Daher werden wir ihn bei zukünftigen Diskussionen und Entscheidungen sehr vermissen“, sagte der stellvertretende Fraktionschef und betonte: „Häufig geht man in Konflikten auseinander. Ich bin sehr froh, dass dies nicht der Fall ist und wir in Freundschaft auseinandergehen.“

Freundschaft und Leidenschaft

Von Freundschaft sprach auch der Übach-Palenberger SPD-Parteichef Alf-Ingo Pickartz. Und von Leidenschaft. Diese beiden Wörter würden Heiner Weißborn am besten beschreiben. Auch der politische Gegner werde Weißborn künftig vermissen. Würde man die Ratssitzungen mit einem Unterhaltungsformat gleichsetzen, würden die Einschaltquoten von nun an in den Keller fallen. Auch ihm war wichtig: „Du gehst nicht mit Groll.“ Die SPD werde sich nun neu aufstellen müssen, sagte Pickartz weiter.

Nachrückerin im Stadtrat ist Claudia Burghardt. Die Geschäfte der Fraktion wird Tim Böven bis zu den Neuwahlen führen. Diese finden voraussichtlich im Mai statt. Wer dann den Fraktionsvorsitz übernimmt, ist noch offen.

Zum Abschied schenkte die Fraktion Weißborn einen bunten Blumenstrauß und einen Reisegutschein.

In seiner 33-jährigen Ratsarbeit hat Heiner Weißborn alle Höhen und Tiefen einer Partei erlebt. Gerne erinnert sich der Mann, der auch nach seinem Rückzug aus dem Rat mit Leib und Seele Sozialdemokrat ist, an die drei Legislaturperioden von 1984 bis 1999, in denen die SPD mit 21 Sitzen die absolute Mehrheit hatte. 14 Mandate hatte die CDU, drei Sitze die Grünen.

„Das war eine schöne Zeit. Da haben wir die Gesamtschule und die Brücke in Palenberg gebaut, da haben wir das Naherholungsgebiet eingerichtet, die Bergarbeitersiedlung und Übach saniert. Da haben wir die Schullandschaft umgekrempelt und Kindergärten gebaut“, erklärte Weißborn vor seinem Rücktritt im Gespräch mit unserer Zeitung. „Es hat Spaß gemacht, dass ich da mitwirken durfte. Aber Opposition macht keinen Spaß.“

Weißborn denkt aber auch an die Zeit der Koalition mit den Grünen zurück. 16 Ratsmandate hatten SPD und Grüne auf der einen Seite, 16 Stimmen CDU und UWG auf der anderen Seite. Die Mehrheit hatten SPD und Grüne lediglich durch die Bürgermeisterstimme von Paul Schmitz-Kröll (SPD). „Und später dann die Opposition. Da war Schluss mit lustig“, sagte er.

Bei seinem Abschied aus der Politik denkt Weißborn auch an so manchen politischen Weggefährten, beispielsweise an die SPD-Bürgermeister Manfred Sybertz (1972–1982), Werner Müller (1982–1988) und an den am 28. November 1996 im Amt gestorbenen Rolf Kornetka.

Machtinstinkt

Heiner Weißborn selbst war wie so mancher der alten SPD-Garde nie bequem, eher ein Politiker mit Ecken und Kanten, der sich mit seiner Ehrlichkeit und Offenheit großen Respekt verschaffen hat. „Machtinstinkt muss man als Politiker schon haben, lieb sein alleine reicht nicht. Ich bin mehr als einmal in Konfliktsituationen geraten. Ich war nie der große Taktiker. Als Fraktionsvorsitzender bekommt man dann so manche Beule ab, ich habe aber auch ausgeteilt“, erklärte er. Und: „Es finden heute keine richtige Diskussionen mehr statt. Man streitet über Kleinigkeiten.“

Heiner Weißborn, der als Sechsjähriger im blauen Hemd und mit einem roten Tuch als Falke, also als Mitglied der Sozialistischen Jugend Deutschlands, durch die Bergarbeiterstadt gestreift ist, der sich dann den Jusos angeschlossen hat und mit 16 Jahren der SPD beigetreten ist, kennt aber auch die Schattenseiten der Kommunalpolitik.

Er kennt die schmerzhaften Schläge unter die Gürtellinie und die heftigen Anfeindungen nur zu genau: Als er 2009 für das Amt des Bürgermeisters gegen den CDU-Kandidaten Wolfgang Jungnitsch kandidierte, kleisterte man die Schaufensterscheibe seines Fachgeschäftes für Orthopädische Schuhtechnik zu. Zu lesen war die Aufschrift: „Schuster bleib bei deinen Leisten.“

Jetzt will er den Weg für Jüngere frei machen. Ohne Groll. Und ohne Streit. Politik, so sagte er, dürfe nicht abgehoben sein, Politiker müssten auf die Menschen zugehen. Doch das sollen nun andere tun.

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