Grotenrath/Selfkant - Heimathistorik: Die Erinnerung für die Nachwelt bewahren

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Heimathistorik: Die Erinnerung für die Nachwelt bewahren

Von: a.s.
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Über zwei Jahre hinweg hat Willi Goertz aus Grotenrath rund 40 Augenzeugen befragt und viele Unterlagen gesichtet, um die Berichte der Kriegserlebnisse zu komplettieren. Foto: a.s.

Grotenrath/Selfkant. Das Essbesteck war rostig und voller Keime. Geschlafen wurde selbst im Winter auf dünnen, harten Strohmatten. Und selbst die Hunde der Aufseher bekamen mehr zu essen als die Inhaftierten – so muss man sich das Leben der vor siebzig Jahren internierten Kriegsüberlebenden vorstellen. Einen noch lebendigeren Eindruck von dieser Zeit können Interessierte nun im Werk des Heimathistorikers Willi Goertz nachlesen.

„Nach Ende des zweiten Weltkrieges wurde die Region um Geilenkirchen und der Selfkant zunächst von den Amerikanern besetzt, die ein verhältnismäßig guten Umgang mit der Bevölkerung pflegte“, so Willi Goertz.

Als diesen jedoch nach zwei Monaten im November 1944 die Briten folgten, so schreibt Goertz in seinem Buch, änderten sich die Lebensverhältnisse: 6000 Menschen wurden in das ehemalige deutsch Konzentrationslager Vught in den Niederlanden interniert. Nur noch wenige Menschen, die diese Erlebnissen ausgesetzte waren, leben heute noch. Ihre Erinnerung für die Nachwelt zu bewahren, das ist das Anliegen dies Heimatforschers.

In fast zweijähriger Arbeit nahm Grotenrathener Willi Goertz Kontakt zu fast 40 Augenzeugen und deren Kindern in aller Welt auf. Er sammelte deren persönlichen Geschichten. Diese reichten über den ersten Kontakt der Kinder mit Schokolade zur Besatzungszeit der Amerikaner, bis hin zu bewegenden Todesfällen. Traurige, aber auch Geschichten voller Hoffnung geben einen Einblick in den Alltag im Internierungslager.

Goertz erhielt von den Zeitzeugen Fotos. Besonders stolz ist der Heimatforscher auf vier Tagebücher, die ihm im Original oder in Abschriften zur Einsicht gegeben wurden – sogar aus den USA. Eines der Tagebücher macht die ärmlichen Verhältnisse im Lager ersichtlich: Auf Toilettenpapier geschrieben und in den groben Bezug einer Strohmatte eingebunden, schilderte eine Augenzeugin ihre Erlebnisse in Gedichten und erzählenden Texten.

„Mit der Aussage, dass es sich nur um einen einige wenige Tage andauernden Aufenthalt halte, wurden die Bürger der Region in das Internierungslager geführt und nahmen entsprechend wenig Gepäck mit“, sagt Goertz. „Dass sich der Verbleib dort dann jedoch auf rund sechs Monate verlängert, sorgte dafür, dass die kargen Verhältnisse noch ärmlicher wurden: Mit Notrationen an Dürrgemüse, wässriger Suppe und trockenen Keksen wurden die Inhaftierten versorgt“. In ihrer Not stahlen Kinder dann übriggebliebene Kartoffelschalen, auch wenn sie dafür Strafen in Kauf nehmen mussten.

Interesse an der Heimatgeschichte gewann Willi Goertz bereits während der Schulzeit. Als er erfuhr, dass seine Verwandten der Zwangsevakuierung nur durch eine Flucht nach Scherpenseel entkommen konnten, war sein Interesse vollends geweckt.

Bei zwei Besuchen des Internierungslager in Vught sammelte Goertz viele Eindrücke und Informationen. Er nahm auch Bilder für sein nun veröffentlichtes Buch auf. Weitere Bilder erhielt er entweder von den Augenzeugen selbst oder fand in den Archiven des Kreises geeignete Aufnahmen.

Sammelschrift

Anlässlich des siebzigsten Jahrestags der Wiederkehr der Erlebnisse im Herbst dieses Jahres veröffentlicht Willi Goertz nun diese Sammelschrift mit Zeitzeugenberichten. Auf fast 180 Seiten und mit 200 Bildern illustriert, sind seine Berichte übersichtlich und klar verständlich strukturiert.

Wichtig sei ihm, bei den jüngeren Generationen, die bisher keine Kriegserlebnisse kennen gelernt haben, das Bewusstsein zu wecken, dass etwas Verlgeichbares vermieden werden muss. Er will zeigen, dass das gute Verhältnis zu den Nachbarn in den Niederlanden, nicht immer so gut war.

Vorbestellung

Diejenigen, die sich für ein Exemplar zum Preis von 15 Euro interessieren, können sich beim Autor unter Telefon 02451/67585 melden und eines für den Herbst vorbestellen.

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