Geilenkirchen - Heimatforscher blickt auf Anfänge des Aktionskreises zurück

Heimatforscher blickt auf Anfänge des Aktionskreises zurück

Von: Udo Stüßer
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Heimatforscher Heiner Coenen präsentiert seine Chronik.

Geilenkirchen. Die Stimmung ist in vielen Geilenkirchener Unternehmen deutlich besser, als das in der Stadt wahrgenommen wird: Dieses Fazit zieht Diplom-Betriebswirt Heiner Coenen nach fünfmonatiger intensiver Recherche. Zum 50-jährigen Bestehen des Geilenkirchener Aktionskreises legt der ehemalige Studiendirektor und bekannte Heimatforscher eine mehr als 150 Seiten umfassende Chronik vor, die in unterhaltsamer Form die Situation des Geilenkirchener Einzelhandels und der Gewerbetreibenden beleuchtet.

Bei dem Buch handelt es sich um eine lebendige Mischung aus Bilanz und Betriebswirtschaftslehre, Heimatgeschichte und Humor. Unterhaltsam ist schon der Einstieg ins Werk, in dem der Autor beschreibt, wie er von Rüdiger Strübig, Vorsitzender des Aktionskreises, und dem früheren CDU-Parteichef Franz-Michael Jansen „beim letztjährigen Weinfest von der Straße weg verhaftet wurde“, die Chronik zu schreiben.

Konnte Coenen „einem Mann mit einem offensichtlich ungewöhnlich robusten Anti-Frustations-Gen“ (gemeint ist Strübig) Nein sagen? Konnte er nicht.

Weshalb braucht man den Aktionskreis?, fragt Coenen. Sicherlich sei es für die Mitglieder nicht immer lustig, sich mit anderen abstimmen zu müssen und Kompromisse einzugehen. Aber: „Ohne ein Minimum an Gemeinsamkeit ist auch für alle Kaufleute in Geilenkirchen alles nichts!“

Nein, Geilenkirchen ist längst nicht mehr das Beamtenstädtchen der Nacksen, hat Coenen festgestellt. Die Geilenkirchener nähmen keine beamtenmäßige, untertänige Haltung gegenüber Vorgesetzten ein und gingen nicht mit gebeugtem Nacken, wie es auch noch der Nacksenorden der Karnevalisten darstellt. Nein, der Imagewandel sei längst eingeleitet, schreibt der Autor.

Bevor sich der Betriebswirt mit den Herausforderungen des Stadtmarketings, das seiner Meinung nach professionell besetzt werden muss, beschäftigt, blickt er in die „Steinzeit“ des Marketings: In den 1980er-Jahren hatte der Inhaber einer Buchhandlung mit Schreibwarenabteilung im Zentrum der Stadt erkannt, dass man angesichts tausender Schüler spätestens um 7.30 Uhr öffnen muss.

Und bereits am zweiten Tag stand um 7.35 Uhr ein Verwaltungsmitarbeiter im Geschäft und verwies streng auf geltende Ladenöffnungszeiten. Und der Hotelier vor St. Marien, der in den 1980er-Jahren bei schönem Wetter Kaffee und Kuchen auf der Terrasse anbieten wollte, sorgte für lange Diskussionen im Stadtrat. „Es wurde um jede Minute, um jeden Zentimeter gerungen“, schreibt Coenen rückblickend.

Coenen geht auf das Dilemma der Ansiedlung des Einzelhandels in der City ein, zeichnet die Problematik des innenstadtrelevanten Einzelhandels auf und übt Kritik an der mangelnden Solidarität im Einzelhandel, „ein Problem, das die Stadtentwicklung hemmt“: „Wussten Sie, dass nur 55 Prozent der Einzelhandelsgeschäfte der Innenstadt im Aktionskreis organisiert sind? Wussten Sie, dass nur 50 Prozent der gewerblichen Anbieter in der City sich an der Weihnachtsbeleuchtung beteiligen?“ Trotzdem sind 165 Gewerbetreibende im Aktionskreis engagiert.

Eine mangelhafte Identifikation der Bürger mit ihrer Heimatstadt sieht Coenen durch das enorme Wachstum. „Hatte unsere Stadt 1972 nach der kommunalen Neugliederung noch 19.000 Einwohner, so sind es heute über 28.500 Einwohner, zuzüglich circa 1500 Einwohner mit zweitem Wohnsitz.“ Die Hälfte der Einwohner lebe in den 28 Dörfern rund um den Stadtkern. Integration und Zusammenhalt würden durch Kommunikation gefördert. Im Stadtzentrum fehle aber eine Kommunikationsstätte, wie es früher die Stadthalle war. „Die Kommunalpolitik ist gefordert, hier mit intelligenten Lösungen Abhilfe zu schaffen“, so Coenen.

Die Chronik enthält auch Statistiken, Zahlen und Fakten über Veranstaltungen, Mitgliederstruktur, Vorstände. Bemerkenswert ist ein Vergleich der Einzelhandelszentralität: Während sie in Geilenkirchen von 81,6 im Jahre 2013 auf 84,1 im 2014 gestiegen ist, ist sie in Übach-Palenberg im gleichen Zeitraum von 72 auf 67 gesunken. Baesweiler verzeichnet einen Anstieg von 56,3 auf 58, Hückelhoven von 116,8 auf 128. Heinsberg rutscht von 124,4 auf 121,2 ab. Ein Wert von 100 bedeutet, dass die komplette Kaufkraft in der Stadt beleibt, ein Wert unter 100 bedeutet, dass Kaufkraft abfließt.

Heiner Coenen präsentiert viele positiv denkende Unternehmen. Eine Bereicherung sind auch die von Franz-Michael Jansen gesammelten alten Stadtansichten, die bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts reichen. „Der Aktionskreis ist gut drauf“, hat Heiner Coenen festgestellt.

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