Gangelt-Birgden - Heimatforscher blicken in die Birgdener Geschichte

Heimatforscher blicken in die Birgdener Geschichte

Von: Karl-Heinz Hamacher
Letzte Aktualisierung:
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Drei junge Damen aus Kreuzrath vor dem Birgdener Kino um 1965. Solche Fotos sucht der Geschichtskreis. Nach den Mänteln, Schuhen und Mopeds würden sich Mitglieder der Rockabilly-Szene heute die Finger lecken. Foto/Repro: Hamacher
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Walter Scheufen, Paul Vallen und Wolfgang Heinrichs (v.l.) vor einer der zwölf Tafeln an der Bahnhofstraße.

Gangelt-Birgden. Da staunen manchmal sogar die alteingesessenen Birgdener: Mit kurzen, prägnanten Sätzen aus der Historie des Ortes versehen, finden sich zur Zeit zwölf großformatige Fotoreproduktionen an verschiedenen Hauswänden und zeigen im Bild, wie es damals gewesen ist.

Damals heißt, bevor neue Häuser gebaut wurden, alteingesessene Firmen verschwanden und grundlegende Änderungen in der Struktur des größten Ortes in der Gemeinde Gangelt der neuen Zeit vorgenommen wurden.

Geboren wurde die Idee im „Geschichtskreis Birgden“ von Walter Scheufen, der so etwas Ähnliches bei einer Aktion in Brachelen gesehen hatte. Sein Vorhaben trug er beim Monatstreff der Birgdener Historikergruppe vor, und alle waren begeistert. Dabei wurde aber schnell klar, dass ein reines „Abkupfern“ nicht in Frage kommen sollte. So wurde die Idee einer Kombination von Bild- und Texttafeln geboren.

Walter Scheufen und Paul Vallen, den man getrost als wandelndes Birgdener Geschichtsbuch bezeichnen kann, wurden mit den entsprechenden Entwürfen beauftragt.

Walter Scheufen, der Fotograf in der Gruppe, hatte Zugriff auf ein umfangreiches Bildarchiv, Paul Vallen hat vieles von vor und nach den Kriegen zu Papier gebracht. Von ihm stammen auch einige Zeichnungen, die bekannte Motive und Szenen festhalten, aus einer Zeit, als Fotografen noch die große Ausnahme waren.

Für die Umsetzung wurde die professionelle Hilfe von Ludwig Bohnen in Anspruch genommen. Um Erfahrungen von ähnlichen Aktionen in das Birgdener Projekt einfließen zu lassen, sah man sich in Wassenberg und Orsbeck um und tauschte Erfahrungen mit den jeweils Verantwortlichen aus.

Es folgte die Suche nach geeigneten Anbringungsorten und die Abfrage der Bereitschaft zur Anbringung solcher Bild- und Texttafeln. Hier stieß man auf eine breite Zustimmung, die Idee wurde gelobt und von den meisten Bürgern dankbar angenommen. Inzwischen findet man in Birgden ein Dutzend Tafeln mit historischen Aufnahmen und erläuternden Texten.

Wolfgang Heinrichs, der Vorsitzende des rund 45 Mitglieder starken Geschichtskreises, hofft, dass man durch diese Aktion eine Broschüre „Ortsrundgang Birgden“ erstellen kann. Denn es ist ja so, dass die kurzen Erläuterungen auf den Tafeln nur an der Oberfläche kratzen.

Wie viel es zu erzählen gibt, zeigt nur ein einziges Beispiel, das Paul Vallen vom „Möldschpool“ (einer Wasserstelle am „Kleinen Pley“) zu erzählen weiß. Hier trafen nämlich jeden Winter – früher waren die Winter ja noch Winter – zwei völlig unterschiedliche Interessen aufeinander.

Die Kinder des Ortes freuten sich nach dem ersten Frost, eine Schlidderbahn aufs Eis zu rutschen. Aber auch die Bierbrauer, die genau gegenüber ihrem köstlichen Handwerk nachgingen, freuten sich auf das Eis. Sie schnitten es aus dem kleinen See und nutzen es zur Kühlung ihrer Produkte.

„Da gab es dann regelmäßig Ärger“, kann Paul Vallen heute lächelnd erzählen. Zur Birgdener Ortsgeschichte könnte sicher auch Ehrenbürgermeister Heinrich Aretz viel beitragen. An seinem Haus in der Kreuzstraße befindet sich aber noch keine Tafel.

Dafür am benachbarten Betkreuz, wo auf die außergewöhnliche Geschichte dieses Ortes eingegangen wird und das Foto viel Historisches zeigt. Zum Beispiel im Hintergrund die Windmühle, die einst in Schierwaldenrath gestanden hat. Einige der Tafeln widmen sich auch verschiedenen Aspekten rund um den Großen Pley.

Alleine auf einem Foto kann man schon sehen, dass in Nachbarschaft sich hier eine Schneiderei, eine Gerberei, ein Dachdecker und die Veiling (dort wurde frisches Obst gegen Geld oder Säfte getauscht) befanden.

Heute sind sie alle, wie auch die meisten alten Häuser auf diesem Foto, verschwunden. Das Projekt ist für die Gruppe noch nicht abgeschlossen.

Es sollen weitere Tafeln angebracht werden, die das Geschichtsbild vervollständigen. Hierzu sucht man dringend alte, aussagekräftige Fotografien, die nur reproduziert und dann den Eigentümern zurück gegeben werden. Die gesamte Finanzierung des Projekts hat der „Geschichtskreis Birgden“ übernommen. Wer in Birgden zwischen den Feiertagen spazieren geht, kann sich die zwölf Tafeln im Ortskern ja einmal ansehen.

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