Heimatabend in St. Nikolaus mit Text und Musik

Von: Markus Bienwald
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Kräftig in die Trompete stießen diese beiden jungen Vertreter vom Schülerorchester des Musikvereins St. Hubertus Gangelt. Foto: Markus Bienwald
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Schriftstellerin Nuran Joerißen vermittelte nicht nur mit einem Text ihr Heimatgefühl, sie befragte auch die Besucher dazu.
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Sängerin Barbara Drießen verstand es prächtig, ihre Beiträge mit Gesang zu kombinieren.

Gangelt. Ein Heimatabend: Wer da an in Trachten gekleidete Menschen denkt, die sich zum mehr oder minder fröhlichen Stelldichein versammeln, liegt ebenso falsch wie jemand, der an ganz normale Leute denkt, die sich treffen, um über ihr Heimatgefühl zu sprechen. Diese Chance bot sich nun bei einem Heimatabend der ganz besonderen Art.

„(M)ein Heimathaus“ war der Abend überschrieben und fand in der Gangelter Kirche St. Nikolaus mehr als 60 Besucher.

Die durften sich auf einen wirklich erfrischenden Mix aus Texten und Musik freuen, der weit mehr war als nur ein simpler Erzählabend oder ein Konzert. Der Abend lebte von der Vielfalt auch der Gedanken, die durch die in Gangelt lebende Schriftstellerin Nuran Joerißen angeregt wurden. In einem einleitenden Text machte sie klar, dass Heimat für jeden Menschen durchaus etwas anderes bedeuten kann. „Was ist Heimat, was macht das Heimatgefühl aus?“, fragte sie und zog mit dem Mikrofon durch die Reihen. Die Besucher zeigten sich zwar überrascht von dieser Idee, machten aber bereitwillig mit.

Und schon diese kurze Frage an alle, die etwas dazu beitragen wollten, zeigte, dass Heimat sich nicht klar definieren lässt, dass Heimat aber andererseits immer ein Wohlgefühl mit sich schwingen lässt. „Wenn ich von Auswärts komme, die Chaussee hochfahre und dann die Kirche sehe, geht mir das Herz auf“, gestand eine Besucherin. Eine andere berichtete davon, eine „Zugezogene“ zu sein, die zwar seit mittlerweile 54 Jahren in Gangelt ein neues Zuhause gefunden hat, aber im Herzen für immer Kölnerin bleiben werde.

Die wundervolle Sängerin Barbara Nießen, die an diesem Abend mit ihren Liedbeiträgen für Gänsehaut sorgte, gab zu, sich zu Hause zu fühlen, wenn sie zum Wochenende nach Hause fährt, die Mama gekocht hat und der Hund sie freudig begrüßt. „Letztlich entscheidet jeder für sich, was Heimat bedeutet“, meinte Nuran Joerißen dazu, und die Gäste nickten zustimmend.

Und auch die Schriftstellerin selbst berichtete von ihrem Heimatgefühl. Mit zwei Jahren kam sie aus dem Geburtsland Türkei nach Deutschland, lebt seitdem hier, doch es sei für sie beispielsweise immer auch ein Höhepunkt gewesen, ihre Schulferien im Heimatland ihrer Eltern zu verbringen.

Der geschickten Frage nach ihrem Alter wich sie zwar aus, doch sie war wie viele andere Gäste des überaus gelungenen Heimatabends in der Gangelter Kirche davon überzeugt, dass Heimat sich im Spannungsfeld zwischen zwei Polen bewegt. „Heimat macht beides aus: aufgenommen werden und sich heimisch zu fühlen“, so Joerißen. Und neben den Fragen, wie sich beispielsweise aus ihrer Heimat Vertriebene oder Menschen, die ihre Heimat für den Beruf aufgeben müssen, fühlen, gab es noch viele Gedanken zum Thema.

Da passte es natürlich bestens ins Bild, dass diese teils heiteren, teils nachdenklichen Geschichten noch mit Musik gespickt waren. Neben Barbara Nießen traten der Kinderchor mit Monika Brinkmann und Norbert Drießen und das Schülerorchester des Musikvereins St. Hubertus Gangelt den Beweis an, dass auch Musik und Vereinsleben ein gutes Stück vom Heimatgefühl vermitteln können.

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