Übach-Palenberg - „Haus Momente“ verschönert Senioren den Alltag

„Haus Momente“ verschönert Senioren den Alltag

Von: lbe
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Bei der Eröffnung der Tagesstätte „Haus Momente“ von Brigitte (3.v.r.) und Dieter Meyer-Thurn (4.v.r.) waren Schirmherr Bürgermeister Wolfgang Jungnitsch (6.v.r.), Dipl.-Ing. Hedwig Klee (4.v.l.) vom Planungsbüro Klee, einige Nachbarn und Freunde zu Gast.

Übach-Palenberg. „Tage und Jahre vergehen, aber ein schöner Moment leuchtet das Leben hindurch“ – das ist der Spruch, der die Gäste von Brigitte (58) und Dieter Meyer-Thurn (59) begrüßt, wenn sie durch den Flur in Richtung Wohnzimmer gehen. Der Raum bietet viel Platz, ist freundlich, offen und hell gestaltet. Daran grenzt ein großer Wintergarten, der den Blick auf den liebevoll gestalteten Garten mit Teich freigibt.

Ganz rechts befindet sich eine gemütliche Couch in gedeckter Farbe, auf der Ingeburg (83) vor dem Kamin Platz genommen hat. Die Seniorin ist die Mutter von Brigitte Thurn – und leidet an Demenz.

Ingeburg gab dem Ehepaar vor zwei Jahren unbewusst den Anstoß zu der Idee, eine private Tagesstätte für Senioren und Demenzkranke in Übach-Palenberg zu eröffnen. „Sie musste damals plötzlich in ein Heim zur Kurzpflege. Ihr Lebensgefährte ging in Kur und sagte erst zwei Tage vorher bescheid“, sagt Brigitte Thurn.

Alles musste ganz schnell gehen – zufrieden waren sie mit der Situation jedoch überhaupt nicht. „Wir hätten gerne gesehen, dass es dort liebevoller zugegangen wäre, und hätten uns eine 1:1-Betreuung in familiärem Rahmen gewünscht“, sagt Brigitte Thurn. In diesem Moment kam den Übach-Palenbergern die Idee zu ihrer eigenen privaten Tagesstätte, in der all das möglich sein soll.

Durch Ingeburgs Erkrankung setzten sich Brigitte und Dieter Meyer-Thurn intensiver mit dem Thema Demenz auseinander.

Innerhalb von zwei Jahren wurde aus der einstigen Idee dann schnell Realität. Sie besuchten Lehrgänge, bildeten sich fort.

Brigitte Thurn hatte ohnehin viele Jahre in der Pflege und im Krankenhaus gearbeitet. Nur für ihren Mann es Neuland. Er ist gelernter Elektrotechniker. „Ich komme aus einer ganz anderen Ecke“, sagt er und lacht. Er komme jedoch sehr gut mit Kindern und Senioren klar. Ihm liegt diese Arbeit einfach und sie liegt ihm sehr am Herzen.

Das merkt man auch, wenn er sich mit „Muttchen“, wie er Ingeburg liebevoll nennt, beschäftigt. Oft verwechselt sie ihn mit ihrem vor langer Zeit verstorbenen Ehemann. Das macht ihm jedoch nichts. Er nimmt die 83-Jährige dann in den Arm und streichelt ihr beherzt über die Wange. So wie auch heute. „Wer ist denn noch da?“, fragt sie in die Runde der Gäste. „Muttchen interessiert sich sehr für Männer“, sagt Dieter Meyer-Thurn und lacht. Schnell hat sie sich Bürgermeister Wolfgang Jungnitsch herausgepickt und sich in seiner Nähe positioniert. Sie zuppelt ihm an der Krawatte und spricht freundlich mit ihm.

Heute hat Ingeburg sich schließlich besonders fein herausgeputzt. Sie trägt eine Seidenbluse mit Perlenknöpfen, eine Goldkette sowie eine braune Cordhose. Ihre schwarze Clutch gibt sie nicht aus der Hand. Das graue Haar hatte ihr ihre Tochter Brigitte elegant nach hinten gekämmt.

Immerhin war „der Mann der Stadt“ zur Eröffnung, in der Ingeburg gern gesehener Dauergast sein wird, zu Besuch. Bürgermeister Wolfgang Jungnitsch ist Schirmherr der Tagesstätte. „Solche innovativen Ideen muss man unterstützen“, sagt er. „Das sind wunderbare Räume hier, und es ist schön, wenn Menschen nicht nur etwas für sich selbst, sondern auch für die Allgemeinheit tun“, fährt er fort.

Wohnzimmer, Küche und Wintergarten wurden durch Dipl.-Ing. Hedwig Klee vom gleichnamigen Planungsbüro so umgestaltet, dass Raum für bis zu fünf Senioren vorhanden ist. Drei Monate lang haben die Thurns ihr Wohnhaus an der Schulstraße renoviert und umgebaut. Eine Nutzungsänderung musste beantragt und ausgeführt werden.

Der Boden ist nun beigefarben, die hölzernen Türrahmen und Decken weiß gestrichen – ebenso weiß wie die Möbel. Eine orangefarbene Wand und – zurzeit – österliche Dekoration sind die Indikatoren für eine gemütliche Atmosphäre. Das war den beiden wichtig. „Wir werden schließlich auch mal älter und möchten im familiären Kreis aufgehoben sein“, sagt Brigitte Thurn. Ab sofort können bis zu fünf Senioren und Demenzerkrankte pro Tag von morgens bis etwa 16.30 Uhr im „Haus Momente“ verbringen.

Sie werden dort vollverpflegt mit „Mahlzeiten, die von einem hiesigen Metzger zubereitet werden“, sagt Brigitte Thurn. In diesen Stunden wollen die beiden auf die persönlichen Bedürfnisse ihrer Gäste eingehen, Brettspiele anbieten, musizieren, singen, spazierengehen oder sich einfach mit ihnen unterhalten.

Zudem gibt es jedes erstes Wochenende im Monat die Möglichkeit, von 10 bis 22 Uhr Gäste in der Tagesstätte zu betreuen. Das Paar hat außerdem zwei kleine Hunde und Katzen. „Es ist bewiesen, dass Tiere einem therapeutischen Zweck dienen“, sagt Brigitte Thurn. „Gerade Demenzkranke beschäftigen sich gerne mit den ihnen.“

Weitere Informationen über Termine und Preise gibt es bei Dieter Meyer-Thurn und seiner Frau Brigitte per Mail unter dietermeyer@t-online.de oder telefonisch unter Telefon 02451/9151745.

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