Hauptschule steht vor Schließung: Schüler protestieren im Rathaus

Von: Manfred Hahn
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Übach-Palenberg. Mit diesem Empfang hatten die Mitglieder des Ausschusses für Schulen, Kirchen, Vereine und Integration am Donnerstagabend nicht gerechnet: Auf der Rathaustreppe stand eine ansehnliche Gruppe von Schülern, die Plakate und Transparente mit Aufschriften wie „Lasst die Schule”, „Bildung krepiert” oder „Hauptschule bleibt offen” trugen.

Die Schülerinnen und Schüler - begleitet von einigen Lehrerinnen und Lehrern - nahmen dann auf den Besucherstühlen im Ratssaal Platz und folgten sehr diszipliniert (um das gleich vorweg festzustellen) der Diskussion im Schulausschuss, dessen einziger Tagesordnungspunkt die beabsichtigte Schließung der Gemeinschaftshauptschule (GHS) Boscheln war. Schließung, das heißt in diesem Fall, dass an der GHS ab dem Schuljahr 2013/14 keine neuen Eingangsklassen (Klassen 5) mehr gebildet werden und die Schule auslaufend aufgelöst wird.

Die Sicht der Stadt, der als Schulträger dieses Auflösungsrecht zusteht, trug sehr detailliert Beigeordneter Engelbert Piotrowski vor.

Die Situation in der Schullandschaft sei nicht vom Himmel gefallen, der demografische Wandel sei bei den Schulen angekommen, so Piotrowski. Neben der demografischen Entwicklung liege es aber vor allem am Anmeldeverhalten der Eltern, dass viele Hauptschulen vor dem Aus stehen.

Die Zahl der Grundschüler in der Stadt habe sich drastisch verringert, und bei einer Übertrittsquote von 3,5 Prozent von den vierten Grundschulklassen in die GHS seien an der Hauptschule für das kommende Schuljahr nur sieben Anmeldungen zu erwarten. Rechne man den Erfahrungswert von fünf auswärtigen Schülern dazu, komme man auf zwölf - also immer noch keine Klassenstärke. Eine wesentliche Veränderung dieser Zahlen sei bis zum Schuljahr 2020/21 nicht zu erwarten.

Aber selbst wenn die Anmeldezahl von 18 und damit die Mindestzahl für eine Eingangsklasse erreicht werde, so Piotrowski weiter, würde das im Fall der GHS in Boscheln nichts bringen. Grundsätzlich dürfe es zwar Einzügigkeit an Hauptschulen geben, aber nur wenn keine andere zweizügige Hauptschule erreichbar ist und keine andere Schulform adäquate Abschlüsse bietet.

Das treffe für Übach-Palenberg nicht zu. Mit der Hauptschule in Baesweiler gebe es eine erreichbare Alternative und sowohl die Gesamtschule als auch die Realschule böten Möglichkeiten für den Hauptschulabschluss oder einen dem Hauptschulabschluss nach Klasse zehn gleichwertigen Abschluss.

Die Diskussion eröffnete dann Brigitte Appelrath (Grüne). In einer ausführlichen Stellungnahme brach sie eine Lanze für den Erhalt der GHS. Sie verwies auf die Inklusion von Förderschülern in die Regelschule und auf die Schließung von Hauptschulen in der Umgebung, beides könne mehr Hauptschüler für Übach-Palenberg bringen. Die von Piotrowski vorgetragenen Zahlen basierten auf dem Schulentwicklungsplan von 2010 und müssten auf den neuesten Stand gebracht werden, sagte Brigitte Appelrath.

Von der Verwaltung wollte sie wissen, ob man überhaupt schon mit der Hauptschule Baesweiler gesprochen habe, die eventuell auch einzügig werden und keine Fremdschüler mehr aufnehmen könne. Auch mit der Stadt Geilenkirchen, die auch Plätze für ihre Hauptschüler suche, müsse wegen einer möglichen Kooperation beim Erhalt der GHS Boscheln gesprochen werden.

Brigitte Appelrath verwies darauf, dass zurzeit in Düsseldorf das neunte Schulrechtsänderungsgesetz in der Mache sei und voraussichtlich im März im Landtag verabschiedet werde. Das solle man doch abwarten und die Anmeldeböen für die Hauptschule in den Grundschulen verteilen.

Darauf ging in der anschließenden Diskussion Beigeordneter Piotrowski ein und fand Unterstützung bei Bürgermeister Wolfgang Jungnitsch. Wenn dann im Frühjahr nicht genügend Anmeldungen für die GHS vorlägen und der Zug für Anmeldungen an anderen Schulen schon abgefahren sei, könne man doch den Eltern der Hauptschulkandidaten nicht sagen „Sorry, guck wo du bleibst!”, so der Bürgermeister. Auch seitens der Schulaufsicht beim Kreis Heinsberg bekam der Beigeordnete für seine Darstellung Unterstützung.

Für den Kreis warnte Erich Konietzka davor, mit den integrativen Gruppen der Förderschüler in Bezug auf die Hauptschülerzahl zu spekulieren, wie es zuvor der Schulleiter der GHS, Johannes Nellißen, der dem Ausschuss als sachkundiger Bürger angehört, angesprochen hatte.

Schon ein wenig resigniert klang der Beitrag von Johannes Nellißen. Bei den Eltern, die die Schulform Hauptschule ablehnen, sei nicht angekommen, welch hohe Qualität die Arbeit seiner Lehrerkollegen habe. Das habe eine Prüfung im landesweiten Bereich deutlich gemacht, bei der die GHS Boscheln in den Fächern Mathematik, Deutsch und Englisch weit (im zweistelligen Prozentbereich) über dem Landesdurchschnitt abgeschnitten habe.

Zum Thema Inklusion und Aufnahme von Förderschülern aus der auslaufenden Comeniusschule meinte Nellißen, das Knowhow seiner Kollegen sei so hervorragend, dass auch größere Zahlen von Förderschülern an der GHS die Qualität der pädagogischen Arbeit nicht mindern könnten.Für die Ausschussmitglieder und die übrigen Übach-Palenberger Kommunalpolitiker wird es noch eine Frist zum Nachdenken geben.

Auf Antrag von Bärbel Bartel (SPD) beschloss der Ausschuss, eine Entscheidung über die Auflösung der GHS in die Ratssitzung in knapp zwei Wochen zu verschieben.
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