Hastenrather Straße: Nicht für jeden eine Lappalie

Von: Jan Mönch
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„An ungefähr jeder zweiten Tür habe ich die Unterschrift bekommen“: Josef Backhaus war in mehreren Gangelter Ortsteilen sowie in Selfkant unterwegs. Foto: Jan Mönch

Gangelt. Für gewöhnlich hat eine Straße die Funktion, zu verbinden. Die Hastenrather Straße jedoch ist ein Exemplar, das das Gegenteil tut: sie spaltet. In Gangelt gibt es diejenigen, denen das Thema wurscht ist und die der Meinung sind, dass es nun wirklich Wichtigeres gibt. Und es gibt die, die sich über die vermeintliche Willkür von Gemeinde und Politik ärgern.

Zu letzterer Gruppe zählt Josef Backhaus aus Hastenrath. Bislang ließ sich nur darüber spekulieren, wie groß die Gruppe der Befürworter einer geöffneten Hastenrather Straße ist. Dank Josef Backhaus, der bei der Kommunalwahl für die Freien Wähler antrat, weiß man es nun etwas genauer: Es sind 656 Bürgerinnen und Bürger – mindestens. So viele Unterschriften für eine Öffnung nämlich hat Backhaus gesammelt.

Die Hastenrather Straße ist an der Einmündung zur Kreisstraße seit rund zehn Jahren gesperrt. Angeblich wegen der Unfallgefahr an der unübersichtlichen Einmündung Sittarder Straße, wie es stets hieß. Ende 2013 zeigte sich dann, dass sich diese Behauptung zumindest statistisch nicht aufrecht erhalten lässt. Die Schose lief hinaus auf je einen Antrag der Freien Wähler – die damals noch nicht im Rat vertreten waren und den Antrag somit als Bürger stellten – sowie der UB-Fraktion.

Erstere wollten die einspurige Öffnung Richtung Ortsausgang, letztere sogar die zweispurige Öffnung. Beide Anträge wurden abgelehnt, auch wegen des erheblich zugenommenen Schwerlastverkehrs, wie es damals zur Begründung hieß. „Es wird ein Riesenwirbel gemacht um nichts“, zog Bürgermeister Bernhard Tholen einen Schlussstrich unter die Angelegenheit. Damit war eigentlich alles gesagt.

Nicht so für Backhaus sowie Günter Heinen, seit der Wahl für die Freien Wähler im Rat. Wirbel um nichts? Das wollten beide genauer wissen. Zunächst wurde im März der Verkehr am Kreisel vor dem Nahversorgungszentrum gezählt. Und zwar nur der Teil, der aus Richtung Ortskern kommt und dann nach Hastenrath abbiegt. Das Ergebnis: Zwischen 6.30 Uhr und 20 Uhr wurden genau 815 Fahrzeuge gezählt. Außerdem sammelte Josef Backhaus besagte Unterschriften.

Das Ergebnis von 656 Unterschriften ist für eine kleine Gemeinde wie Gangelt beachtlich. Prozentual in Relation zur Bevölkerung ausdrücken lässt es sich jedoch nicht. Denn erstens war Backhaus längst nicht in jedem Teil von Gangelt unterwegs. Und andererseits – zweitens – sammelte er auch in Selfkant. Die Einwohner dort seien von der Sperrung ja schließlich ebenfalls betroffen. „An ungefähr jeder zweiten Tür, an der ich geklingelt habe, habe ich die Unterschrift bekommen“, schätzt Backhaus. Eines jedenfalls wird klar: Ganz so gering, wie die Befürworter der Sperrung es glauben machen wollten, ist die Zustimmung für eine Öffnung nicht.

Dafür spricht übrigens auch das Wahlergebnis, das Backhaus am 25. Mai für die Freien Wähler geholt hat: 15 Prozent der Stimmen erhielt der pensionierte Lehrer in seinem Stimmbezirk. Damit war er in Hastenrath-Kievelberg zweitstärkster Kandidat nach Ludwig Kaproth von der CDU. Der lag freilich mit gewaltigem Abstand vorne. Dennoch dürften die 15 Prozent von Backhaus zu einem sehr großen Stück auf dessen Bemühungen in Sachen Hastenrather Straße zurückzuführen sein.

Zu denjenigen, die sich an dem Nahversorgungszentrum stören, zählt Backhaus übrigens nicht. „Das war ein Volltreffer für Gangelt“, glaubt er. Auch sonst legt er Wert auf die Feststellung, dass die Verwaltung und ihr Chef Bernhard Tholen in vielen Dingen gute Arbeit leisten. Das Thema Hastenrather Straße jedoch ärgert ihn. Er kann sich nicht erinnern, jemals einen für ihn nachvollziehbaren Grund für die Sperrung gehört zu haben.

Auch der Briefverkehr, den er in der Sache geführt hat, verstärkt für seine Begriffe den Verdacht der Willkür. „Man hat das Gefühl, dass Bürger, die eine ganze normale Frage beantwortet haben wollen, einfach nur lästig sind.“

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