Hans Hausmann hat in 46 Jahren seine Handschrift hinterlassen

Von: Udo Stüßer
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Er verlässt nach 46 Dienstjahren das Geilenkirchener Rathaus: Beigeordneter Hans Hausmann. Foto: Georg Schmitz

Geilenkirchen. Wenn Hans Hausmann seinen Blick aus dem zweiten Obergeschoss des Rathauses hinaus über „seine“ Stadt schweifen lässt, kann er dies mit einer großen Portion Stolz tun: Als Leiter des Bauverwaltungsamtes und später als Erster Beigeordneter war er maßgeblich an der Entwicklung der Geilenkirchener Innenstadt, der umliegenden Dörfer und der Gewerbegebiete beteiligt.

Wenn er Ende April nach 46 Jahren in Diensten der Stadt in den Ruhestand tritt, hat er in ganz Geilenkirchen seine Handschrift hinterlassen. Eigentlich, so verrät der 64-Jährige, müsse er nur noch wenige Tage arbeiten. Sein Urlaubskonto ist noch gut gefüllt. Aber da ist noch die gemeinsam mit der Kreissparkasse Heinsberg zu gründende Entwicklungsgesellschaft, die er mit auf einen guten Weg bringen will. Die Gründung hat der Stadtrat in seiner Dezember-Sitzung mit dem Ziel beschlossen, weitere Wohnbauflächen zu entwickeln. Hünshoven, Teveren und Immendorf stehen da ganz oben auf der Liste. Bisher hat die Stadt Geilenkirchen ihre Baugebiete alleine entwickelt. „Das konnten wir finanziell stemmen. Da wir aber in der Haushaltssicherung sind und Geld für Ankauf, Entwicklung und Erschließung der Grundstücke benötigen, lagert man diese Dinge aus, um als Stadt mehr Freiraum für andere Investitionen zu haben“, erklärt Hausmann. Noch allerdings sind die Verträge nicht unter Dach und Fach.

Klar ist, dass sich der scheidende Beigeordnete bis zu seinem letzten Arbeitstag auch mit der Innenstadtsanierung beschäftigt. Übrigens mit seiner zweiten. Die erste hat er mit dem ehemaligen Stadtdirektor Heinz Houben in den 70er Jahren auf den Weg gebracht. Hausmann erinnert sich noch an die unzähligen Wochenenden, an denen er mit Houben im Turmzimmer des Rathauses Förderanträge erarbeitet hat. Maßnahmen mit einem Volumen von 50 Millionen Mark wurden in den 70er und 80er Jahren verwirklicht, was private Investitionen von 150 Millionen Mark nach sich zog. „Da konnte man noch voll in die Fördertöpfe greifen“, sagt Hausmann heute. Das war die Zeit, in der der heutige Stadtkern entstand, in der die Haihover Straße und die Konrad-Adenauer-Straße erneuert wurden und Theodor-Heuss-Ring, Dammweg und In der Au gebaut wurden.

„Ende der 70er Jahre endete die Stadt am Berliner Ring. In den 80er Jahren haben wir Großartiges geleistet, wir haben nachfrageorientiert Bauflächen entwickelt“, verweist Hausmann auf Geilenkirchen Nord, auf das Blumenviertel und auf die Baugebiete in Bauchem und Hünshoven. Nicht zu vergessen die Baugebiete in den einzelnen Dörfern. Hatte Geilenkirchen 1972, im Jahr der kommunalen Neugliederung, 19 000 Einwohner, so ist diese Zahl heute auf 28 600 hochgeschnellt.

Arbeitskreis für Sanierung

Hausmann erinnert sich gerne an diese Zeit, in der ein Sanierungsarbeitskreis gegründet wurde. „Hier waren alle Fraktionen vertreten. Man tagte nicht öffentlich und kam zu sachgerechten und ausgewogenen Entscheidungen. Das war das Beste, was ich erlebt habe.“ Ein solcher Arbeitskreis wurde auch vor 20 Jahren gegründet, als die Rathauserweiterung geplant wurde.

Der politische Wille war, nicht nur den Stadtkern zu sanieren und zu erweitern, sondern auch die Lebensverhältnisse in den Ortschaften zu verbessern. Im Rahmen der Flurbereinigungsverfahren Geilenkirchen und Immendorf wurden für Prummern, Waurichen, Grotenrath, Beeck und Teveren Dorfentwicklungspläne erstellt. Nach diesen Plänen wurden Straßen, Wege und Plätze ausgebaut und neu gestaltet. „Wir hatten eine Vorreiterrolle übernommen und die meisten Fördermittel in der Region und darüber hinaus erhalten. Dafür mussten wir uns bei der Grünen Woche in Berlin präsentieren“, sagt Hausmann.

Schon in jungen Jahren war Hausmann auch an der Entwicklung von Gewerbegebieten beteiligt. Den Anstoß, Gewerbegebiete durch Bebauungspläne festzusetzen, hatte sein Vorvorgänger Johannes Bürger gegeben. Das war 1969. Stadtdirektor war Raimund Bruch. Und Hausmann, der gerade seine Ausbildung als Verwaltungsbeamter im Mittleren Dienst beendet hatte, saß im Bauverwaltungsamt, als das erste Gewerbegebiet Niederheid West entwickelt wurde. 800 Firmen musste Hausmann bundesweit anschreiben und für Geilenkirchen Werbung machen. Edeka war der erste Markt, der sich dort, wo heute Rewe und Mobau beheimatet sind, niederließ. Bis heute wurden in den insgesamt 102 Hektar großen Gewerbegebieten Niederheid, Fürthenrode und Selfkant-Kaserne mehr als 3000 Arbeitsplätze geschaffen.

Hausmann selbst stieg derweil die Karriereleiter empor. Nach seiner Ausbildung als Beamter im Mittleren Dienst absolvierte er schnell die Ausbildung für den Gehobenen Dienst. Ab 1969 arbeitete er im Bauverwaltungsamt und wurde 1981 zum Amtsleiter ernannt. Seit 1989 ist er Beigeordneter der Stadt Geilenkirchen.

Die Entwicklung der Gewerbegebiete lag Hausmann immer am Herzen. Kurz vor seinem Abschied ist es ihm noch gelungen, die Voraussetzungen für eine gewerbliche Fläche in Niederheid westlich der B56 hinter der Gärtnerei Stahl auf den Weg zu bringen.

Wurmauenpark

Es sind viele Projekte, die die Handschrift von Hans Hausmann tragen. Man denke nur an den Bau der Gesamtschule und an das Euro-Service-Center. Das mit 2095 Quadratmeter Nutzfläche damals kleinste von elf Gründerzentren der Wirtschaftsregion Aachen feierte sicherlich nicht die ganz großen Erfolge, aber immerhin entstanden hier einige hundert Arbeitsplätze.

Heute, wenige Wochen vor Eintritt in den Ruhestand, hat der Stellvertreter des Bürgermeisters ein mulmiges Gefühl im Magen, blickt aber auch mit Zufriedenheit auf 46-jährige engagierte Tätigkeit in Geilenkirchen. „Ich glaube, dass ich an entscheidender Stelle mit daran gearbeitet habe, dass sich das Erscheinungsbild der Stadt und die Lebensqualität verbessert haben“, sagt er. Dennoch freut er sich jetzt auf Gartenarbeit, Joggen und Reisen mit Ehefrau Hildegard. Aber da wartet immer noch ein wenig Arbeit auf seinem Schreibtisch in Prummern: Schließlich arbeitet er im Regionalrat der AOK, im Prummerner Kirchenvorstand und im Vorstand der Albert-Jansen-Stiftung. Wenn ihn nicht seine beiden Enkel davon abhalten . . .

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